Außenansicht
Emissionshandel mit Augenmaß

Steigende Energiepreise zehren einen immer größeren Teil unseres Einkommens auf. Sie könnten sogar Deutschland als Standort von energieintensiven Industrien mit ihren 600 000 Arbeitsplätzen gefährden, glaubt RWE-Chef Jürgen Großmann. Nun startet bald der Emissionshandel – und der ist laut Großmann gleich aus aus mehreren Gründen ein Problem.

Bei Umfragen über die drängendsten Probleme der Bevölkerung liegt die Energieversorgung mittlerweile in der Spitzengruppe. Die Energieversorger stehen unter Beschuss. Der Staat müsse endlich durchgreifen, fordern Kritiker.

Aber was macht der Staat? Er legt noch drauf. Der Strompreis ist inzwischen zu 32 Prozent staatlich beeinflusst. Rechnet man die Konzessionsabgabe an die Kommunen mit hinein, sind es über 40 Prozent. Vor zehn Jahren betrug dieser Anteil einschließlich Konzessionsabgabe erst 25 Prozent. Nun kommt der Emissionshandel als Belastung hinzu. Die EU will der Energiewirtschaft ab 2013 keine kostenlosen CO2-Zertifikate mehr zuteilen. Alles soll nur noch über Versteigerungen laufen. Die Bundesregierung toleriert das. Dabei steht für Deutschland viel auf dem Spiel.

Es geht pro Jahr um viele Milliarden Euro, die uns dann nicht mehr für Investitionen in moderne Kohle- und Gaskraftwerke und für die klimaschonende CO2-Abscheidung mit anschließender Speicherung zur Verfügung stehen. Investitionen aber sind in der weltweiten dramatischen Finanzkrise ein Schlüsselwort. Nur sie sichern Wertschöpfung und Beschäftigung. Eine Belebung der Investitionsdynamik ist Voraussetzung dafür, neue Substanz aufzubauen und die Krise zu bewältigen.

Stabilisierungsmaßnahmen für das Finanzsystem allein haben das Vertrauen nicht völlig wiederhergestellt. Auch die geplante Erhöhung des Kindergelds reicht nicht, um die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Die Menschen müssen Mut bekommen, damit sie ihr Geld nicht nur sparen, sondern auch ausgeben. Hier in Deutschland.

Dringend notwendig sind deshalb Investitionen. Die Energiewirtschaft kann dabei kräftig helfen. Die Erneuerbaren werden ohnehin schon stark ausgebaut. Deutschland benötigt auch neue Kohlekraftwerke. Hier liegen zahlreiche Projekte, die erhebliche Wirkungen für die heimischen Arbeitsplätze haben können, brach. Allein in der deutschen Kraftwerkswirtschaft ist das ein Volumen von rund 20 Milliarden Euro. Sie sind durch die Pläne zum Emissionshandel gefährdet.

Die Pläne zum Emissionshandel sind aus mehreren Gründen problematisch. Erstens wird die Stromerzeugung aus Kohle besonders belastet. Dies geht vor allem zulasten der Braunkohle. Aber Deutschland ist ein Kohleland. Dürfen wir hinnehmen, dass unsere Energieversorgung zusätzlich gefährdet wird? Der massive Ausbau von Gaskraftwerken ist keine Alternative, wenn die Importabhängigkeit nicht noch weiter steigen soll. Große Geldtransfers in die Ursprungsländer wären die Folge. Auch die erneuerbaren Energien stoßen an Grenzen. Schon heute reichen die Netze nicht aus, um den Windstrom quer durch Deutschland zu transportieren. Wir brauchen die Kohle also.

Seite 1:

Emissionshandel mit Augenmaß

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%