Alexander Graf Lambsdorff
„Griechenland, so nicht!“

Der Vorsitzender der FDP im Europaparlament, warnt Athen vor dem Verlust der europäischen Solidarität. Gleichzeitig warnt er alle EU- Staatschefs, die nun die Sparanstrengungen aushöhlen möchten.
  • 10

Die Wahl in Griechenland war kein gewöhnlicher Richtungswechsel der Politik, bei dem ein Lager das andere ablöst, wie in Frankreich oder zuvor in Spanien. Das Abstimmungsergebnis von Athen bedeutet, dass das jahrzehntelange Duopol von Sozialisten und Konservativen untergegangen ist.

Dass mit der sozialistischen Pasok eine Regierungspartei rund zwei Drittel der Stimmen verliert, von 44 auf 13 Prozent abstürzt und nur noch drittstärkste Kraft wird, macht das Ausmaß der Veränderungen deutlich. Indem die Wähler auch die Konservativen um ungefähr die Hälfte stutzten, zahlten die Menschen in Griechenland der gesamten politischen Klasse des Landes all die Härten heim, die ihr Leben in den letzten Monaten geprägt haben: Gehaltskürzungen, Arbeitsplatzverluste, schrumpfende Wirtschaft, Demoralisierung nach innen wie nach außen.

Doch ist das Ende der Zweiparteienherrschaft kein Grund zur Trauer. Beide Parteien haben seit dem Ende der Militärdiktatur abwechselnd regiert und tragen die volle Verantwortung für die Lage des Landes. Problematisch ist dagegen, dass sich noch nicht abzeichnet, was an die Stelle des alten Systems tritt. Eine erfolgreiche Zukunft in der EU oder gar der Euro-Zone wird das Land weder mit rechts- noch mit linksextremen Kräften gestalten können.

Die Wahlen zeigen die ganze Widersprüchlichkeit der Lage: Zwar wählten fast 70 Prozent der Griechen Parteien, die die Sparpakete von EU und IWF ablehnen. Doch spricht sich weiterhin eine genauso große Mehrheit der Griechen für die Mitgliedschaft ihres Landes in der Euro-Zone aus.

Dieses Paradoxon aufzulösen wird den aktuellen politischen Kräften sehr schwerfallen, denn kein Lager hat eine Mehrheit, mit der die Regierungsbildung gelingen könnte. Ohne eine sattelfeste Regierung aber wird die Hilfsbereitschaft nördlich des Balkans abnehmen. Die nächsten Zahlungen stehen bald an, schafft das Land es nicht, sich eine funktionsfähige Regierung zu geben, kann das Geld nicht freigegeben werden.

Kommentare zu " Alexander Graf Lambsdorff: „Griechenland, so nicht!“"

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  • Die Griechen haben nur die Einfalt der ''Animal Farm''
    nach George Orwell in Brüssel ausgenutzt, die auch noch
    von den Äußerungen einer Angela Merkel unterstützt wird,
    die behauptet, ein griechischer Ausstieg sei das Ende
    des Euro und eines Kanzler Kohls, der postulierte, daß
    der Nationalstaat als stabilste Staatsform ausgedient
    hätte, womit der Wettbewerb der einzelnen EU Staaten, welcher der Motor jeder wirtschaftlichen Aktivitäten
    ist, außer Kraft gesetzt wurde.
    So kann man es den Griechen nicht verdenken, wenn sie
    solche Äußerungen zur Erpressung der ''EU'' ausnutzen
    und warum sollten sie sich dann auch noch anstrengen
    um für ihren eignen Unterhalt aufzukommen wenn das
    das Versorgungsamt Brüssel für sie übernimmt?
    Schuld sind nicht die Griechen, sondern die Einfalt
    einer Institution wie die des Brüsseler Wasserkopfes
    dem sämtliche Gelder sofort gestrichen werden sollten,
    um nicht noch mehr Unheil anzurichten!!

  • stop blaming the Greek folks they've checked out how the EU works
    milk the cow until it bleeds
    stop lamenting, go and grab your slice as long there's any left!!!

  • "...Sparen die Steuereinnahmen schneller sinken laesst, als eingespart wird"

    Können Sie sich noch an das Argument aus den 80ern erinnern ?
    Es lautete ungefähr: "Für jede Mark, die wir von Staats wegen auf Pump ausgeben, fließt soundsoviel Prozent über höhere Steuereinnahmen und Sekundäreffekte wieder zurück."
    Dieses Argument wurde hergenommen, um höhere Defizite zu rechtfertigen und nachzuweisen, daß der Nutzen ( höheres BIP) gar nicht so teuer wäre.

    Jetzt beim Sparen wirkt dieser Effekt umgekehrt, für jeden Euro, den wir ( bzw die Griechen) einsparen, sinken auch die Einnahmen anteilig. Sodaß jeder eingesparte Euro das Defizit nur um einen entsprechenden Centbetrag verringert.

    Wenn die Einnahmen aber stärker sinken würden als man gespart hat, dann hätte es bei der Expansion auch mehr Rückflüsse gegeben als man ausgegeben hat, es hätte also gar keine Defizite gegeben. Das war aber nicht so, und sonst könnte man sich tatsächlich durch mehr Ausgaben sanieren.

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