Zeitarbeit
„Moderne Lehr- und Wanderjahre“

Lange war sie verpönt – nun nutzen immer mehr Akademiker Zeitarbeit als seriöse Alternative. „Wir haben im laufenden Jahr 10 000 neue Stellen geschaffen, 2007 dürfte der Markt um 20 Prozent wachsen“, erzählt Adecco-Chef Dieter Scheiff. Die Branche boomt.

DÜSSELDORF. „Nach elf Jahren im Mittelstand habe ich den Sprung in einen internationalen Konzern geschafft“, freut sich Betriebswirt Daniel Kerwin. Seit August arbeitet der 33-Jährige als Bilanzfachmann bei einem rheinischen Dax-Unternehmen. Seinen festen Arbeitsvertrag aber hat ein ganz anderer unterschrieben – Robert Half International, weltweit führendes Zeitarbeitsunternehmen für Finanzexperten.

Kerwin: „Ohne den Umweg Zeitarbeit hätte ich bei den Großen kaum einen Fuß in die Tür bekommen. Jetzt habe ich meinen Verantwortungsbereich und kann zeigen, was ich draufhabe.“ Seine Stelle beim Konzern ist zwar bis Jahresende befristet, doch der Steuerfachangestellte sieht das positiv: „Aus sicherer Position in verschiedene Firmen reinzuriechen war der Grund, warum ich aus meiner alten, eher eintönigen Festanstellung zur Zeitarbeit ging.“

Die Branche boomt wie keine andere. Beispiel Adecco Deutschland: „Wir haben im laufenden Jahr 10 000 neue Stellen geschaffen, 2007 dürfte der Markt um 20 Prozent wachsen“, erzählt Adecco-Chef Dieter Scheiff. Zeitarbeitnehmer – vor allem hoch qualifizierte – werden händeringend gesucht. Bereits jeder Sechste, den die Top-15-Firmen vermitteln, hat studiert, fand Marktforscher Lünendonk heraus. Bei Spezialanbieter Robert Half ist es jeder Dritte, bei anderen noch mehr. Randstad führt schon Kooperationsgespräche mit Hochschulen, um den schier unstillbaren Bedarf zu befriedigen, berichtet Deutschland-Chefin Heide Franken.

Adecco und Tochter DIS könnten ad hoc 1 500 Stellen besetzen. Gesucht: vor allem Hochqualifizierte wie Ingenieure, Finanzexperten, IT-Fachleute und Juristen. Randstad braucht allein in Ludwigsburg 70 Leute – meist Ingenieure. Im Rhein-Main-Gebiet sucht der Marktführer Banken- und Versicherungsexperten, an Flughäfen Logistiker. Auch Sven Hennige, Deutschland-Chef von Robert Half, beklagt den Fachkräftemangel: „150 anspruchsvolle Jobs in Buchhaltung und Controlling, auch Leitungsposten, könnten wir sofort besetzen – doch geeignete Kandidaten fehlen .“





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Geleaste Spezialisten sind begehrt. Vorbei die Zeiten, als der Branche das Schmuddelimage vom „Arbeitgeber zweiter Klasse“ anhaftete. Der Wandel hat viele Gründe: Seit 2004 gibt es einen Tarifvertrag, ferner fiel die zeitliche Begrenzung für die Überlassung. „Das macht Zeitarbeit für Hochqualifizierte deutlich attraktiver“, so Franken. Zudem wollen Firmen heute flexibel sein und ihre Leistungstiefe verringern, betont Lünendonk-Geschäftsführer Hartmut Lüerßen. „Sie vergeben oft ganze Projekte für Monate oder Jahre an geliehene Spezialistenteams.“

In der Automobil-, Halbleiter- und Handyproduktion ist teilweise schon ein Fünftel der Belegschaft ausgeliehen. Bei Airbus Deutschland arbeiten neben 22 000 Festangestellten etwa 7 300 langfristig Entliehene wie Ingenieure oder Kaufleute – ein sattes Drittel. Wegen der Auftragskrise verlieren aber gerade die ersten 1 000 ihre Stelle, kommen aber anderweitig in Zeitarbeit unter. Scheiff: „Wir sind Karrierebegleiter. Wer hat schon ein Team im Hintergrund, das hilft, einen adäquaten Job zu finden, und noch kostenlos schult, falls die ein oder andere Qualifikation fehlt?“

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