Zustände wie im Tierreich
Affentheater im Büro

Fast hatte man es geahnt. Der US-Wissenschaftsautor Richard Conniff nach, dass es im Büro oft nicht anders abläuft als in einer Affenherde. Conniff ist überzeugt: „Unser Sozialverhalten geht auf dieselben Wurzeln zurück wie das der Schimpansen.“

Andy Grove galt als genial und unerbittlich. Es hieß, der Ex-Intel-Chef hätte seine Firma mit Angst und Schrecken groß gemacht. Niemand wurde verschont. Einmal hatte er den Direktor seiner Mikroprozessor-Abteilung auf dem Kieker, weil der mit einem Projekt nicht schnell genug vorankam. Grund für Grove, ihn vor Publikum zu vernichten. Kaum hatte der Mann den Besprechungsraum betreten, nutzte gleich ein anderer Top-Manager die Gunst der Stunde und feuerte eine Breitseite gegen ihn ab. Dadurch noch mehr angestachelt, stellte Grove den Mikroprozessor-Chef brüllend als Versager hin. Doch der bot Paroli. Letztendlich standen sich die beiden fast mit geballten Fäusten gegenüber. Hätte nicht jemand gerufen „Beenden wir doch das Meeting“, wären vermutlich ein paar Tische und Nasen zu Bruch gegangen.

Dieses Beispiel ist eine herbe Enttäuschung für alle, die den hochkarätigen Manager von heute für einen rationalen und kühl kalkulierenden Entscheider halten. Das Gegenteil ist sogar der Fall, sagt Richard Conniff. „Wir sind durch und durch gefühlsgesteuerte Tiere“, schlussfolgert der US-Wissenschaftsjournalist, der die wüste Szene bei Intel in seinem Buch „Was für ein Affentheater“ schildert, das gerade in Deutschland erschienen ist. Zahlreiche Studien aus der Verhaltensforschung belegten schon, was auch Conniff meint: „Unser Sozialverhalten geht auf dieselben Wurzeln zurück wie das der Schimpansen.“

Dementsprechend befolgen wir – selbst heute noch – mehr oder weniger dieselben Regeln. Und damit hätte sich die Szene im klimatisierten Konferenzraum genauso auch zwischen zwei rivalisierenden männlichen Schimpansen irgendwo im Busch von Botswana abspielen können: die Aggression, mit der das Alphamännchen seinen Untergebenen einschüchtert, die Tricks des Beta-Männchens, das seinem Rivalen eins auswischen will, die finsteren Blicke und Beschimpfungen. Haben wir uns tatsächlich nur so wenig vom Tier entfernt? Offenbar.

Conniff rät, einfach das Beste daraus zu machen und aus der Tierwelt und Evolutionsgeschichte zu lernen, um das Verhalten von Chefs, Kollegen und sich selbst besser verstehen zu können. Oder sich gar ein Beispiel an den Affen zu nehmen, etwa an den Schimpansen. Sie verfolgen sich zwar mehrmals täglich zähnefletschend und laut kreischend. Aber schließlich versöhnen sie sich immer wieder. „Bei ihnen nimmt aggressives Verhalten nur fünf Prozent des Tages ein“, präzisiert Conniff. Anders könnten sie Familienverbände, die für sie überlebenswichtig sind, gar nicht intakt halten. Dem Menschen dagegen fällt die Versöhnungsgeste – privat wie im Job – schwer, und so führen Aggressionen häufig zu lebenslangen Verwerfungen, wenn nicht sogar Gerichtsprozessen.

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