Worauf Arbeitnehmer achten müssen
Was im Arbeitszeugnis zählt

Großer Ärger um ein kleines Wort: Fast drei Jahre klagte sich ein Computerfachmann aus Hanau durch die Instanzen, bis er vor dem Bundesarbeitsgericht landete. Fünf Buchstaben vermisste er im Arbeitszeugnis: Sein ehemaliger Arbeitgeber möge ihm bescheinigen, dass er die ihm übertragenen Arbeiten nicht bloß „zur vollen Zufriedenheit“ ausgeführt habe, sondern dies „stets“ getan habe. Auch die Bundesrichter fanden keine Lösung – der Fall wird demnächst wieder vor dem Landesarbeitsgericht verhandelt.
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HB DÜSSELDORF. Derartig lange Auseinandersetzungen sind zwar die Ausnahme, Konflikte um das Arbeitszeugnis aber an der Tagesordnung. „Bei jeder dritten Kündigungsklage geht es auch um die Qualität des Zeugnisses“, sagt Hans-Georg Rumke, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Weilheim. Kein Wunder. Für Arbeitnehmer ist das Zeugnis nach wie vor eine der wichtigsten Bewerbungsunterlagen für einen neuen Job. „Es vermittelt die essenziellen Informationen über einen Kandidaten“, sagt Karl Bosshard, Partner bei der Managementberatung Kienbaum.

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Viel mehr allerdings nicht. Schon weil das Gesetz den Arbeitgeber verpflichtet, sich wohlwollend über den ehemaligen Schützling zu äußern. Das hat zwar zu den berüchtigten Geheimcodes geführt – Formulierungen wie „er hat sich bemüht“, die für Personaler genau das Gegenteil von dem bedeuten, was sie im allgemeinen Sprachgebrauch sagen. Doch tatsächlich sind negative Botschaften selten. In Zeiten von Massenentlassungen will kaum ein Unternehmen den ehemaligen Angestellten Steine in den Weg legen. Viele stellen den Exkollegen sogar frei, ihre Beurteilung selbst zu schreiben und zeichnen diese dann großzügig ab. Ein Topzeugnis ist oft auch Teil der Vereinbarung, wenn ein Vertrag aufgehoben wird.

Gerade die Zeugnisse für Führungskräfte sind daher für Personalchefs fast uninteressant. „Über Vorinterviews und Referenzen erfahren wir wesentlich mehr“, sagt Julia von Krafft, Leiterin Personalbeschaffung beim Automobilzulieferer Brose.

Spannend wird es vor allem, wenn ein Arbeitnehmer selbst kündigt. „Einige Vorgesetzte werten das als persönlichen Affront und versuchen, sich im Zeugnis zu rächen“, sagt der Karriereexperte Thorsten Knobbe, der für die WirtschaftsWoche den Arbeitszeugnis-Check auf wiwo.de anbietet.

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