"Work-Life-Balance"
Familiensinn ist kein Weichei-Faktor mehr

Karriere machen oder das Privatleben kultivieren? Junge Manager wollen beides. So haben zwar 41 Prozent der jungen Führungskräfte in deutschen Unternehmen den Aufstieg in die Geschäftsführung oder den Vorstand im Visier – aber nur, wenn genügend Zeit für Familie und Freizeit bleibt.

HB DÜSSELDORF. Doch schon heute sieht die Realität für die meisten jungen Führungskräfte düster aus: Zwei Drittel halten ihre Arbeitsbelastung für hoch oder sehr hoch – und sind deshalb unzufrieden mit ihrem Arbeitgeber. Im Schnitt arbeiten sie 47,5 Stunden pro Woche. Das ist das Ergebnis einer Studie der Münchener Personalberatung Comteam AG. 297 Jungmanager aus 280 Unternehmen in Deutschland wurden befragt. Alle arbeiten seit höchstens drei Jahren in einer Führungsposition.

Die Studie belegt: Die Mehrheit der deutschen Unternehmen investiert zu wenig in die Zufriedenheit ihrer Hoffnungsträger. Mangelndes Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatem wird für viele Jungmanager zum Problem. „60 Stunden Arbeit pro Woche sind keine Seltenheit“, berichtet Lorenz Forchhammer, Vorstand bei Comteam. „Unternehmen helfen ihren jungen Führungskräften zu selten dabei, die hohe Arbeitsbelastung mit dem Privatleben zu vereinbaren.“ Die Folge: Unternehmen riskieren, wertvolle Mitarbeiter zu verlieren.

Forchhammer hat einen weiteren Grund für die Überlastung und die Unzufriedenheit ausgemacht: Jungmanager sind besonders oft dafür verantwortlich, die Kosten zu senken, Abteilungen zusammenzulegen und Mitarbeiter zu entlassen. Doch darauf sind die meisten nicht vorbereitet. „Führung ist heute eben meist kein netter Job mehr“, so Forchhammer.

In vielen deutschen Unternehmen ist Work-Life-Balance nur ein Lippenbekenntnis, belegt auch eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Zwar behaupten rund 80 Prozent aller deutschen Unternehmen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern. Doch häufig beschränkt sich dies auf die Flexibilisierung der Arbeitszeit und Telearbeit. Ein solches Angebot machen 75 Prozent der befragten Unternehmen ihren Angestellten. Betriebskindergärten dagegen sind immer noch die Ausnahme. Kinderbetreuung beschränkt sich meist auf Kurzzeithilfe im Krankheitsfall.

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