„Das Wort zur Wahl“ (Teil 6)

„Wir sparen an der falschen Stelle“

Was muss sich im Land ändern? Wie wichtig ist die Wahl, welche Wünsche gibt es an Regierung und Volk? Das wollten wir von Prominenten wissen. Heute hat der Mediziner und Autor Eckart von Hirschhausen das „Wort zur Wahl“.
  • Eckhart von Hirschhausen
28 Kommentare
Eckart von Hirschhausen will das deutsche Gesundheitswesen umkrempeln.

Eckart von Hirschhausen will das deutsche Gesundheitswesen umkrempeln.

Die Stimmung in den Krankenhäusern und Praxen macht mir ernsthaft Sorgen. Wir geben so viele Milliarden im Gesundheitswesen aus, und sparen an der falschen Stelle, den motivierten Menschen und der Kommunikation. In den 1980er-Jahren kamen Unternehmensberater auf die glorreiche Idee, dass es doch egal sei, ob eine Krankenschwester ein Tablett zum Patienten bringt oder eine ahnungslose billigere Hilfskraft. Heute haben wir den Salat, dass die besten Leute keine Lust mehr haben, in dem System zu arbeiten, auswandern oder ausbrennen.

Dafür importieren wir massenweise Pflegekräfte und Ärzte, die kein Deutsch können. Das ist doch absurd. Das rein ökonomische Denken geht am Kern der Idee des „Hospitals“ vorbei – ein Ort für Gäste. Das Wort „Charité“ kommt nicht von „Shareholder“, sondern von „Caritas“ – der Nächstenliebe, die in einem Patienten erst einmal den sieht, dessen Leiden man lindern möchte, keinen DRG-Fall und keinen Kunden. Das Anreizsystem ist im Kern falsch. Das weiß jeder, aber keiner traut sich, daran zu rütteln.

Ständig wird an Knien, Wirbelsäulen und Herzgefäßen rumgepopelt, ohne dass klar der Nutzen und Schaden bekannt sind. Die Evidenzbasierte Medizin liefert seit 20 Jahren Daten, die erst dann Konsequenzen haben, wenn Druck von mehreren Seiten kommt. Deshalb braucht es dringend eine unabhängig finanzierte Internetplattform, auf der Ärzte und Patienten sich über den aktuellen Stand des medizinischen Wissens informieren können. Das gibt es in Norwegen seit Jahren. Und es braucht viel stärkere Belohnung für reden, erklären und aufklären. Im Kleinen gibt es gute Initiativen, wie Feedback-Trainings mit Schauspielern oder „Arzt mit Humor“ in Leipzig.

Ich kenne niemanden, der Lust hätte selber in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden, wo alle gestresst sind, keiner Zeit für ihn hat, ständig die Ansprechpartner wechseln, und man nach einer lebensentscheidenden Operation auf einer Normalstation verstirbt, weil keine Schwester mitbekommt, wenn es einem schlechter geht, weil sie allein für noch 40 andere Patienten zuständig ist.

Wer hat den Menschen von seiner Zeugung bis zu seinem Tod im Blick? Eine der besten Präventionsmaßnahmen sind zum Beispiel Familienhebammen. Wenn ein Kind aus schwierigen Verhältnissen einen guten Start ins Leben hat, zahlt sich das die nächsten 80 Jahre für die Gemeinschaft aus. Auch für Gesundheitsunterricht in den Kindergärten und Schulen gibt es wirksame Projekte wie „Klasse 2000“ oder auch „Glück als Schulfach“.

Warum ausgebrannten Managern teuer etwas beibringen, was sie auch in der Schule hätten lernen können? Und zu guter Letzt wünsche ich mir Clowns in jedem Krankenhaus. Dafür stehe ich mit meiner Stiftung „Humor hilft heilen“, denn Lachen hilft nachweislich gegen Schmerzen. Hauen Sie sich mit einem Hammer zweimal auf den eigenen Daumen, einmal alleine und dann noch einmal in Gesellschaft. Sie spüren den Unterschied. Deshalb sollte im Krankenhaus niemand lange alleine sein und etwas zu lachen bekommen. Ist das zu viel verlangt in einem System, das 300 Milliarden im Jahr umsetzt?

Eckart von Hirschhausen beim Bürgerfest von Bundespräsident Joachim Gauck. Quelle: dpa

Eckart von Hirschhausen beim Bürgerfest von Bundespräsident Joachim Gauck.

(Foto: dpa)

Eckart von Hirschhausen ist Mediziner und Wissenschaftsjournalist, seinen Bekanntheitsgrad hat er jedoch als Kabarettist und Autor gesteigert. Humoristisch nährt er sich in seinen Büchern auch den medizinischen Themen und Problemen („Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“). Entsprechend ist der Name der Stiftung, die der 46-jährige Berliner gegründet hat: „Humor hilft heilen“.

Am Wahlsonntag gehört dem Sportmanager Reiner Calmund unser „Wort zur Wahl“.

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28 Kommentare zu "„Das Wort zur Wahl“ (Teil 6): „Wir sparen an der falschen Stelle“"

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  • Wir sparen auf alle Fälle an der falsche Stelle:

    Großprojekte wie Berliner Flughafen, Stuttgart21,
    EuroHawk, Elbphilharmonie,...

    ... und zahlreiche Politiker, die ihren Job nicht ausüben: www.bundestag.de/bundestag/gremien/pkgr/mitglieder.html

    Wahlwebung und Lobbyspenden ( sofern öffentlich und transparent ):
    CDU: 23 Mio. € - hohe Summen durch Autoindustrie u.W.
    SPD: 20 Mio. € - hohe Summen durch Autoindustrie u.W.
    ...
    AfD: ? Mio. € ( http://www.welt.de/politik/deutschland/article115512728/Finanziert-Moevenpick-Milliardaer-AfD-Wahlkampf.html )


    Wirtschafsspionage 50 Milliarden € pro Jahr

    Steuerverschwendungen, vgl. jährliches "Steuerschwarzbuch"

    Keine Politikerhaftung in Aufsichtsräten, u.a. bei o.g. Großprojekten, WestLB,....

    Wir investieren in die falschen Bildungsprojekte, werfen Lehrer im Sommer raus, um neue einzustellen - zu Lasten des Nachwuchses und der Bildung und und und....

    Es reicht: Wähle Protest - klein aber fein
    und mache Deine Meinung geltend!

  • Alleine wegen diesen NAZI-Gedanken und der Gefahr, dass viele die Gefahren übersehen bzw. stillschweigend sich einer vernünftigen Aufklärung stellen, dürfte anregen, ob es richtig ist, wählen zu gehen oder nicht:
    www.bundestag.de/bundestag/gremien/pkgr/mitglieder.html

    Geht wählen, oder wollt Ihr das:
    http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/geiselnahme-israelis-stuermen-einkaufszentrum-in-nairobi/8825804.html

    Im Zweifel kleinen Protest wählen, sofern demokratisch!

    NPD, AfD, REP und DVU - Wähler gehen garantiert wählen!

  • @Holzkopf84

    Na klar...die Nazis waren auch gut...Ich sags ja....Die Relativierung der NAZIS ist noch immer weir verbreitet!

    Hauptsache Autobahnen und Materielles...der Menschen ist scheiss egal. Vorallem die ehrlichen, kritisch denkenden. Die man ja längst wieder in diesem SYSTEM aussortiert hat!!

    Ihr Kommentar hat faschistische Tendenzen. einfach noch mal darüber nachdenken warum die NAZIS DIE AUTOBAHNEN GEBAUT HATTEN. Schafft man aber nur mit INTELLIGENZ und MIT KRITISCHEM DENKEN :)

    Hier haben die NAZIS NIE AUFGEHÖRT ZU EXISTIEREN. DIE NAZIS WURDEN AUCH NICHT IM NÜRNBERGER PROZESS RICHTIG VERURTEILT!! DIE CDU IST EINE NACHFOLGEPARTEI DER NSDAP UND WURDE NACHSWEISLICH MIT NAZIGOLD AUFGEPEPPELT.

    Lesen Sie Hanna Arnendt, das Schwarzbuch des Kapitalismus, Krysmanski, Krisis.org und andere!

    Sie sind auch so ein verkappter ALTNAZI...unfassbar der braune MOB im INTERNET.

    PRÄVENTION DIENT EINZIG UND ALLEINE DER GLEICHSCHALTUNG UDN UNTERDRÜCKUNG DER MENSCHEN!!!!

    Schaffen SIE EIN HUMANISTISCHES SYSTEM. Dann brauchen Sie auch KEINE! PRÄVENTATION!!

  • Capslock verbessert weder Lesbarkeit noch Glaubwürdigkeit ... Gab es nichtmal ein Gesetz das Groben Unfug unter Strafe gestellt hat ? Nicht alles war früher schlecht....

    Nazis haben auch Autobahnen gebaut und heutzutage werden diese Nichtmehr Instandgehalten ... da haben wir zumindest verkehrspolitisch ja nochmal Glück gehabt; keine Nazi Diktatur im Verkehrsministerium.

    Präventive Medizin ist leider sinnvoll, selbst wenn die Nazis es praktiziert haben sollten und über Böse Endoskopische Vorsorge Untersuchungen wird vieleicht ihre Intimsphäre verletzt aber wohl kaum das Demokratische System ausgehöhlt.

    Wie gut Naturheilverfahren gegen ausgewachsene Krankheiten helfen hat man ja bei Steve Jobs eindrucksvoll beobachten können ; und wenn man es Einmal mit einer ausgebreiteten bösartigen Erkrankung zu tun hat hilft auch Maximalmedizin nicht weiter.

  • SIe setzten hier hier voraus das jeder Muslim sich an alle Vorschriften hält die es in einer Muslimischen Gemeinschaft gibt, es gibt aber unzählige, genau wie es unzählige Christliche Glaubensgemeinschaften gibt. Jede mit ihren Vorschriften.

    Ich bin kein Spezialist für Religiöse Vorschriften aber es ist und bleibt eine persönliche Entscheidung inwiefern man für seinen Beruf Abstriche macht sofern man die Rahmenbedingungen des Berufes überhaupt als Einschränkend empfindet.

    Ich halte es für falsch von "dem Muslim" zu sprechen genau wie es falsch ist von "dem Christen" oder "dem Sinti und Roma"; Ich bin röm. katholisch getauft und es gab Zeiten da habe ich die Denkweisen dieser Institiution aufs Schärfste verurteilt. Mittlerweile sehe ich deutliche Fortschritte und ich bin überzeugt das ich da nicht alleine bin.

    Was ich damit sagen will: Es gibt fast 1,6 Milliarden Muslime und jeder einzelne wird eine eigene Meinung dazu haben.
    Wenn sie ernsthaft behaupten wollen jeder Muslim denkt so wie in diesem Interview.... naja es herrscht Glaubensfreiheit....




  • @Gandhi

    NEIN!! Der Geldtopf ist eben nur so groß, weil eine Oberschicht sich daran bereichert. Die Pharmaindustrie inbegriffen!! Während man bei den Kleinen spart und diese nur rhig stellt bzw, wieder Medikamente, besonders Psychopharmaka ganz legel testet.

    Man befasse sich mit Zusammenhängen und den Gesetzen aus der Nazi-Zeit!

  • @hellboy

    Ach ja?? Woher wollen sie das denn wissen?! Sind sie bei jedem Artzbesuch in Deutschland mit dabei?!

    Es gibt aber auch dämliche Kommentare. Und klar doch...die Nazis haben auch auf Heimat, Natur, und alternativ Medizin gestanden.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Medizin_im_Nationalsozialismus#Zentraler_Paradigmenwechsel_in_der_Medizin

    Reiche müssen sich KEINEN PRÄVENTIONSMAßNAHMEN HINGEBEN! Die haben GENUG GELD UM SICH DIE BESTEN ÄRZTE DER WELT LEISTEN ZU KÖNNEN. Das war übriegns schon in der DDR so.

    Es ist wirklich ungeheuerlich wie hier immer noch die Nazi-Gesetze gelten. PRÄVENTION HATTEN DIE NAZIS SEHR GUT BEFÖRDERT!!! EIN AUTORITÄRER STAAT, DER HAND IN HAND MIT DER WIRTSCHAFT ARBEITET IST FASCHISMUS!!

    Es lebe der DEUTSCHE FASCHISMUS!! UND DIE VERBLÖDUNG DER MASSE!!

    "Für die Medizin bedeutete dies eine deutliche Hinwendung zum Präventionsgedanken und eine erhebliche Stärkung der Arbeitsmedizin."

    http://de.wikipedia.org/wiki/Medizin_im_Nationalsozialismus#Konzept_der_Gesundheitsf.C3.BChrung

    Die Stiftung für das DEUTSCHE VOLK IST NICHTS WEITER ALS EINE FORTFÜHRUNG DER NAZIS!!

    Hirschhausen verpackt das alles nur besser....EKELHAFT wie hier wieder eine DIKTATUR ERRICHTET WIRD!!

  • Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Furtwängler, die keine lust auf Arbeit hat und wegen IHREM REICHTUM (Burda Imperium) zur Schauspielerin gepusht wurde.

    Ja, lasst euch nur alle verblöden...ich finds lustig wie die Masse NICHT fähig ist, eigenständig zu DENKEN. Und sich andauernd von irgendwelchen Geldprostituierten etwas vorbeten lassen muß.

    Warum führen wir eigentlich nicht wieder einen Kaiser ein?

  • Ist i.G. genommen nicht der Geldtopf im Gesunheitswesehn zu groß?? Eine Umverteilung der Gehälter bei Ärzten und Pflegern (m/w) mit dem Ziel 5% (€) einzusparen.
    Der Pharmaindustrie mächtig massiv angehen, Kürzung hier mindestens 40 % ud wenn in D ein Medikament teurer verkauft wird als im Ausland dann muss es Strafzahlungen der oder des Herstellers mit abschreckender Wirkung geben

  • "Was muss sich im Land ändern?"

    ganz einfach: Basisdemokratie statt Einheitspartei.

    Problem und Unzufriedenheit mit mit der Gesundheitssystem?
    --> bring Lösungsvorschläge und lass das Volk abstimmen.

    Problem mit dem Bildungssystem?
    --> bring Lösungsvorschläge und lass das Volk abstimmen.

    Problem mit ...
    --> bring Lösungsvorschläge und lass das Volk abstimmen.

    Die Einheitsparteien wollen primär ihr Politiksystem am Leben erhalten - und über die Vision der Persönchen an deren Spitze?
    Keine Ahnung.
    Was ist denn die Vision der ewigen Kanzlerin?
    Auf ewig Kanzler bleiben?
    Ja. Scheint wohl so.
    ... und erreicht werden soll das Ziel nach dem Motto:
    "wer nix macht, macht auch keine Fehler".

    Für Deutschland völlig unwürdig.
    Die ganze Welt wird aufgebaut - und wir stehen auf der Bremse.
    Und wenn diese Nixtuer doch mal was machen - wirds natürlich Bockmist.

    Übung macht den Meister - auch beim Nixtun.

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