Der politische Gastkommentar
Deutsche Angst und deutsche Sicherheitstechnik

Die deutsche Sicherheitstechnik ist eine strategischen Branche mit weltweit hervorragendem Ruf. Doch ihr fehlt die politische Unterstützung, schreibt Heinz Schulte, Chefredakteur von Griephan Global Security. Ein Gastkommentar.
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Die nicht-militärische Sicherheitsvorsorge - wie Gefahrstoff-Erkennung, Identifikation und Authentifizierung, IT-Sicherheit, physische Sicherungssysteme sowie die Ausstattung von Polizei und Feuerwehr - ist ein gewaltiger Wachstumsmarkt, auf dem Deutschland eine führende Rolle einnimmt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat erstellen lassen. Das Problem ist aber, dass die politische Unterstützung für diese Branche teils fehlt, teils auch zu zersplittert ist.

Für dieses Marktsegment lässt sich in Deutschland für 2008 ein Gesamtvolumen von gut 20 Milliarden Euro ermitteln. Die Wertschöpfung deutscher Unternehmen beträgt 67 Prozent. Fundierte Wachstumsannahmen ergeben für 2015 ein Umsatzvolumen in Deutschland von über 31 Milliarden Euro und einen nationalen Wertschöpfungsanteil von etwa 69 Prozent. Hinzu kommt ein erhebliches Exportgeschäft, das allerdings schwer zu beziffern ist.

Hierzu heißt es in der Studie: "Die deutschen Anbieter haben das Potenzial, auch im internationalen Wettbewerb gut bestehen zu können." Das Siegel "made in Germany" zieht in diesem Bereich, es steht für Kompetenz und Neutralität.

Aber dann folgt eine ernüchternde Erkenntnis, der man in Deutschland leider immer wieder begegnet: Hier herrscht weitgehend Unverständnis gegenüber einer strategischen Industrie. "Die Community im Bereich der zivilen Sicherheit ist nicht optimal vernetzt", heißt es dazu in der Studie.

Diese fehlende Vernetzung stellt für die Entwicklung der Unternehmen und ihre Innovationsfähigkeit aber ein bedeutendes Risiko dar. Noch immer gehören Diskussionen über Maßnahmen für Sicherheit und Katastrophenschutz in Deutschland zu den Tabuthemen in der Öffentlichkeit. "Entsprechend besteht in der Bevölkerung ein Ungleichgewicht zwischen dem Wissen um Notwendigkeiten und Nutzen von Sicherheitslösungen einerseits und Ängsten und Befürchtungen zu deren Missbrauch andererseits", meinen die Autoren der Studie.

In der Tat: Die Angst vor Missbrauch ist eine gängige Münze in Deutschland, die am Markt der öffentlichen Aufgeregtheit gern gehandelt wird. Darunter leiden Branchen wie die Sicherheitstechnik, bei denen es nicht mit Samthandschuhen zur Sache geht.

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