Der Ökonomische Gastkommentar
Versicherer berechnen ihre Risiken künftig besser

Dem Ministerrat und der EU-Kommission ist es unter der Führung der tschechischen Präsidentschaft gelungen, einen Kompromiss zur Neuordnung der europäischen Aufsichtsvorschriften für Versicherer – Solvency II – zu finden. Das neue Regelwerk setzt ein starkes Signal vor dem G20-Treffen. Die Änderungen im Überblick.
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HB. Man darf nun davon ausgehen, dass die Rahmenrichtlinie offiziell im Parlament im April beziehungsweise im Ministerrat im Mai verabschiedet werden kann. Damit wird eine zeitgerechte Implementierung der neuen Aufsichtsrichtlinien per Ende 2012 möglich.

Die Einigung ist ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Stabilität des Versicherungssystems und damit auch ein wichtiger Pfeiler für die Neuordnung der Finanzaufsicht und für die Stärkung des Finanzsystems insgesamt.

Welche Verbesserungen werden mit Solvency II erreicht? Die neuen Solvabilitätsvorschriften – die Vorschriften also für die Kapitalausstattung der Erst- und Rückversicherer – basieren auf einem integrierten Risikoansatz. Alle Risiken, die Versicherungs - und die Finanzmarktrisiken sowie die operativen Risiken des Unternehmens und deren Interdependenz, gehen in die Berechnung der erforderlichen Kapitalunterlegung ein. Solvency II hat auch einen qualitativen Aspekt: Das Regelwerk schafft Anreize für ein professionelles Risikomanagement, indem es die Grundsätze des internen Risikomanagements und der Überprüfung durch die Aufsichtsbehörden regelt. Solvency II fordert aber zudem Überlegungen zur Offenlegung von Risiken.

Unter Solvency II werden alle Risiken eines Erst- oder Rückversicherers bewertet, insbesondere auch Finanzrisiken und die in Versicherungsprodukten beinhalteten Garantien. Die Versicherungsgesellschaften müssen überprüfen, ob sie mit dem verfügbaren Kapital auch seltene Großschäden bezahlen können. Dabei müssen Abhängigkeiten zwischen Risikofaktoren berücksichtigt werden, also deren Kumulierungspotenzial. Ein Hurrikan kann zum Beispiel in mehreren Geschäftssparten gleichzeitig Schadenszahlungen erfordern: in der Sachversicherung wie auch im Haftpflichtgeschäft und in der Lebensversicherung. Eine Pandemie kann das Lebensversicherungsgeschäft treffen, aber auch zu hohen Verlusten im Aktienportfolio führen.

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