Euro-Krise: Deutschland muss führen, aber mit Herz

Euro-Krise
Deutschland muss führen, aber mit Herz

Der Sicherheitsexperte und frühere Berater von Helmut Kohl verteidigt Deutschlands Politik der Stärke in der Euro-Krise. Sie könne aber nur zum Erfolg führen, wenn sich Deutschland mit den Schwächeren solidarisch zeigt.
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Werft die Griechen endlich aus der Euro-Zone, fordern Wirtschaftsexperten, Unternehmer und Politiker. Aus der gleichen Ecke kommt die Forderung, die Euro-Zone aufzuteilen: die starken und guten Mitglieder aus dem Norden in das eine Töpfchen, die schwachen und unfähigen aus dem Süden in das andere Töpfchen. Sollen Letztere doch sehen, wo sie bleiben. Schließlich haben sie maßlos gelebt, schlampig gewirtschaftet, in der Verwaltung versagt und politisch hochgestapelt. Und jetzt sollen wir tüchtigen, hart arbeitenden, disziplinierten Deutschen ihnen auch noch unser gutes Geld hinterherwerfen.

Wenn das alles nicht durchsetzbar ist, weil die Verträge es nicht zulassen, dann könnten doch wir Deutschen aus dem Euro aussteigen und zur guten alten und uns so teuren D-Mark zurückkehren. So lautet der jüngste Vorschlag. Ein solcher Schritt würde zwar erst einmal unsere Exporte verteuern und damit Arbeitsplätze kosten. Aber wenn wir dieses Tal der Tränen von etwa fünf Jahren durchschritten hätten, dann würde uns die Verheißung winken: Es ginge uns allen besser als heute.

Solidarität in und für Europa scheint zu einem Fremdwort geworden zu sein. Solidarität war aber von Anfang an innerhalb der Europäischen Gemeinschaft selbstverständlich. Sie war gewissermaßen das Bindemittel, das die Mitgliedstaaten zusammengefügt hat. Finanzielle Transfers innerhalb der Gemeinschaft waren und sind bis heute selbstverständlich. Davon hat auch Deutschland vor allem nach der Wiedervereinigung profitiert. Dass die wirtschaftlich starken Mitglieder mehr leisten müssen und die schwächeren mehr erhalten, ist am Ende selbst von Margaret Thatcher bei all ihrem britischen Eigensinn niemals grundsätzlich infrage gestellt worden. Heute gelten wir Deutsche als "Anführer der EU-Intoleranz", so der neue italienische Ministerpräsident Mario Monti.

Viele der Ratgeber aus Wissenschaft und Wirtschaft vergessen, dass es in der jetzigen Verschuldungskrise nicht ausschließlich um ökonomische Fragen geht. Die Integration Europas war von Anfang an zuallererst ein politisches Ziel und ist es bis heute. Seit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft waren die wirtschaftspolitischen Integrationsschritte nur das operative Instrument, die politische Einigung voranzubringen. Die Einführung des Euros als gemeinsamer Währung war für Bundeskanzler Helmut Kohl eine Frage von Krieg und Frieden. Er wollte mit diesem Schritt die europäische Integration "irreversibel" machen und damit den Frieden in Europa dauerhaft sichern. Das scheinen viele öffentlichen Ratgeber nicht wahrhaben zu wollen. Die Bundeskanzlerin Merkel hat deshalb recht, wenn sie immer wieder mit Nachdruck sagt: "Wenn der Euro scheitert, scheitert die Europäische Union."

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Kommentare zu " Euro-Krise: Deutschland muss führen, aber mit Herz"

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  • Unerhört, daß sie schon wieder einem Angehörigen von Warburgs Atlantik-Brücke ihr Blatt öffnen!

    Wenn Teltschik schreibt, Deutschland müsse führen, aber mit Herz, meint er nichts anderes, als "Deutschland muß zahlen und die Fresse halten".

    Indem er erwähnt, der Euro sei eine Frage von Krieg und Frieden, bestätigt er indirekt, daß sowohl der Euro als seine Beibehaltung (Bailout) durch alliierte Kriegsdrohungen durchgesetzt wurden (David Marsh, F. Asselineau).

  • Teltschick verwechselt Solidarität mit Dummheit, das ist das Problem. Das Problem mit dem Euro und der EU ist, dass das Geld nicht bei den Menschen ankommt, sondern nur bei Bankern und Bürokraten wie Teltschick selbst. Es wird in Deutschland jederzeit eine Mehrheit dafür geben, dass in Griechenland und anderswo direkte Hilfe für Bedürftige geleistet wird. Diese Solidarität gibt es jederzeit in Deutschland. Nur die Solidarität mit denen, die wie Teltschik die Menschen für dumm verkaufen wollen, um selber weiter den Rahm abschöpfen zu können, die gibt es nicht.

  • @ Dr.NorbertLeineweber,
    unter Terror verstehe ich z.B., dass Pflichtversicherte zur Kasse gebeten werden, damit die Versorgung von Familienmitgliedern der in Deutschland lebenden Ausländer in deren Heimatland, so sie eine Nachzugberechtigung besitzen, dort eine medizinische Versorgung bezahlt bekommen. Der dortige Staat bestimmt wer "Familienmitglied" ist.
    Beründung des BMG "damit würden Wohnungskosten usw entfallen, für die sonst in Deutschland durch den taat gesorgt werden müsse.
    Resümè;nur der Pflichtversicherte bezahlt Kosten die der Steuerzahler dadurch einsparten kann.
    Bösartig formuliert; der Normalbürger ist Auskänderfreundlich, der privat Versicherte hasst Ausländer. Letzteres ist durchaus in dieser allgemeinen Form eine schwachsinnige Unterstellung, obwohl die Schlussfolgerung stimmt.

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