Australien
Warum Down Under oben auf ist

Die Finanzkrise hat Australien fast unbeschadet überstanden. In der Handelsblatt-Länderanalyse nimmt der renommierte Ökonom Bert Rürup diesmal Australien unter die Lupe. Und verrät warum es für den Musterschüler nur eine Richtung gibt - vorwärts.
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FRANKFURT. Am 7. Mai 1908 verlieh der britische König Edward VII der Kronkolonie Australien ein Wappen: ein Schild, flankiert von einem Känguru und einem Emu - zwei ursprünglich nur in Down Under vorkommenden Tiere, die nicht rückwärtsgehen können.

Besser könnte man die Entwicklungschancen der australischen Volkswirtschaft nicht symbolisieren. Denn die ehemalige britische Strafkolonie zählt seit Beginn der 1990er Jahre zu den wachstumsstärksten entwickelten Volkswirtschaften. Das Land ist unbestritten ein großer Globalisierungsgewinner - dank Fortune, dem Reichtum an weltweit begehrten Bodenschätzen wie Kohle, Eisenerz, Industriemetalle, Uran oder Diamanten, dank einer guten Wirtschaftspolitik und nicht zuletzt dank seiner geografischen Lage, der Nähe zu Südostasien, Indien und China.

Die durchschnittliche Zuwachsrate des realen Bruttoinlandsprodukts liegt seit zwanzig Jahren bei beachtlichen 3,2 Prozent. Und 2009, einem Krisenjahr für die gesamte Weltwirtschaft, war Australien eines von drei OECD-Ländern, die eine positive Wachstumsrate aufwiesen.

Wesentlich für den ökonomischen Erfolg des Landes ist zudem seine vorbildliche Einwanderungspolitik - strikt ausgerichtet an den Erfordernissen des australischen Arbeitsmarktes. Den Australiern ist es gelungen, durch die Zuwanderer das Wachstumspotenzial ihr Volkswirtschaft und damit ihre Beschäftigung zu erhöhen und möglichst keinen heimischen Erwerbstätigen von seinem Arbeitsplatz zu verdrängen. Ein weiterer positiver Standortfaktor ist das Bildungssystem. Die Hälfte eines Jahrgangs macht inzwischen einen Hochschulabschluss.

Obendrein ist die Schuldenstandsquote seit 15 Jahren in der Tendenz rückläufig, die Infrastrukturausstattung dennoch durchweg besser als nur befriedigend. Mit Staatsschulden in Höhe von nur etwa einem Fünftel des Bruttoinlandsprodukts sind die öffentlichen Finanzen kerngesund. Und auch das soziale Sicherungssystem ist angesichts der moderaten Bevölkerungsalterung sowie aufgrund der in angelsächsischer Manier eher zu karg als generös bemessenen Leistungen weitgehend frei von impliziten Schulden.

Schließlich und endlich erweist sich die geografische Lage am Ende der Welt des 18. Jahrhunderts heute und in Zukunft aufgrund der relativen Nähe zu den aufstrebenden, rohstoffhungrigen asiatischen Volkswirtschaften und deren aufnahmefähigen Märkten nicht nur als Vorteil, sondern als maßgeblicher Wachstumstreiber. Aufgrund seiner relativ kleinen Bevölkerung kann Down Under seine Rohstoffe zum Großteil exportieren; Brasilien beispielsweise ist dagegen trotz seines neu entdeckten Ölreichtums weiterhin ein Nettoimporteur von Rohöl. Außerdem kann Australien eine Art Brückenfunktion für den weiteren Ausbau der internationalen wirtschaftlichen Verflechtungen spielen: durch die kulturelle Nähe, insbesondere durch die englische Sprache, die Lingua Franca, zu den westlichen Volkswirtschaften und seine gleichzeitigen Verbindungen in den asiatischen Raum, denn mehr als fünf Prozent der Bevölkerung haben asiatische Wurzeln.

Der industrielle Sektor dieses Landes ist zwar relativ klein, aber international wettbewerbsfähig. Wenn, wie in der jüngeren Vergangenheit, die Erlöse aus der Ausfuhr von Rohstoffen zum Ausbau und zur weiteren Modernisierung der heimischen Industrie eingesetzt werden, und der bisher erfolgreiche Kurs in der Bildung fortgesetzt wird, werden Känguru und Emu auch in Zukunft Rückwärtslaufen nicht lernen müssen.

Kommentare zu " Australien: Warum Down Under oben auf ist"

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  • es sieht alles gut aus in unserem Land Australien. Jedoch gibt es Probleme, die hier, einfach weil es gut geht, keiner sehen will;

    wir haengen an China, da die der groesste Abnehmer unserer Rohstoffe sind. Ohne das waere Australien auch unter den Verlierern. Und, wenn man anspricht, was zu tun ist, um auf die Zeit nach den Rohstoffen vorbereitet zu sein, hoert man nur Optimismus.

    Das andere Problem ist, dass wir durch den Rohstoffboom immer mehr Menschen ins Land holen, die wir, sollte der Absatz an Rohstoffen sinken, nicht mehr brauchen. Und dann haben wir kein echtes zweites Standbein.

    im Moment geht es uns jedenfalls so gut, dass ca 1o% aller Australier im Schnitt auf Urland sind.

    Hoffetnlich helast noch eine Weile.

    Euer
    Rainer

  • G´day, zuerst müssen Sie wissen, dass ich ein sehr begeisterter Australienfan bin. ihr Artikel hört sich ja wirklich supertoll an. Aber ich würde gerne einmal darüber lesen, auf welche Kosten dieses Wirtschaftswachstum gehen wird. Mir macht es wirklich große Sorge das ein Land wie Australien mit solch einer einzigartigen Natur diese auf Teufel komm raus ausbeutet. Warum bringen Sie nicht einmal einen Artikel über das geplante Atommüll-Endlager im australischen Outback. ich denke es gibt sehr viele Menschen die das auch interessieren würde.
    Herzliche Grüße
    Franz

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