Der Ökonomische Gastkommentar
Biotop für gute Heuschrecken

Dieser Tage werden die Stimmen derer lauter, die Finanzinvestoren ohne Ausnahme verteufeln. Dabei ist eine Unterscheidung zwischen guten und schlechten Investoren dringend notwendig. Insbesondere der Mittelstand braucht alle verfügbaren Geldquellen – und somit jeden ordentlich motivierten Investor.
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HB. Es war ruhig geworden um diese Gattung. In der Diskussion um die Schuldigen der Finanz- und Wirtschaftskrise taucht die Spezies der Heuschrecken nun wieder auf. Mancher Politiker, der sich mit stolzgeschwellter Brust zum Retter aus der Krise aufschwingt, reiht sich nahtlos in das Müntefering’sche Abkanzeln des Private-Equity-Sektors ein. Dabei muss die Politik daran erinnert werden, dass sie selbst große Mitverantwortung an zahlreichen spektakulären Schieflagen bei IKB, der SachsenLB, der BayernLB, der Baden-WürttembergLB, der WestLB und der HSH Nordbank trägt.

Gerade das Beispiel HSH Nordbank, die Schleswig-Holstein an den Rand der Insolvenz führt, zeugt davon, wie doppelzüngig die Politik mit Finanzinvestoren umspringt: War der Finanzinvestor Christopher Flowers als Stütze einer für den Börsengang hübsch gemachten Landesbank hochwillkommen, ist derselbe Flowers bei der gefährlich dümpelnden Hypo Real Estate Sündenbock für ein Einzelfallgesetz, welches dessen Enteignung ermöglicht, weil er den Vorgaben der Regierung nicht folgt. „Halleluja“ und „Kreuziget ihn“ für ein und dieselbe Person.

Das hat System: Von einem hochrangigen Repräsentanten der CDU, der an einem Schalthebel der Großen Koalition sitzt, weiß man, dass er sich damit brüstet, dass bei ihm keine Heuschrecke über die Büroschwelle kommt. Sein unionsbefreundeter Wirtschaftsminister dagegen macht den Einstieg eines Finanzinvestors zur Voraussetzung für die Rettung von Opel. Und die aufsehenerregende Beteiligung von Abu Dhabi an Daimler wird nicht nur allgemein, sondern ausdrücklich auch von der Regierung begrüßt.

HB. Es ist geradezu dümmlich, wenn die Politik, um der kleinen populistischen Münze willen, der Versuchung erliegt, alle Beteiligten in einen Topf zu rühren und sie womöglich noch mit den Verursachern der Finanzkrise zu vermischen, während sie bei den Investitionsobjekten fein säuberlich zwischen gut und schlecht trennt. Das Unternehmen heiligt den Investor – oder verteufelt ihn. So geht’s nicht. Gleichzeitig wäre es töricht zu leugnen, dass es besonders abschreckende Beispiele des Engagements von Finanzinvestoren gibt. Und wahr ist auch, dass der Beteiligungssektor in seiner Kommunikation mit der Öffentlichkeit seltsam zurückhaltend ist und damit Argwohn erzeugt, statt sich aktiv und offensiv zu präsentieren.

Dass sich die Branche als relevanter Wirtschaftsfaktor eigentlich nicht verstecken muss, zeigt sich darin, dass Private Equity in Deutschland für 6 400 Betriebe mit mehr als einer Million Arbeitsplätze steht. Damit ist die Branche in etwa so groß wie die Automobilindustrie. 2008 investierten Private-Equity-Firmen hierzulande insgesamt 8,4 Mrd. Euro, der Großteil (5,9 Mrd. Euro) stammte von in Deutschland ansässigen Beteiligungsgesellschaften.

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