Zollverein School of Management and Design
Kaufleute mit Gefühl für das Produkt

Markenhersteller suchen oft vergeblich nach Kreativmanagern. Gesucht werden Führungskräfte, die gleichzeitig kreativ und kostenbewusst sind. Eine Manager-Schule in Essen will diesen Mangel jetzt beheben.

ESSEN. Bernd Ehrengart schiebt schon seit Monaten ein ungelöstes Personalproblem vor sich her. Der geschäftsführende Gesellschafter des Möbelherstellers Lambert in Mönchengladbach sucht einen Bereichsleiter für Einkauf und Produktentwicklung. Welche Qualitäten der neue Manager haben soll, davon hat Ehrengart eine sehr konkrete Vorstellung: „Ich wünsche mir einen kreativen Einkäufer, der gleichzeitig Kaufmann und Produktentwickler ist.“

Fündig geworden ist der Möbelunternehmer bisher nicht, obwohl er unzählige Bewerbungen gesichtet hat. Das Problem ist immer wieder das gleiche: Entweder verstehen die Kandidaten etwas von Management, haben aber keine Ahnung von Design. Oder sie haben Erfahrung in der Produktentwicklung, können aber nicht mit Zahlen umgehen. Mit solchen Führungskräften, die keinen Blick für beide Bereiche haben, hat Ehrengart schon mehrfach schlechte Erfahrungen gemacht. „Designer haben zwar ein Händchen für neue Produkte, aber sie haben die Kosten nicht im Griff. Betriebswirte achten allzu sehr auf die Zahlen und geben sich rational – doch damit bringen sie die Kreativen im Haus gegen sich auf.“

Ehrengart ist mit seinem Problem nicht allein. Vielen Chefs und Personalmanagern produzierender Unternehmen geht es ähnlich. Sie suchen vergeblich nach Führungskräften, die gleichzeitig kreativ und kostenbewusst sind. „Das gilt besonders für Unternehmen, die stark emotional besetzte Produkte herstellen, zum Beispiel Auto- oder Möbelproduzenten“, weiß Ralph Bruder, Präsident der Essener Zollverein School of Management and Design.

Die Probleme der Unternehmen bei der Suche nach geeigneten Managern haben einen einfachen Grund. Viel zu selten eignen sich angehende Führungskräfte in Deutschland einen interdisziplinären Blick an. Das hat seine Ursachen auch im Ausbildungssystem: Die Wirtschaftsfakultäten der Universitäten legen kaum Wert auf kreative Anteile in ihrem Studienprogramm. Gleichzeitig erfahren angehende Designer an den Hochschulen nichts über Unternehmenssteuerung.

Die neu gegründete Zollverein School will das mit ihrer Ausbildung jetzt ändern. Ende Februar haben auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Zollverein die Schüler des ersten Jahrgangs mit einem in Deutschland bislang einmaligen Studiengang begonnen. Er soll gleichzeitig Wissen über Management und Design vermitteln. „Immer mehr Unternehmen bemerken, dass es nicht reicht, wenn ein Manager seinen Produktentwicklern ein Ziel vorgibt“, erklärt Präsident Bruder sein Konzept. „Nur wenn auch die Führungskräfte eine eigene Vorstellung von ihrem neuen Produkt haben, stimmt am Ende das Ergebnis.“

Die Essener Ausbildung dauert 18 Monate und richtet sich an Führungskräfte, die in ihrer bisherigen Position nur eine der beiden Seiten abgedeckt haben: Manager erhalten einen Einblick in den Ablauf von Designprozessen, um hinterher bessere Produktentwickler zu sein. Mit ihnen gemeinsam pauken Kreative Marketing, Rechnungswesen und strategisches Management. Auf dem Stundenplan steht neben der Geschichte der Wohnkultur auch die Theorie des Shareholder Value. Die Seminare sind zu viertägigen Blöcken zusammengefasst, damit die Teilnehmer parallel weiterhin in ihrem Unternehmen arbeiten können. Voraussetzungen für die Zulassung sind ein abgeschlossenes Studium, mindestens zwei Jahre Berufserfahrung und gute Englischkenntnisse.

Die Führungskräfte wollen ihren Horizont erweitern – und erhoffen sich von der neuartigen Weiterbildung natürlich bessere Karrierechancen. So auch Martin Mangold, der in den vergangenen Jahren beim Wittener Automobilzulieferer Pelzer die Design-Abteilung aufgebaut hat und jetzt mit drei Mitarbeitern für die Optik von Auto-Bodenbelägen und Dachverkleidungen verantwortlich ist. Der 34-Jährige hat Produktdesign und Architektur studiert.

„Ins Management bin ich hineingewachsen“, erzählt Mangold – ohne viel theoretisches Vorwissen. Das will er sich jetzt in Essen aneignen. „Meine Ausbildung hat mich sehr emotional geprägt. Jetzt möchte ich lernen, rationaler zu denken, zum Beispiel was die effiziente Organisation eines Unternehmens angeht.“

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