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Blogger-Replik: Andacht für eine Tote: Die Netzgemeinde

Die Netzgemeinde - einige erklären sie für tot, andere sagen, es hätte sie nie gegeben. Unser Autor Stephan Dörner widersprach und kommentierte: „Die Netzgemeinde lebt!“. Nun feuert der Blogger Thilo Specht zurück.

Thilo Specht ist Manager Cross Media & Campaigning bei Burson-Marsteller GmbH. Er entwickelt Strategien und Konzepte für die digitale Kommunikation. Auf http://cluetrainpr.de bloggt er über das Spannungsfeld Social Media und PR, auf Twitter ist er als @tspe unterwegs." Quelle: privat
Thilo Specht ist Manager Cross Media & Campaigning bei Burson-Marsteller GmbH. Er entwickelt Strategien und Konzepte für die digitale Kommunikation. Auf http://cluetrainpr.de bloggt er über das Spannungsfeld Social Media und PR, auf Twitter ist er als @tspe unterwegs." Quelle: privat

Das Wort „Netzgemeinde” geistert diese Tage durch die deutsche Medienlandschaft. Verwendet wird es immer dann, wenn ein allgemeines Stimmungsbild aus dem Internet eingefangen werden soll. Dann werden häufig Tweets zitiert und es wird auf Facebook verwiesen. Die Journalisten sind sich offenbar einig: Die sozialen Netzwerke sind die Heimat der Netzgemeinde, mit nahe gelegenem Zubringer zur Datenautobahn. 

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Nicht selten wurde die Netzgemeinde früher „Internet-Community” genannt, bevorzugt von ergrauten Politikern, die das Wort in hilflose Sätze kleideten, den Blick ins Leere gerichtet. Aber der Journalismus ist dafür bekannt, dass er sprachlich mehr auf dem Kasten hat. Netzgemeinde klingt griffiger, runder. 

Nun gibt es mittlerweile zahlreiche Organisationen, die tatsächlich Ideen, Meinungen und Forderungen von Akteuren der Netzpolitik konsolidieren und zum Ausdruck bringen. Die alte Tante CCC, Lobby-Vereinigungen wie Bitkom und BVDW, aber auch hippere Gesellen wie die datenschutzkritische Spackeria oder D64 könnten indigene Stimmungsbilder auf einer validen Basis vermitteln.

Stattdessen wird beharrlich von der Netzgemeinde gesprochen. Dieses nicht greifbare Fanal der Freimaurerei 2.0 muss für alles Mögliche herhalten. Aktuell zum Beispiel für ein Stimmungsbild zum ehemaligen Liebling der Netzgemeinde(sic!) JoachimGauck.

Jetzt ließe sich die Netzgemeinde als ein Hilfskonstrukt der Empirie für die Westentasche abtun. Der Journalist Stephan Dörner ist jedoch der Meinung, dass der Begriff Netzgemeinde seine Berechtigung erhält, weil er für eine definierte Gruppe steht:

„Ist das Wort Netzgemeinde ein guter Begriff für diese Gruppe von Menschen? Nein. Aber ich kenne keinen besseren”, so Dörner.

Von welcher Gruppe spricht er? Dörner meint die Gruppe derer, „die das Netz aktiv mittels Blogs und Twitter nutzen, um Ideen zu verbreiten und Kampagnen zu organisieren”.

Kommentar Die Netzgemeinde lebt!

Prominente Köpfe der Netzgemeinde behaupten, die Netzgemeinde gäbe es gar nicht. Weil die Mehrheit der Bevölkerung das Internet nutze, sei der Begriff überflüssig. Das ist falsch.

Kommentar: Die Netzgemeinde lebt!

Dörner macht noch weitere Spezifikationen der Netzgemeinde aus: So legitimiere sich der Begriff Netz-„Gemeinde” aus dem Rückkanal, den andere Medien im Gegensatz zum Internet nicht aufweisen (Dass Dörner vom Internet als Medium und nicht als Infrastruktur spricht, macht es auch nicht besser). Zudem unterstellt er der Netzgemeinde indirekt gemeinsame Werte und Überzeugungen.

Nun reicht die Bandbreite der twitternden und bloggenden Protagonisten von Erika Steinbach bis Christian Ströbele, von PI-News bis Indymedia. In diesem Spannungsumfeld von einer Gruppe mit gemeinsamen Wertesystem zu sprechen, ist durchaus gewagt.

Wenn Doro Bär (CSU) und Christopher Lauer (Piraten) sich privatöffentlich fast liebevoll necken, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass beide zu vielen gesellschaftlichen Themen sehr unterschiedliche und streitbare Auffassungen vertreten. Zwar nutzen sie die gleichen Kommunikationskanäle wie Twitter, Facebook, Blog, E-Mail, Telefon und Fax. Aber reicht das tatsächlich, um Bär und Lauer unter dem Begriff der Netzgemeinde subsumieren zu können?

  • 27.02.2012, 14:20 UhrAnonymer Benutzer: Balu

    Ich spreche von einer Anhängerschaft (siehe Duden: Gemeinde - [zu einer bestimmten Gelegenheit zusammengekommene] Gruppe von Menschen mit gleichen geistigen Interessen; Anhängerschaft).

    Das gleiche Interesse der Netzgemeinde ist das Netz.

    Das bedeutet aber nicht, dass jedes Mitglied dieser Gemeinde die gleiche Meinung zu allen Themen haben muss.

    Und ja. Zur Not könnte man bei Netzgemeinde auch auf "Religionsgemeinschaft; Seelsorgebezirk" verweisen... ;-)

  • 27.02.2012, 12:19 UhrAnonymer Benutzer: Thilo_Specht

    Wenn Du von einer Gemeinde als politisch-geographischer Verwaltungseinheit sprichst, ist das in Bezug auf das Internet mindestens genauso unpassend.

  • 27.02.2012, 00:03 UhrAnonymer Benutzer: Balu

    Die ganze Diskussion ist Nonsens. Eine Gemeinde ist doch keine Gemeinschaft mit gleichen Zielen, etc.

    Zumindest in meiner Gemeinde (aka Stadt) wohnen viele, viele sehr unterschiedliche Leute mit noch unterschiedlicheren Meinungen.

    Die "Netzgemeinde" ist also keine Gemeinschaft, sondern eine Gruppe Individuen, die im Bereich "Internet" wohnen, arbeiten, leben, whatever.

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