Zweisprachige Kinderkrippen
Englisch für Firmenbabys

Kinderbetreuung – das betrachteten die meisten Unternehmen jahrzehntelang als reine Privatsache ihrer Mitarbeiter. Jetzt aber schicken sich Dax-Konzerne und Mittelständler an, Vorreiter in Sachen frühkindlicher Bildung zu werden: Immer mehr deutsche Firmen richten zweisprachige Kinderkrippen ein, um hochqualifizierte Mitarbeiter zu binden.

DÜSSELDORF. Mit leisen Worten wiegt die Betreuerin das Baby. „No need to cry“ – (Du musst nicht weinen), flüstert sie auf Englisch dem Kind ins Ohr und streichelt es sanft. Szenen wie diese dürften bei MAN Nutzfahrzeuge bald alltäglich sein, denn der LKW-Spezialist eröffnet demnächst eine eigene Kinderkrippe für unter Dreijährige. Und einer von drei Erziehern in der Gruppe spricht mit den Kindern nur Englisch. Auch Metro, BASF und Daimler-Chrysler stellen für ihre Betriebskindergärten und Krippen englische Native Speaker ein.

Kinderbetreuung – das betrachteten die meisten deutschen Unternehmen jahrzehntelang als Kinderkram und damit als reine Privatsache ihrer Mitarbeiter. Jetzt aber schicken sich die Dax-Konzerne und so mancher Mittelständler an, sogar Vorreiter in Sachen frühkindlicher Bildung zu werden. Die Idee dahinter: International agierende Unternehmen müssen gut ausgebildete Mitarbeiter aus aller Welt locken.

Wer selbst gebildet ist, legt auch größten Wert auf eine erstklassige Ausbildung seiner Kinder. Deutschlands Bildungssystem – vor allem das für die ganz Kleinen – genießt jedoch weltweit keinen guten Ruf. „Schon bei den Informatikern aus Indien stellten die Unternehmen fest, dass kaum einer der hochqualifizierten Fachkräfte kommen wollte – nicht zuletzt, weil ihnen das deutsche Bildungssystem zu schlecht war“, urteilt Ilse Wehrmann, Sachverständige für Frühpädagogik aus Bremen. „Bei der frühkindlichen Erziehung haben wir in Deutschland zwei Jahrzehnte lang geschlafen“, urteilt sie.

Dabei lernen kleine Kinder etwa Fremdsprachen ohne jede Anstrengung. Und trotzdem bietet bislang nur ein Prozent aller Kindergärten in Deutschland eine mehrsprachige Erziehung an. „Am Geld kann es nicht ernsthaft liegen, denn bilinguale Einrichtungen kosten nicht mehr als andere. Nur die Lehrkräfte müssen entsprechend ausgebildet sein“, erläutert Henning Wode, Professor und Sprachwissenschaftler von der Universität Kiel.

Die Lernmethode, die sich Metro, BASF und Daimler-Chrysler zunutze machen, heißt Immersion, was so viel bedeutet wie „eintauchen“ oder sinngemäß „Sprachbad“. Ohne eine einzige Vokabel büffeln zu müssen, lernen Kinder Fremdsprachen allein durch den täglichen Kontakt. „Nach dem Prinzip ‚Eine Person – eine Sprache’ spricht eine Erziehungskraft nur Deutsch, die andere die neue Sprache“, sagt Wode. Kinder, die auf diese Weise aufwachsen, sprechen anfangs insgesamt etwas langsamer. Der Erwerb der Muttersprache wird aber keinesfalls beeinträchtigt. Im Gegenteil: Wer als Dreijähriger mal auf Englisch, mal auf Deutsch getröstet wird, mit anderen spielt und Konflikte bewältigt, der lernt, verschiedene Sprachregister zu ziehen. Er erwirbt interkulturelle Kompetenz, wird offen für Fremdartiges und kann später erwiesenermaßen viel einfacher weitere Fremdsprachen erlernen.

Seite 1:

Englisch für Firmenbabys

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%