14.01.2009

Neue Rennen: Rennserie WTCC nimmt weltweit Fahrt auf

Gegen die Konkurrenz von Formel 1 und DTM konnte sich die Weltmeisterschaft der Tourenwagen, die WTCC, bisher nur schwer durchsetzen. Mit neuen Rennen und mehr TV-Präsenz will die Tourenwagen-WM nun auch in Deutschland Sponsoren und Fans überzeugen.

von Florian Oedinger (Sponsors)
Die WTCC Tourenwagenmeisterschaft will künftig weltweit mehr Gas geben. Foto: dpaLupe

Die WTCC Tourenwagenmeisterschaft will künftig weltweit mehr Gas geben. Foto: dpa

HAMBURG. Die Tourenwagen-Weltmeisterschaft WTCC will neue Märkte erobern: In diesem Jahr wird es in Marokko ein Rennen geben, 2010 soll Russland folgen. Schon 2008 war die japanische Stadt Okayama als Austragungsort hinzugekommen. Bernd Daubenmerkl, Geschäftsführer des Spartensenders Eurosport in Deutschland, begrüßt die Expansion: Er bezeichnet das Rennen in Japan als "wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der WTCC".

Veranstaltungen in zwölf Ländern auf drei Kontinenten: Die Rennserie hat den Anspruch, als Weltmeisterschaft des internationalen Dachverbandes Fia zu gelten. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt auch den Herstellern unterschiedlicher Herkunft geschuldet, die in der Serie aktiv sind. Nach dem Einstieg des japanischen Autobauers Honda in dieser Saison wird mit der in Osteuropa beheimateten Marke Lada ab kommendem Jahr neben BMW, Seat und Chevrolet nun die vierte Werksmarke in der höchsten Tourenwagen-Liga an den Start gehen.

Die Konkurrenten und Sponsoren der WTCC

In Deutschland kann von Expansion hingegen keine Rede sein. Oschersleben ist derzeit die einzige deutsche Rennstrecke, die zur Serie zählt. Im Tourenwagensport konkurrieren zwei Meisterschaften um die Gunst der Sponsoren und Zuschauer: die Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) und die Tourenwagen-Weltmeisterschaft WTCC. Die beiden Veranstaltungen sind freilich nur schwer zu vergleichen. Während in der DTM Prototypen eingesetzt werden, nutzt die Tourenwagen-WM seriennahe Autos. Den großen Unterschied aber macht die globale Ausrichtung der WTCC aus - gegenüber der vorrangig nationalen Zielrichtung der DTM.

Doch trotz der stetig wachsenden Übersee-Dependancen ist Europa auch die Heimat des WTCC-Haus-Senders Eurosport. Dies verdeutlicht auch der Blick auf die Medienanalyse der abgelaufenen Saison. Der Karlsruher Sportresearch-Berater IFM kommt nach Auswertung von elf der zwölf Saisonrennen zu einem eindeutigen Ergebnis: In Europa konnte die WTCC 2008 eine kumulierte Reichweite von etwa 250 Mio. Zuschauern erzielen. Dies entspricht rund 80 Prozent der weltweiten Reichweite, die bei etwa 300 Mio. liegt - und zeigt auch den Einfluss, den Eurosport durch seine Rolle als Heimatsender hat.

International ist die Rennserie auf der Erfolgsspur: Die weltweite Reichweite konnte die WTCC im Vergleich zum Vorjahr bereits um mehr als zehn Prozent steigern. Und das, obwohl die Medienanalyse das letzte Rennen in Macau noch gar nicht berücksichtigen konnte.

Unter den größten europäischen Fernsehmärkten liegt Spanien mit einer kumulierten Reichweite von 82 Mio. Sehern deutlich vor Frankreich (30 Mio.), Italien (27 Mio.) und Deutschland (23 Mio.). Dennoch spielt der hiesige Markt in den Augen der Verantwortlichen eine wichtige Rolle. "Deutschland ist ein Markt, auf den wir in den nächsten Jahren, besonders was die TV-Verbreitung angeht, ein besonderes Augenmerk legen werden", sagt Eurosport-Geschäftsführer Daubenmerkl.

Im Übrigen gönnt sich der Sportsender - seit 2005 nicht nur Fernsehpartner, sondern über seine Tochter Kigema Sport Organisation (KSO) auch WTCC-Vermarkter - relativ kostspielige Übertragungen und produzierte im vergangenen Jahr Live- und Magazinsendungen von allen Rennen in HD-Qualität.

Der Blick auf die Quoten in Deutschland bestätigen aber Handlungsbedarf. In den vergangenen drei Jahren lagen die Zuschauerzahlen kaum über 200 000 im Schnitt. Der Marktanteil zwischen 1,5 und 1,9 Prozent und Werbeträgerkontakte von kaum mehr als 20 Mio. sind ebenso noch ausbaufähig.

Dass es für die Tourenwagen-Weltmeisterschaft hierzulande Potenzial nach oben gibt, bestätigen Umfragen unter Motorsportinteressierten nach ihrem Interesse an ausgewählten Serien. Mit 32 Prozent muss sich die WTCC zwar mit dem fünften Platz begnügen und wird neben der Formel 1 (71 Prozent) und der DTM (50 Prozent) sogar von MotoGP und der Rallye-Weltmeisterschaft in die Schranken verwiesen. Allerdings scheinen die Abstände zu den Führenden nicht uneinholbar.

Dennoch weiß auch Daubenmerkl um den Einfluss der Konkurrenzveranstaltungen im Motorsportkalender: "Mit einer Rekordzahl von deutschen Formel-1-Fahrern und einer erfolgreichen nationalen Tourenwagen-Serie mit jahrzehntelanger Tradition ist es für die WTCC in Deutschland eine Herausforderung, Reichweite zu gewinnen."

Als wichtigen Schritt erachtet er die Partnerschaft mit dem Nachrichtensender N-TV, der 2008 immerhin zwei Rennen live übertrug und zudem auch Höhepunkte von den übrigen Wettbewerben zeigte. Die N-TV-Übertragung sei ein Schritt "in die richtige Richtung", bestätigt Marcel Cordes, Vorstand des Marktforschungsunternehmens Sport+Markt. Es sei aber auch wichtig, die WTCC "in einem reichweitenstarken Sender zu bringen", um die Fangemeinde in Deutschland dauerhaft zu vergrößern. Ein Vorhaben, das die Verantwortlichen seit dem Abschied des ZDF Ende 2006 nicht mehr realisieren konnten.

Gegen eine Reichweitensteigerung im deutschen Fernsehen hätten auch die Serien-Sponsoren nichts einzuwenden. Dennoch zeigen sich die Partner der Tourenwagen-Weltmeisterschaft auf Nachfrage hin zufrieden mit der medialen Präsenz: Für 400 000 bis 500 000 Euro erhalten die WTCC-Partner TV-Präsenz in mehr als 30 Ländern. Hinzu kamen 674 000 Zuschauer bei den zwölf Veranstaltungen.

Einen großen Trumpf hält Eurosport bei der Vermarktung seiner selbst produzierten Bilder in der Hand: Durch die in Eigenregie optimierte Kameraführung garantiert der Sender eine maximale Sichtbarkeit für alle Event- wie Teamsponsoren. Das dürfte ein zusätzliches Verkaufsargument für den Spartensender sein.


Quelle:    Sponsors.de
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