Zusatzqualifikation sollte aber wohl überlegt ausgewählt werden
Der Krise ein Schnippchen schlagen

Durch Weiterbildung wollen viele Banker ihre Jobchancen verbessern.

Sechs Jahre lang hat Sabine Berger im internationalen Aktienhandel gearbeitet. Dann kam im April das Aus. Ihr wurde gekündigt – ein Opfer des Sparzwangs. Sie gehört zu den rund 48 900 Angestellten aus Banken und Versicherungen, die Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit zwischen Juni 2002 und Juli 2003 entlassen wurden.

Und die Krise ist noch nicht zu Ende: „Im Kredit- und Versicherungswesen wird der Arbeitsplatzabbau unvermindert weitergehen“, prognostiziert Christoph Weyrather, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) in Bonn. Seine Erkenntnis stützt er auf eine Umfrage aus dem Frühjahr dieses Jahres, bei der die 1 400 Mitglieder seines Verbands die Zukunftsaussichten einzelner Branchen einschätzten.

Mirko Häcker, Vorstand von Wolff & Häcker Finanzconsulting in Ostfildern bei Stuttgart, sieht die Lage nicht anders: „Die Krise wird noch einige Zeit dauern, vielleicht sogar noch Jahre.“ Er rät, „diese Zeit sinnvoll zu nutzen und sich fortzubilden.“ Genau das macht Sabine Berger: Schon seit Februar bildet sie sich bei der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) zum CIIA (Certified International Investment Analyst) weiter. „Ich wollte Einblicke bekommen in Bereiche, in denen ich bislang nicht gearbeitet habe“, sagt die 34-Jährige.

Wer sich jetzt weiterbildet, kann der Krise vielleicht ein Schnippchen schlagen. Aber: „Zusatzqualifikationen muss man in Zusammenhang mit der eigenen Position sehen“, sagt Häcker. Wer überqualifiziert ist, bekomme auch keine Stelle. Außerdem bezahlten zunehmend weniger Institute Fortbildungen.

Thore Babin-Ebell aus Saarbrücken, Manager bei der IDS Scheer AG, zahlt denn auch die rund 11 000 Euro für den achtmonatigen Kurs aus eigener Tasche. „Ich habe lange überlegt, ob ich meinen Doktor machen soll. Aber ich habe mich für den CIIA entschieden, weil ich den Praxisbezug wichtig finde.“

Fritz H. Rau, Vorstandssprecher der DVFA, preist zudem die internationale Ausrichtung seines Angebots: „Die Arbeitgeber haben erkannt, dass internationaler Wettbewerb Einzug hält.“ Ziel der CIIA-Ausbildung sei es, die Absolventen fit für den internationalen Kapitalmarkt zu machen. Natürlich würden dabei auch nationale Lehrinhalte vermittelt. Aber eigentlich ginge es darum, „das weltweit gültige Fachwissen zu beherrschen und zusätzlich die Besonderheiten der Märkte und der Kunden zu kennen“.

Unterstützung bekommt Rau von Branchenkenner Mirko Häcker: „Deutschland wird als Finanzplatz immer unwichtiger. Hier schauen alle nach London.“ Das heißt: Ein internationaler Abschluss ist wichtig. Noch besser, wenn er sich vom us-amerikanischen Berufs-Diplom Chartered Financial Analyst (CFA) abhebt, und einen internationalen Fokus wie der CIIA hat.

Das ist auch der Grund, warum Anlagestratege Bernd Schröder bei der Dresdner Bank wieder die Schulbank drückt: „Ich bekomme ein breiteres Wissen für den Bereich Aktienresearch“, sagt der 28-Jährige. Er hat Glück, denn sein Arbeitgeber zahlt die Fortbildung. Zusammen mit Sabine Berger und Thore Babin-Ebell wird Schröder Mitte September in Deutschland zu den ersten Absolventen des Kurses gehören. Beim Verlassen ihrer Klassenräume werden sie dann auf die Teilnehmer des nächsten Kurses treffen, der dann startet.

Dass Zusatzqualifikationen in der Krise von Vorteil sein können, erkennen auch zunehmend andere Anbieter: Die International University in Bruchsal zum Beispiel bietet ab November ein zweijähriges, nebenberufliches Studium zum Financial Profile Manager an. Die Kosten liegen in ähnlicher Höhe wie beim CIIA, aber die Ausrichtung geht eher Richtung Sales oder Sales Management. Außerdem bereitet der Kurs auf den für Ende 2005 geplanten international einheitlichen Standard für die private Finanzplanung vor. Kurz: In die Finanzbranche kommt Bewegung. Und wer eine Zusatzqualifikation bezahlen kann, profitiert von den unterschiedlichen Angeboten am Markt.

Kontakte:
DVFA, Anke Dreher, 06103-583321, anke.dreher@dvfa.de
International University, Michael Pesch, 07251-700236, michael.pesch@ i-u.de

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