„Das Wort zur Wahl“ (Teil 4)
„Lobbyisten auf die Füße treten“

Was muss sich im Land ändern? Wie wichtig wird die Wahl und welche Wünsche gibt es an Regierung und Volk? Das wollten wir von Prominenten wissen. Heute hat Sänger Pierre Baigorry alias Peter Fox das „Wort zur Wahl“.
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Deutschland braucht Ziele und Visionen. Um das lebenswerte, vergleichsweise offene Land zu bleiben, das es meiner Meinung nach ist. Andere Visionen als „Wachstum, Wachstum” oder „Geiz ist geil”. Von der Politik erwarte ich nicht unbedingt, dass sie diese Visionen entwickelt, aber zumindest aufnimmt und die Menschen dafür zu begeistern versucht. Nicht nur irgendwie das Land verwaltet. So wie es in den letzten Jahren leider den Anschein hatte.

Außerdem wäre es wünschenswert, dass weniger Energie beim parteitaktischen Schattenboxen vergeudet wird, sondern mehr über Parteigrenzen hinweg gemeinsam nach Lösungen gesucht wird. Apropos Energie. Die Energiewende ist ja eigentlich ein großes gesellschaftliches Ziel, welches allgemein anerkannt wird. Und welches im Hinblick auf nachfolgende Generationen unbedingt gelingen – und mehr noch – ein Exportschlager werden muss.

Insofern ist es bedauerlich, dass Deutschland in manchen energie- und umweltpolitischen Fragen zwar durchaus vorneweg geht, andererseits aber in jüngerer Vergangenheit beim CO2-Zertifikatehandel oder den Abgasgrenzwerten in der EU auf die Bremse trat. Auf Dauer wirkt es wenig zukunftsorientiert, dass Deutschlands wirtschaftliche Stärke vom Bau und Export großer Luxusautos abzuhängen scheint. (Genauso ist es übrigens unschön, dass nach wie vor auch der Waffenexport – unter anderem in undemokratische Länder wie Saudi-Arabien – ein so starkes Standbein darstellt.)


Zum Thema Wachstum: Solange erneuerbare Energien nicht in ganz großem Stil verfügbar sind, sollte auch ausgesprochen werden dürfen, dass es nötig sein kann, weniger Energie bewusster zu verbrauchen, bis hin zum Runterfahren bestimmter Bedürfnisse der modernen Gesellschaft – und dabei meine ich nicht „zurück in die Steinzeit“. Aber dieses Thema wird durch Medien und die Politik – insbesondere FDP und CDU – zu sehr unter der Überschrift „Verzicht, Verzicht!”, also als große Spaßbremse verkauft, anstatt die simple Notwendigkeit anzuerkennen, die Energiefrage zugunsten unserer Kinder und Kindeskinder zu lösen. Und die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass Verzicht auch eine Chance darstellen kann.

Auch der Komplex Steuern, Oben/Unten-Ausgleich muss mutig und angstfrei kommuniziert werden. Ich finde es richtig, wenn weit überdurchschnittlich verdienende (dazu zählte ich in den letzten paar Jahren selbst) mehr Steuern zahlen als bisher. Und ich finde, dass die Finanzwelt, solange sie nicht direkt die Realwirtschaft unterstützt, sehr viel stärker für ihren Spaß bezahlen muss – Stichwort Transaktionssteuer.

Das muss auch klar ausgesprochen und konsequent durchgesetzt werden, auch wenn dies nur mühsam in größerem Rahmen, mindestens EU-weit, umsetzbar scheint. Es muss allen klar sein, dass das Geld, welches sich irgendwo türmt, auch irgendwo fehlt – für Bildung, Infrastruktur, etc.

Ob eine höhere Vermögens- oder Erbschaftssteuer tatsächlich mittelständische Betriebe ruinieren würde, wie Gegner behaupten, kann ich nicht beurteilen. Aber grundsätzlich sollten die Starken von sehr viel auch sehr viel abgeben können, um öffentliche Angebote und den gesellschaftlichen Frieden zu erhalten, von dem sie profitieren und der ihren Aufstieg – neben eigener Anstrengung – überhaupt möglich macht.

Ich möchte eine Regierung, die diese Prinzipien anerkennt und ihnen folgt. Die Begeisterung ausstrahlt und mutig ist, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen, egal welcher Klientel, Lobby sie damit eventuell auf die Füße tritt. Das wäre jetzt wichtig.

Peter Fox, der mit bürgerlichem Namen Pierre Baigorry heißt, ist einer der Frontmänner der Band Seeed, die 1998 gegründet wurde. Der 42-jährige Reggae- und Hip-Hop-Musiker war aber auch als Solokünstler unterwegs, 2008 erschien sein Soloalbum „Stadtaffe“. Mit anderen Künstlern fordert der Berliner auf dieser Seite eine mutigere Politik.

Am Freitag gehört dem Börsenmakler Dirk Müller unser „Wort zur Wahl“.

Kommentare zu " „Das Wort zur Wahl“ (Teil 4): „Lobbyisten auf die Füße treten“"

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  • Sie liefern von vorn bis hinten den selben Lobbyquatsch,wie man ihn zur Zeit immer als Antwort bekommt,wenn man sich für Vernunft einsetzt und der Gier gegenüber tritt.Da habe ich noch das unnachahmliche Nuschelgebrüll von Brüderle im Ohr.
    Und übrigens hat Schmidt selten etwas dümmeres von sich gegeben,wie dieses,"Wer Visionen hat...".
    Wer Fracking für eine Möglichkeit hält so weiter zu machen wie bisher,dem wünsche ich so ein Bohrvorhaben im eigenen Vorgarten.Nicht beim Abwaschen rauchen,kann ich da nur sagen!

  • Naja, ich gebe Ihnen recht. Wenn man das liest, was ich da geschrieben habe, dann ist es schon irgendwie befremdlich. Ich meine es ja gar nicht irgendwie negativ. Nicht im Geringsten. Man könnte ja darüber nachdenken, ob es noch zeitgemäß ist.
    Und auch, ob man Verträge macht, genau wie wir Deutschen damals den Elysee-Vertrag mit dem Erzfeind^^ Frankreich geschlossen haben. Immerhin hat der Streit damals zu zwei Weltkriegen geführt. Da kann man doch draus lernen?

    Warum investiert man so viel Geld in Waffen, wenn man es genauso gut für irgendwas Soziales ausgeben könnte?

    ...oder in neue Gebäude für eine friedliche Politik in Asien?

    ...es gäb so vieles, was man mit dem ganzen Geld machen könnte, außer Waffen.

  • Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Mir ist das mit China schnutzpiepegal, aber wenn man mal über ethische medizinische Standards sprechen würde und auch als asiatische Staatengemeinschaft realisiert, daß Ressourcen knapper werden, dann könnte man auch die Grenze zwischen Indien und Pakistan wieder aufheben, genau so wie wir es mit der Berline Mauer auch schon getan haben?

    Anstelle unglaublich viel Kohle in sowas zu stecken, könnte man gemeinsam auch zusammen an einer guten "sozialen Marktwirtschaft"-Legislative für alle arbeiten?

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