WM während der Arbeitszeit
Fußballgucker sollten vorher „Ausstempeln“

Die Beschäftigten in vielen deutschen Unternehmen müssen sich ihre Fußballbegeisterung für den Feierabend aufsparen: Selbst bei WM-Sponsoren heißt es für interessierte Mitarbeiter meist: Vorher „ausstempeln“!

HB BERLIN. Die Nachrichtenagentur dpa fand bei einer Umfrage jedoch auch Firmen, deren Leitung das „Problem“ lockerer sehen. In machen Kantinen und Konferenz-Räumen würden zumindest Spiele der deutschen Elf auf Großleinwänden zu sehen sein werden.

In Werkshallen großer Industriefirmen kommen Fernsehübertragungen der Spiele meist gar nicht in Frage. „Wir müssen Autos produzieren“, sagt ein Sprecher der BMW-Produktion im bayerischen Regensburg. Auch bei Opel in Rüsselsheim gilt selbst bei wichtigen Partien TV-Verbot. „Dazu müsste das Band gestoppt werden, und das geht natürlich nicht“, sagt eine Sprecherin. Ebenfalls kategorisch ist die Regelung bei Thyssen-Krupp: „Wer sich Spiele ansehen will, muss nach Hause gehen, Überstunden abbauen oder einen Tag Urlaub nehmen“, heißt es in der Zentrale in Düsseldorf.

Zahlreiche Unternehmen verweisen auf Gleitzeitregelungen, mit denen sich Fußballfans in der Belegschaft das Mitfiebern ermöglichen können. Beim weltgrößten Reisekonzern Tui in Hannover sollen dafür in Gemeinschaftsräumen Fernseher aufgestellt werden. Beim Medizingeräte- und Sicherheitstechnik-Hersteller Dräger in Lübeck sind für Spiele mit deutscher Beteiligung Leinwände in der Kantine geplant - die 90 Spielminuten gelten aber nicht als Arbeitszeit. Ähnliche Ausnahmen für das nachmittags anstehende letzte Vorrundenspiel der deutschen Kicker am 20. Juni gegen Ecuador machen unter anderem auch das Bremer Raumfahrtunternehmen EADS oder der Münchner Finanzriese Allianz.

Manche Firmen nehmen Übertragungen der WM-Spiele auch zum Anlass für besondere Feste außerhalb der Arbeitszeit. Der Arzneimittel-Hersteller Pfizer plant für den 20. Juni in Karlsruhe ein Barbecue auf dem Firmengelände. Der Autozulieferer und WM-Sponsor Continental baut für Mitarbeiter und ihre Familien eine Großleinwand am Maschsee in Hannover auf. Die Dresdner Bank will in der Frankfurter Zentrale ein WM-Studio samt Rahmenprogramm mit Cheerleadern einrichten. „Das hat eine positive Auswirkung auf die Mitarbeitermotivation“, sagt eine Sprecherin.

Beim Sportartikelhersteller und WM-Großsponsor Adidas sollen sogar alle Spiele ganz ohne Bedenken zu verfolgen sein. Im Mitarbeiter-Restaurant ist eine Großleinwand geplant. „Bei uns ist WM-Gucken Arbeitszeit“, sagt eine Sprecherin. Auf Nummer Sicher gehen auch tausende Beschäftigte im WM-Teilnehmerland Kroatien: Während des Turniers hat nach Medienberichten ein Drittel aller Arbeitnehmer Urlaub genommen.

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