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Essay: Das Finanzsystem braucht einen Neustart

Die Banken haben versagt. Sie sollten daher durch eine supranationale Plattform für Finanzdienstleistungen ersetzt werden. Sie würden durch den Einsatz von Informationstechnologie die Transparenz, den Wettbewerb und die Mobilität von Kapital erhöhen.

Dem amerikanischen Beispiel folgend, wird die Bundesregierung 200 Milliarden Euro an Bürgschaften für die bilanzielle Auslagerung derzeit wertloser Wertpapiere der Geschäftsbanken in "Bad Banks" bereitstellen. Die Strategie ist einfach: Man nehme die wertfreien Titel, tausche sie gegen werthaltige staatliche Anleihen, und schon werden aus roten schwarze Zahlen. Mit diesem Mechanismus erhalten die Banken ihre Handlungsfähigkeit zurück und können ungeachtet ihrer Verluste die bisherige Geschäftspraxis fortsetzen. Das genau ist das Ziel aller finanzpolitischen Maßnahmen weltweit: Revitalisierung und Erhalt des Bankensystems.

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Ad-hoc-Maßnahmen wie staatliche Eigenkapitalhilfen oder Ausfallbürgschaften und mittelfristige Maßnahmen wie Reformen der Bankenaufsicht, der Ratingagenturen oder der Bilanzierungsrichtlinien sind systemkonforme "Reparatur"-Maßnahmen. Ihnen gemein ist ein Denken im bestehenden Ordnungsrahmen.

Aber warum investieren die Industriestaaten Milliarden an Steuergeldern in die Restauration einer Institution "Geschäftsbank", die am Markt versagt hat? Wäre es nicht an der Zeit, das Banken- und Finanzsystem von Grund auf neu zu denken?

Den Weg dahin weisen uns die vom Nobelpreisträger Ronald Coase 1937 veröffentlichen Gedanken über die Natur des Unternehmens. Danach lässt sich jede Produktion statt innerhalb eines Unternehmens auch durch eine Vielzahl dezentraler Verträge zwischen Individuen am Markt organisieren. Während die dezentrale Produktion mit hohen Transaktionskosten verbunden ist, liegt der Vorteil einer zentral im Unternehmen organisierten Produktion in niedrigeren Managementkosten standardisierter Geschäftsprozesse. Geringere Informations- und Verhandlungskosten sowie niedrigere Kosten der Vertragsgestaltung und Vertragsdurchsetzung markieren die Überlegenheit der unternehmerischen Koordination gegenüber der dezentralen Marktorganisation.

Dieser Vorteil schwindet aber mit Anzahl und Heterogenität der zu organisierenden Geschäftsprozesse stetig und überschreitet mit steigender Komplexität der Prozessorganisation den Zenit, also jenen Punkt, an dem die dezentrale Marktlösung mit einer Vielzahl von Spezialisten wieder einen Effizienzvorteil hat.

Jener Zenit scheint - so zeigen die gegenwärtigen Milliardenverluste der Banken - längst überschritten. Mit der stetigen Liberalisierung der Finanzmärkte des letzten Jahrzehnts ging eine Fusionswelle im Bankensektor einher, die eine gestiegene Konzentration der Geschäftsvolumina auf die einzelne Bank nach sich zog. So überstieg die Summe der Aktiva führender Geschäftsbanken einzelner Staaten bereits deren gesamte jährliche Wirtschaftsleistung (BIP) um ein Vielfaches. Zusätzlich zeigt sich eine zunehmende Heterogenität in der Palette angebotener Finanzprodukte. Verwiesen sei hier beispielsweise auf die Entwicklungen im Bereich der Verbriefungsplattformen, der Kreditderivate oder der Finanzzertifikate. Die Expansion der Geschäftsvolumina und die Vielfältigkeit angebotener Produkte haben dazu geführt, dass die Komplexität der Gesamtbanksteuerung an einem Punkt angelangt ist, wo der Vorteil unternehmerischer Prozessgestaltung an seine Grenzen stößt.

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