Desmond Lachmann
Die tragische Heldin der Euro-Zone

Kanzlerin Merkel steckt in einem Dilemma: Gibt sie den Brüsseler Forderungen nach, zahlt Deutschland mit höherer Haftung für die Währungsgemeinschaft. Will sie die finanzielle Unschuld bewahren, droht dem Euro das Aus.
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Sie läuft jetzt langsam aus, die Zeit der wankelmütigen deutschen Entscheidungen in der Europapolitik. Der Druck der Partner auf Deutschland wächst, sich endlich ohne Wenn und Aber zur Fiskal- und Bankenunion zu bekennen. Doch ist es momentan völlig unklar, ob die Deutschen diesen Schritt wagen werden. Verständlicherweise ist Angela Merkel hier gespalten, da sie abwägen muss, was teurer wird: politisches und wirtschaftliches Nichtstun oder erneut den deutschen Steuerzahler zur Kasse bitten, um ein waghalsig teures Projekt, genannt Europa, zu finanzieren.

Die Märkte bieten Merkel wenig Hilfe an. Zu den vielen Paradoxien der Euro-Krise gehört auch die offenkundige Ambivalenz bei der Einschätzung der deutschen Staatsfinanzen. Gemessen an den extrem niedrigen Zinssätzen für Bundesanleihen, darf man getrost annehmen, dass die finanziellen Prognosen für die öffentlichen Kassen Deutschlands eigentlich eine Quelle schierer Freude und überbordenden Stolzes für die deutsche Politik sein müssten. Und ihr die Möglichkeit geben, noch weitere europäische Projekte zu schultern.

Legt man hingegen die Rekordpreise für Kreditversicherungen deutscher Schuldscheine zugrunde, die bei über 100 Basispunkten liegen, kann man die Sorge der Kanzlerin verstehen, dass die deutschen Finanzen von weiteren Wünschen überfordert werden.

Im Lichte früherer Erfahrungen könnte man den Deutschen zustimmen, wenn sie nicht allzu viel Aufhebens von den niedrigen Zinssätzen für ihre Staatsanleihen machen. Allzu oft wurden schon falsche politische Signale ausgesandt. Hinsichtlich der politischen Entscheidung, wie weit Deutschland weitere Hilfen für Europa bereitstellen kann, wäre Merkel deshalb gut beraten, die möglichen Kosten der bereits zur Verfügung gestellten Hilfen für Europa während der letzten beiden Jahre in Betracht zu ziehen.

Diese Unterstützung erfolgte im Wesentlichen durch die Teilhabe am europäischen Zentralbanksystem, am europäischen Rettungsschirm EFSF und am Internationalen Währungsfonds (IWF). In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass allein die Bundesbank im europäischen Zahlungsverkehrssystem Target 2 Forderungen von weit über 700 Milliarden Euro angehäuft hat. Das sind 20 Prozent des Bruttosozialproduktes Deutschlands. Sollten Schuldnerstaaten aus dem Euro ausscheiden, könnte das für den deutschen Steuerzahlers noch sehr teuer werden.

Kommentare zu " Desmond Lachmann: Die tragische Heldin der Euro-Zone"

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  • Kommt der ESM nicht durch, ist das ebenfalls ihr Aus. Ich bin unentschlossen. Ich will kein ESM, er würde mich zur Niederlegung der Arbeit treiben, bis wieder ein demokratisches Niveau erreicht ist. Allerdings weiß ich, dass der "normale" Bürger bei der nächsten Wahl die SPD und ggf. Grüne belohnt. Das wäre noch viel fataler. Unwissenheit ist etwas schönes...

  • Die Alternative zwischen einer Versklavung Deutschlands durch Schuldenvergemeinschaftung und einem "Risiko, dass der Euro bald zusammenbricht" ist überhaupt nicht gegeben.

    Das einzige Szenarium, daß dem amerikanischen Wunschtraum von einem zusammenbrechenden Euro nahekommenen könnte wäre eine Verlassen der Eurozone seitens Griechenlands (praktisch sicher und wünschenswert) und möglicherweise eines oder mehrer anderer Wackelkandidaten.

    Die Tatsache daß Spanien und Italien jetzt Zinsen bezahlen müssen die ihrer unseriösen Haushaltspolitik angemessen sind ist auch keine Krise des Euro. Das mag Monti und Rajoy zwar nicht passen, sie haben sich die Lage aber selbst zuzuschreiben.

    Wie teuer das Ausscheiden von Schuldnerstaaten aus dem Euro surch Target2-bedingten Rekapitalisierungsbedarf der EZB sein könnte hängt davon ab, ob die ausscheidenden auch gleichzeitig eine Staatspleite hinlegen wollen.

    Die Kosten eines solchen Ereignisses werden aber sicher nicht geringer wenn man den mediteranen Kleptokraten zwischenzeitlich noch mehr Geld in den Rachen schiebt.

    Mit ESF, ESM und EZB ist Deutschland bereits jetzt etwa 1,2 Milliarden Euro im Risiko. Das darf nicht mehr werden, denn sonst ist die Kreditwürdigkeit Deutschlands auch verspielt.

    Weshalb die Schlußfolgerung des Herrn Lachman, daß "Merkel bei den Euro-Bonds und einer europaweiten Einlagensicherung nachgeben wird, um eine ausgewachsene Euro-Krise zu verhindern," verkehrt ist.

    Deutschland kann nicht mehr geben als es schon gegeben hat.

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    Mit pseudeowissenschaftlichen Analysen wie den obigen versuchen die Amerikaner natürlich die PIGS zu weiteren unverschämten Forderungen an Deutschland aufzustacheln, um so möglichst viel Zwietracht in Europa zu sähen um so den Euro als Alternative zum US-Dollar zu zerstören und gleichzeitig ihre asiatischen Gläubiger von einer Umschichtung ohrer Anlagen aus US-Tbonds abzuhalten.

  • Heldin? Wie blöd sind die Deutschen? Merkel wird morgen im BT
    die unendliche Geldschleuse ESM öffnen.
    Das sind über die Hintertür nichts anderes als Eurobonds,denn
    wenn ein Land nicht zahlungsfähig ist, so zahlen wir Zeche.
    Merkel lenkt nur die Bevölkerung ab, obwohl sie weiß,dass 95%
    in unserer Gesellschaft nicht durchblicken.Man sieht es daran,
    dass noch fleißig CDU und SPD gewählt wird. Den Deutschen
    kann man nicht helfen. Ein schönes Sprichwort besagt:"Man
    kann einem Menschen nichts lehren,man kann ihm nur helfen,es
    in sich selbst zu entdecken." Ich habe keine Hoffnung, dass die
    Deutschen dies kapieren.
    MfG
    Walter Schmid

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