Zu viele „Titelmühlen“
Deutschland – ein Trauerspiel

Nahezu einhundert MBA-Programme gibt es mittlerweile in Deutschland. Doch sie können im internationalen Vergleich nicht mithalten. Ein Führer durch die Wüste.

Der Markt boomt. Noch nie haben sich in Deutschland so viele Menschen für einen Master of Business Administration (MBA) interessiert. War das aus den angelsächsischen Ländern stammende Manager-Diplom vor einigen Jahren noch nahezu unbekannt, geht die Zahl der MBA-Interessenten heute in die Zehntausende. „Wir verzeichnen für unsere MBA-Messen in Deutschland die größten Besucherzuwächse weltweit“, bestätigt Nunzio Quacquarelli, Chef der weltweit organisierten „World MBA Tour“, die in über dreißig Orten weltweit Programme verschiedener MBA-Schulen vorstellt.

Dabei erklärt sich die Popularität des MBA vor allem aus der Schwäche des BWL-Studiums in Deutschland. Die hiesigen Hochschulen sind offenbar zu wenig praxisorientiert und zu wenig international ausgerichtet, um die (Top-)Manager, Berater und Banker hervorzubringen, die der internationale Markt heute verlangt (und fürstlich bezahlt).

Doch der deutsche MBA-Markt ist ein Trauerspiel. Zwar gibt es mittlerweile hier zu Lande gut einhundert MBA-Anbieter, doch die Qualität rechtfertigt in den seltensten Fällen das karriereversprechende Label. Denn anders als Diplome deutscher Hochschulen oder die Promotion unterliegt der MBA keiner staatlichen Kontrolle.

Im Prinzip kann hier zu Lande jeder einen MBA anbieten. Und der ist dann oft das Geld für das Papier nicht wert, auf dem das „Diplom“ gedruckt ist, geschweige denn die vielen Tausend Euro, die ein MBA-Programm üblicherweise kostet. „Titelmühlen“ heißt das im Jargon.

Nicht alle deutschen MBA-Programme sind grundsätzlich schlecht. Manche Anbieter, insbesondere die Fachhochschulen, hätten aber gut daran getan, ihre Angebote als das zu benennen, was sie im Grunde sind, nämlich berufsqualifizierende Master-Programme. Solche Spezialisierungsprogramme sind aber eben keine General-Management- Programme, die für eine Führungsaufgabe fit machen. Die große Karriere winkt hier nicht.

So geht kein Weg an der traurigen Erkenntnis vorbei, dass gegenwärtig kein deutsches MBA-Programm mit den großen Namen wie IMD, Insead, London Business School oder gar Harvard, Stanford, Wharton, Columbia mithalten kann. Auf internationalen Ranglisten taucht Deutschland überhaupt nicht auf.

Schlimmer noch: Die meisten deutschen Anbieter stellen sich nicht einmal dem internationalen Vergleich. Von den deutschsprachigen Hochschulen tragen nur die Universität St. Gallen (HSG) und die private WHU Koblenz das Equis-Gütesiegel der European Foundation for Management Development (efmd). Die Universität Mannheim ist von der US-amerikanischen AACSB geprüft worden, ein Weg, den gerade auch die Handelshochschule Leipzig beschreitet.

Wer die große Karriere im Auge hat, sollte deshalb einen großen Bogen um die meisten deutschen MBA-Programme machen. Stellvertretend für die Top-Unternehmen aus dem Investmentbanking und Consulting sagt Susanne Niethen, Recruiting-Chefin bei McKinsey: „Wir interessieren uns aktiv nur für Absolventen von Top-Schulen wie Insead, Harvard, London Business School etc.“

Wer dennoch seinen MBA in Deutschland machen will, sollte bedenken, dass der MBA nicht dem intellektuellen Vergnügen dient. Wer einen MBA macht, will damit beruflich vorankommen.

Der erste Schritt sollte daher sein, sich zu fragen, wohin man karrieremäßig mit dem MBA eigentlich will. Der MBA ist dann gleichsam die Brücke, die von der gegenwärtigen Karriereposition zu der anvisierten zukünftigen führt. Und die nächste Frage wäre dann, ob dieser (oder ein anderer) MBA dorthin führen kann. Dies ist der entscheidende Punkt, den jeder MBA-Interessent bereits im Vorfeld klären sollte.

Als Titel, der die Visitenkarte schmückt, ist der MBA praktisch wertlos. Sein Wert besteht letztlich in den Karriere-Optionen, die er eröffnet. Anders gesagt: Was dieser oder jener MBA-Abschluss wert ist, bestimmt am Ende der potenzielle Arbeitgeber. Die jeweilige Wertschätzung herauszufinden, erfordert einigen Aufwand. Aber nur so wird die Ausgabe für das teure MBA-Programm nicht zur Fehlinvestition.

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