Businessplan für die EU
Europa braucht wieder eine Industrie

Realwirtschaft - das galt über viele Jahre als rückwärtsgewandt. Dienstleistungen sollte die Zukunft gehören. Spätestens durch die Krise hat sich gezeigt: Die EU-Staaten brauchen dringend eine Re-Industrialisierung.
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Vor der Finanz- und Wirtschaftskrise galt Großbritannien als Vorbild für eine wachstumsfähige Wirtschaftsstruktur. Hochwertigen Dienstleistungen schien die Zukunft zu gehören, mit einem leistungsstarken Finanzsektor als "Treiber". Deutschland stand für eine rückständige Orientierung auf die Realwirtschaft: Das Land müsse, so hieß es, dringend sein Geschäftsmodell überdenken.

Heute gilt eine Volkswirtschaft, die sich vor allem auf Dienstleistungen stützt, als verwundbar - und Deutschland als Musterbeispiel eines nachhaltigen Geschäftsmodells, mit 24 Prozent Anteil der Industrie an der Gesamtwirtschaft im Vergleich zu 16 Prozent in den USA und UK oder 12 Prozent in Frankreich.

Ein Extrem mag so falsch sein wie das andere. Aber alle Volkswirtschaften fragen sich derzeit, wie sie ihre industrielle Basis stärken können. US-Präsident Barack Obama hat das Ziel ausgegeben, die Exporte bis 2015 zu verdoppeln - was ohne eine starke Industrie kaum funktionieren kann, denn nur wenige Dienstleistungen sind weltweit handelbar. Und wer den "Rust Belt" der USA kennt oder einmal mit dem Zug von New York nach Washington gefahren ist, kann die Größe dieser Aufgabe ermessen. Aber auch boomende Ökonomien in Asien bemühen sich nachhaltig, ihren sekundären Sektor krisenfest zu gestalten, für den Abgang der ersten Gründergeneration in China beispielsweise.

Was lässt sich über das Beispiel Deutschlands sagen? Die exzellente Infrastruktur und zentrale Lage in Europa begründen seine Erfolgsgeschichte. Beides wird immer wichtiger, weil die Kosten und Risiken globaler Wertschöpfungsketten zunehmen.

Umstritten war der moderate Anstieg der Stundenlöhne von 2000 bis 2010 um 19,4 Prozent. In Italien betrug er 35,3 Prozent, in Frankreich 39 Prozent und in Spanien sogar 47,2 Prozent. Und auch bei den Lohnstückkosten legte Deutschland von 2000 bis 2010 nur um 3,9 Prozent zu - im Vergleich etwa zu Italien mit einer Steigerung um 32,5 Prozent.

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Kommentare zu " Businessplan für die EU: Europa braucht wieder eine Industrie"

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  • Leider ganz richtig. In diesem Land wurde der Nationale Gedanke konsequent abgetötet, was will man erwarten.International betrachtet grenzt unsere Politik schon an Kommunismus.Dieser Landstrich ist vielmehr Wirtschaftsraum als Vaterland. Genau wie die Gesetzliche Grundlage der BRD, was ja auch kein Geheimniss ist.

  • Ja ja , das Dienstleistungsgefasel. Lernte auch unser Dozent im HFW Kurs vor 10 Jahren. Ich muste ihm schon damals, mit einem Hauptschulabschluss,wiedersprechen und sagte, das dies ein Trugschluss ist. So ist das in einem Land, wo man Indoktrinierte Ideologische Lehrmeinungen über den Gesunden Menschenverstand stellt. Leider nicht nur in dem Thema.

  • Hallo, whoknows! Den möchte ich mitunterschreiben ^^. Hinzufügen möchte ich, daß überhaupt jede staatliche Subvention zerstörerisch auf die Wirtschaft wirkt.

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