05.04.2005

Ali Agca hat Antrag auf Hafturlaub gestellt: Papst-Attentäter will nach Rom

Der inhaftierte türkische Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca will nach Angaben seines Anwalts an der Beisetzung von Johannes Paul II. teilnehmen.

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Zwei Jahre nach den Schüssen besucht der Papst den Attentäter. Foto: dpaLupe

Zwei Jahre nach den Schüssen besucht der Papst den Attentäter. Foto: dpa

HB ISTANBUL/ROM. „Ich habe meinen geistlichen Bruder verloren. Ich teile die Trauer der Katholiken“, erklärte Agca in einem Brief, den sein Anwalt am Dienstag veröffentlichte. Agca, der in Istanbul inhaftiert ist, habe um einen kurzen Hafturlaub gebeten, um zur Beisetzung am Freitag nach Rom fahren zu können. Die Chancen, dass die Behörden dem Antrag stattgeben, stehen allerdings schlecht.

Agca hatte am 13. Mai 1981 den Papst auf dem Petersplatz angeschossen und ihn dabei lebensgefährlich verletzt. Johannes Paul II. vergab Agca zwei Jahre später und hielt den Kontakt zu ihm und dessen Angehörigen. Der Türke saß für das Attentat 19 Jahre lang in einem italienischen Gefängnis und ist derzeit wegen Mordes und eines Raubüberfalls in Istanbul inhaftiert.

Was Agca wahrscheinlich verwehrt bleiben wird, haben bis zum frühen Dienstagnachmittag bereits 340 000 Gläubige getan: Sie verabschiedeten sich persönlich vom Papst. 300 Pilger pro Minute werden in die Basilika eingelassen, um den aufgebahrten Johannes Paul II. zu sehen. Dies berichteten italienische Medien unter Berufung auf Sicherheitskräfte.

Seit der Öffnung am Montagabend hat sich eine kilometerlange Schlange vor dem Petersplatz gebildet, Hunderttausende warten teilweise stundenlang, um Johannes Paul II. die letzte Ehre zu erweisen. Der Leichnam bleibt bis in die Nacht zum Donnerstag vor dem Hauptaltar im Petersdom aufgebahrt.

Die Totenmesse findet am Freitag um 10 Uhr statt. In Polen wird zur gleichen Zeit das Leben still stehen. Alle staatlichen Einrichtungen bleiben geschlossen. Die großen Banken und Supermärkte des Landes öffnen nicht. Außerdem hat die Regierung alle Arbeitgeber aufgerufen, ihren Mitarbeitern frei zu geben. Millionen Polen werden zu den landesweit stattfindenen Trauermessen erwartet, Tausende werden zur Beisetzung nach Rom reisen - ein Privileg, dass Ali Agca wohl verwehrt bleiben wird.

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