David Marsh
Scheitert Spanien, dann auch der Euro

In den kommenden Monaten könnte der Euro-Raum bröckeln. Auch in der möglichen Abwicklungsphase muss die EZB glaubwürdig sein. Die Entwicklung der Zentralbank durchlebte viele Phasen und mündete in Schuldzuweisungen.
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EZB-Präsident Mario Draghi betont stets die Grenzen der Hilfsmöglichkeiten der Notenbank. Doch wenn der Euro-Raum in den kommenden Monaten zerbröckelt, wird der EZB die wichtige Rolle als Garantin der europäischen Zahlungssysteme zugeordnet, auch als Koordinatorin der Geld- und Währungspolitiken der nationalen Zentralbanken. Und schließlich als moralische Instanz, um vergangene Missgeschicke und Fehlkalkulationen aufzuzeigen und neue Wege zu weisen.

Welches sind die bisherigen Zeitabschnitte der EZB-Entwicklung? Die Aufbauphase 1998-2003 fiel mit der Ära des ersten Präsidenten Wim Duisenberg zusammen. Die neue Währung geriet gegenüber der Macht des Dollars und der Skepsis der Finanzmärkte in eine Zerreißprobe. Die zweite Etappe, die Bestätigungsphase, haben wir ab November 2003 mit dem Amtseintritt Jean-Claude Trichets erlebt, als sich die EZB den Versuchen der Regierungen, fiskalpolitische Regeln auszuhebeln, mit Biss entgegenstellte.

Im Zuge einer Legendenbildung wird jetzt von den Notenbankern das Fehlverhalten der französischen und deutschen Regierung in den Jahren 2003-04 übertrieben. Paris und Berlin verzeichneten in dieser Zeit durchschnittliche Haushaltsdefizite in Höhe von 3,4 Prozent des BSP. Kein Kapitalverbrechen gegen die Wirtschaftsorthodoxie.

Phase drei war eine Trotzphase, als sich der Euro festigte und Trichet den Status der EZB gegenüber der Politik überbetonte - so mit der überzogenen Selbstdarstellung, er sei „Mr Euro“. Diese Etappe wurde von einer verantwortungslosen Sorglosigkeit der EZB hinsichtlich der wachsenden Euro-Raum-Zahlungsbilanzungleichgewichte begleitet. Wie der frühere Präsident der EU-Kommission, Jacques Delors, jüngst sagte, hätte der EZB-Rat während der Ruhe vor dem Euro-Sturm auf mögliche Finanzierungsprobleme hinweisen sollen.

Die vierte Phase ab 2007 kann man als Periode des Triumphs beschreiben, als die EZB die ersten Auswüchse der Finanzkrise erfolgreich bekämpfte und Trichet im Juni 2008 Euro-Kritiker des Kleinmuts bezichtigte. Mit der Offenlegung der Misere des griechischen Fehlverhaltens trat Ende 2009 die fünfte Phase ein, die Krisenperiode, die in die Phase der gegenseitigen Schuldzuweisungen mündet.

Und künftig? Viel mehr als von Griechenland oder Deutschland hängt die weitere Entwicklung von Spanien ab. Scheitert Spanien, dann auch der Euro. Dann erleben wir die siebte Phase, die Etappe der Euro-Abwicklung. Der Höhepunkt der Karriere von Draghi steht wohl noch bevor.

Der Autor ist Co-Chairman von OMFIF.

David Marsh
David Marsh
/ Co-Chairman OMFIF

Kommentare zu " David Marsh: Scheitert Spanien, dann auch der Euro"

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  • Dann hoffen wir mal, dass ganz schnell Phase 7 beginnt, damit wir dann mal wieder zur Nomalität übergehen können

  • "Scheitert Spanien, scheitert der Euro". Vorher hieß es: "Scheitert Griechenland, scheitert der Euro". Bald wird es heißen: "Scheitert Deutschland, scheitert der Euro". Dann sind wir alle arm und fangen bei null an. Natürlich ohne den EURO.

  • "So sieht die Geschichte Europas und des Euros aus - gescheitert an der Politik! Und nicht an den Märkten oder Menschen...das musste jetzt mal ´raus!"

    Sehr richtig! Diese Ablenkungsmanöver speziell der gönnerhaften Gutmenschen die ihr eigenes Versagen jetzt auch noch ihren immerwährenden Lieblingsfeinden, den Märkten, ankreiden wollen, sind nur noch peinlich. Wenn heute eine Ex-Außenminister Fischer Klugscheißer spielt und den Untergang des Abendlandes prophezeit, wenn Deutschland nicht seine Reputation/Bonität und die Ersparnisse und Steuereinnahmen seiner Bürger in Europa per Gießkanne verschenkt, fragt man sich, ob er, dessen Regierung seinerzeit Griechenland in den Euro geholt hat und dann auch noch alles dem Selbstlauf überließ, also umittelbar mitverantwortlich ist für den heutigen Wahnsinn, noch bei Verstand ist oder jemals war.

    Natürlich haben Märkte Macken. Sie unter- und übertreiben, es gibt weniger schöne Tiere wie Aasgeier und Hyänen. Aber Aasgeier und Hyänen sind nicht das Wesen des Marktes, er würde ohne diese auch funktionieren, nur würde sich ggfls. das Leiden von Krankem unnötig verlängern.

    Ich will nicht behaupten, dass der Euro schon mit absoluter Sicherheit ein Fall für die Hyänen ist. Vieleicht gibt es ein Rest-Chance, ich weiß es nicht. Aber eines ist sicher: wenn die Mehrheit der Euro-Mitglieder nicht einsieht, dass wachsende Verschuldung für konsumtive Zwecke ein Schneeballsystem ist, welches kollabieren muss und versuchen den Euro endgültg zu einem einem Vehikel dieser zerstörerischen Realitätsverweigerung zu machen, wird es aufgrund des maasiven Überangebots an Krankem zu einer Hyänenplage kommen, den der Euro mit Recht nicht überlebt.

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