Contra

„Sinns national-chauvinistischer Ton ist ethisch verwerflich“

Das gute deutsche Kapital in den Fängen der listigen Schuldenländer – so sieht das neueste Märchen von Hans-Werner Sinn aus. Der wahre Kern, der einem richtigen Märchen innewohnt, der ist allerdings bei ihm recht klein.
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Gustav Horn ist Direktor des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Quelle: dpa

Gustav Horn ist Direktor des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

(Foto: dpa)

Hans-Werner Sinn erzählt Märchen. Das jüngste handelt von den bösen Südländern, die erst unser gutes deutsches Sparkapital mittels sirenenhaft verführerischen Renditeaussichten in ihre Fänge gelockt haben. Sie gingen dabei so perfide vor, dass selbst brillante Ökonomen wie Hans-Werner Sinn noch bis 2009 glaubten, das gute deutsche Kapital flöhe vor der Geißel der hohen deutschen Löhne und den räuberischen Gewerkschaften, so wie es in dem alten Märchen von der Basarökonomie nachzulesen ist. Dann kam die Täuschung ans Licht, die Rendite Illusionen zerplatzten, das Kapital floh trotz der räuberischen Gewerkschaften entsetzt zurück ins sichere deutsche Land.

Nun aber nutzten die listigen Griechen und ihre Kumpane den allzu vertrauensselig eingeführten Euro, um hinterrücks doch wieder an unser gutes deutsches Sparkapital zu gelangen. Sie zapften das Zahlungssystem der Europäischen Zentralbanken an und erpressten vor allem die aufrechte deutsche Bundesbank unter Vorhaltung gültiger Verträge, das verängstigt in seine Heimat geflohene gute deutsche Kapital unter Zwang in ihre gierigen Länder abzuschieben. Ein Blick auf die hoch defizitären Target Salden enthüllte dann finanziellen Abgrund, in den das gute deutsche Kapital entschwunden war- und Sinn erschrak. Soweit das Märchen.

Ein Märchen enthält einen wahren Kern und einen Rand voller Phantasie. Der wahre Kern von Hans-Werner Sinns Märchen ist recht klein. Zu Recht interpretiert Sinn die hohen Defizite in den Target-Salden mit den Krisenländern als ein Krisenphänomen. In ihnen spiegelt sich insbesondere die Krise des Bankensektor in diesen Ländern.

Da diese auf den internationalen Finanzmärkten wegen der wirtschaftlichen Verwerfungen in ihren Heimatländern kaum noch Liquidität zu bezahlbaren Konditionen erhalten, und es zugleich zu einer teilweise massiven Kapitalflucht aus diesen Ländern kam, stehen sie bei jeder Aufwallung der Krise am Rande der Illiquidität.

Deshalb erhalten sie Liquidität aus dem Zahlungssystem der Europäischen Zentralbanken und deshalb ergeben sich, jedenfalls zu einem großen Teil, die negativen Target Salden. Sie tauchen vor allem bei der Bundesbank auf, die im Auftrag der EZB viele dieser Transaktionen durchführt. Soweit so richtig.

National chauvinistischer Ton
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  • na klar geht das....

    Inflation 6%
    Zinsen 1%
    Pro Jahr 5% weniger Schulden.

    Das geht recht schnell....

    und keinen Pfennig zubezahlt :)

  • Es beweist aber auch, wieviele Ahnungslose auf Staatskosten wir in Deutschland haben.

  • Es gibt eine Ochsenart, die mit "Horn" anfängt.

  • Leider nein. Da schlägt nichts zurück, auch nicht bei Wahlen. Wenn man sich bei HB, Welt, Spiegel, Zeit etc die Kommentare ansieht, wird sehr klar, wie weit sich die Politik im Verbund mit den Medien sowohl von der Wirklichkeit als auch von den Menschen entfernt haben. Der Anteil Ablehnung gegen derartiges Geschreibe scheint sich, wie bei Sarrazin, auf das Verhältnis 80 zu 20 einzupendeln. Daß sich das nicht bei Wahlen - in Anbetracht der miesen Auswahl durch Wahlverzicht - ausdrückt, wird in fernen Zeiten, wenn die Menschen wieder selbst denken dürfen und es sich auch trauen, zu interessanten soziologischen Studien Anlaß geben. Aber bis dahin errichten wir lieber Gedenkstätten gegen den rechten Gesinnungsterror der Nazizeit, der National-Sozialisten. Nie wieder! sag ich da nur ...

  • Auf die Frage: "Wie weit soll, wie weit muss europäische Integration gehen?" gibt es nur eine Antwort: Soweit wie nur möglich. Soweit der Zeitgeist es erlaubt.
    Ein Stillstand, wie von vielen deutsch-nationalen gewünscht, angestrebt und propagiert, ist unmöglich und auch nicht wünschenswert und wäre nur für Deutschland kurzfristig vom Vorteil.
    Was Deutschland möchte ist to "eat the cake and keep it too"
    Deutschland, Sinn und Konsorten möchten von den Vorteile einer reservierten Exportzone profitieren ohne die notwendige Opfer dafür aufzubringen.
    Trotzdem und unabhängig von den Hirngespinsten von Herr Sinn, Henkel, Sarrazin, etc., etc. ich wage nicht voraus zu sagen ob langfristig eine totale Integration der europäische Staaten die Menschen in Europa (nicht nur in Deutschland) unbedingt glücklich machen wird.
    Man kann mit Sicherheit behaupten dass ohne die von Bismarck gewollte deutsche Zollunion und die darauf folgende Gründung des deutschen Reiches beide Weltkriege nicht statt gefunden hätten.
    Das selbe kann auch durch eine totale europäische Integration passieren wenn für manche Mächte ein zu starkes Europa als Bedrohung empfunden werden sollte.

  • Eine kleine Milchmädchenrechnung?

    Deutschland hat 2 Billionen € Schulden.
    Wenn unser Finanzminister das Tilgen anfangen würde, dann bräuchte er bei einer Rate von 20 Milliarden per anno nur 100, in Worten einhundert Jahre. Wohlgemerkt ohne die fälligen Zinsen.

    Will da noch jemand glauben, daß das ohne Währungsreform geht?

  • Liebe HB Redaktion, das sagen Sie lieber mal Herrn Horn, dessen Vulgärpolemik Sie hier abgedruckt haben, ohne sie Ihrer Zensur zu unterziehen. Sollten Sie mal machen, dann würden nicht so viele Leser hier ausrasten.

  • Vor allem müssen die griechischen Oligarchen, die sich derzeit auf Kosten des deutschen Steuerzahlers haufenweise Edelimmobilien unter den Nagel reißen, endlich mal zum Steuerzahlen verpflichtet werden, und dass die griechischen Goldreserven nicht angerührt werden, ist ebensowenig einsehbar wie die Tatsache, dass sich die griechische Machtmafia nach wie vor gegen alle Reformen sträubt, weil sie den Verlust ihrer Pfründe für sich und ihre Seilschaften fürchtet. Außerdem unterstützen wir so die Lügen und Betrügereien einer Machtmafia und signalisieren allen anderen Staaten, dass sich Lug und Betrug lohnt und die Deutschen ewig weiterzahlen werden, egal, wie sehr man mit ihnen Schlitten fährt. (Es sei denn, wir wählen endlich andere Parteien jenseits von Rot-Grün-Schwarz-Gelb) Jeder Cent, den wir diesen Gestalten geben, wandert in die Taschen dieser korrupten Seilschaften. Unsere Transferzahlungen ruinieren nicht nur unser eigenes Land, sondern sie sind auch kontraproduktiv, weil sie die alten Regime erhalten, statt Reformen zu erzwingen.

  • Schockierend daran ist vor allem, dass die an stalinistische Diffamierungsmethoden erinnernde Primitivpolemik des stets durch wirtschaftliche Inkompetenz und ideologische Scheuklappen auffallenden Dünnbrettbohrers Horn weder im Vorwärts noch in der Prawda, sondern ausgerechnet im HB steht, das sich nicht scheut, diesem interessengesteuerten EU-Dienstschreiber, der ständig im Auftrag der EU-Bürokratie "Gutachten" (hahaha) fabriziert (auf Steuerzahlers Kosten, wohlgemerkt) immer wieder neu Raum einzuräumen. Wessen Interessen dient das HB damit? Dem Erkenntnisinteresse der Leser sicher nicht, die lieber Fakten und Hintergründe erfahren statt derartige Entgleisungen gegenüber einem das Sachargument statt die Ideologie ins Zentrum seiner Publikationen stellenden, ernstzunehmenden Wirtschaftsprofessor lesen möchten. Jeder, der daran interessiert ist, kann die Analysen von Professor Sinn mühelos im Internet finden. Sie sind unbequem und unangenehm und unabhängig, wie es sich für einen seriösen Professor gehört. Dass das Freunden einer gleichgeschalteten Diktatur nicht passt, ist klar. Dass sie dann zur Nazikeule statt zur sachlichen Auseinandersetzung greifen, ist bekannt und verständlich, da Herr Horn die Argumente von Professor Sinn schlicht nicht zu widerlegen vermag. Horn dann auch noch die Möglichkeit zu geben, sich hier derart ehrrührig auszupöbeln, ist einfach ekelerregend.

  • Ach wie schön,DASS ES IN dEUTSCHLAND SO VIELE sPINNER GIBT, DIE WAHRSAGEN KÖNNEN. wER HAT DENN MAl festgestellt ob die Menschen in Euopa den € wollen oder nicht und ob ie Europäer ein "EUROPA" wollen.-Niemand-Also hören Sie doch auf mit den blödsinnigen Kommentaren. Europa braucht den Euro und wird den € behaltenund das ist gut so, da können sich noch so viele Superkommentatoren negativ auslassen.

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