Christine Lagarde
„Der Euro ist ein inspirierendes Symbol“

Für die Bewohner des Euro-Raums ist der anhaltende Erfolg des Euros sowohl eine praktische als auch eine emotionale Angelegenheit; sie sind mit dem Herzen wie mit dem Verstand dabei. Für mich liegt es auf der Hand, dass der Euro für Europa, ja sogar für die Weltwirtschaft entscheidend ist. Ein Kommentar von Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde .
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Zunächst einmal sollte man sich daran erinnern, dass die europäische Idee als ein Projekt zur Sicherung des Friedens und der Demokratie unter den Völkern Europas begann. Als 1999 die neue Währung eingeführt wurde und vor allem als die europäischen Bürger im Januar 2002 zum ersten Mal die Möglichkeit hatten, sie zu verwenden, wurde sie als der greifbarste und entscheidendste Beweis erlebt, dass die europäische Integration Realität war. Ein Wahlspruch lautet: Euro im Portemonnaie, Europa in der Tasche.

Zwanzig Jahre nachdem das Europäische Parlament 1979 durch allgemeine Wahlen gewählt wurde, kennzeichnete die Einführung des Euros eine logische Erweiterung des europäischen Traums.

Man sollte allerdings auch daran erinnern, dass viele Menschen beim Beitritt Sloweniens zum Euro-Raum 2007 darauf hingewiesen haben, dass das Land gewissermaßen dem "alten Europa" beitrat. Doch sind seitdem Zypern, Malta und die Slowakei seinem Beispiel gefolgt und haben den Euro zu ihrer Währung gemacht. Von Dublin an der Küste der Irischen See bis nach Bratislava in den Ausläufern der Karpaten sind dieselben Münzen und Banknoten gesetzliches Zahlungsmittel, und sie drängen die Grenzen der Europäischen Union ständig weiter zurück. Bald werden sich zusätzliche Mitglieder anschließen, z. B. Estland, dessen Beitritt zum Euro-Raum für den 1. Januar 2011 vorgesehen ist.

Europas "Gründerväter" hatten recht damit, dass Europa "sich nicht mit einem Schlag" herstellen lässt, und Gleiches gilt für den Euro. Unsere Gemeinschaftswährung sollte vielmehr als ein inspirierendes Symbol angesehen werden - das Symbol eines Europas, das lebendig und attraktiv ist und vor allem zusammenhält.

Wie stark Europa zusammenhalten kann, wissen wir aus der Erfahrung der letzten Monate. Die Geschichte des Euros hat sich wie erwartet als eine weitere Stufe in der sich fortsetzenden Saga der europäischen Wirtschaft erwiesen, die sich seit den Römischen Verträgen in ständigem Aufbau befindet.

Die finanzielle Unterstützung für Griechenland, die neue Europäische Finanzstabilisierungsfazilität - die wir geschaffen haben, um Bürgschaften für notleidende Euro-Staaten bereitzustellen - und unsere Anstrengungen für eine wirkungsvollere Finanzregulierung gehören zu den jüngsten Beispielen für den europäischen Zusammenhalt in der Praxis.

Zugegebenermaßen haben die verschiedenen Krisen, von denen der Euro-Raum betroffen war, deutlich gemacht - teilweise überaus deutlich -, dass wir unsere Institutionen und ihre Funktionsweise reformieren müssen. Es wurde behauptet, dass sich die europäischen Institutionen nur in Krisenzeiten weiterentwickeln. Vielleicht gilt das auch für die Einheitswährung, die aus den gemeisterten Herausforderungen gestärkt und bestätigt hervorgehen wird.

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  • Für den Freihandel haben wir die WTO. Für den Frieden die Demokratie. beides hat nichts mit der EU zu tun. Daher: Nix wie raus aus dieser EU!

  • Das der Euro die integration Europas vertiefen sollte ist klar und wünschenswert. Wie sich aber in der GR-Krise gezeigt hat, prallen plötzlich völlig verschieden Mentalitäten ohne Währungspuffer ungebremst aufeinander: z.b. deutsch Arbeits- und Sparwut und mediterrane "Sorglosigkeit". Wird für diese kulturellen brüche keine überzeugende Lösung gefunden, könnte sich der Euro wie in der GR-Krise angedeutet auch zum Konfliktstoff erster Güte entwickeln. Lieb Frau Lagarde: Arbeiten sie daran, dass es nicht soweit kommt und denken sie daran, dass es auch immer besser is,t einen Plan b zu habe, als alles auf eine Karte zu setzen!

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