Euro-Krise
Die Ursachen bekämpfen

Es genügt nicht, bloß das System des Zahlungsverkehrs zu verändern - damit behandelt man nur die Symptome der Krise. Das kann nicht im deutschen Interesse sein.
  • 6

Seit einigen Monaten sprechen wir über ein neues Phänomen im internationalen Zahlungsverkehr, das einigen Stimmen in der Politik und in den Institutionen als Anlass zur Sorge gilt: Über das Zahlungssystem „Target 2“ hat die Deutsche Bundesbank Forderungen von mehr als 500 Milliarden Euro gegenüber der Europäischen Zentralbank aufgebaut. Die EZB wiederum hat entsprechende Forderungen insbesondere gegenüber südeuropäischen Zentralbanken in den Büchern.

Es wäre grundlegend falsch, die Target-Salden einfach mit den Garantien zu vermengen, die Deutschland im Rahmen des temporären „Rettungsschirms“ EFSF übernommen hat. Gemeinsam ist beiden Komplexen jedoch, dass es sich dabei um Symptome einer Krise handelt, an deren Bewältigung die Regierungen der Euro-Staaten mit Nachdruck arbeiten.

Deutschland engagiert sich für den Erfolg der Euro-Zone mit allen bisherigen Mitgliedstaaten. Dabei geht es um weit mehr als das Nichteintreten fiskalischer Risiken. Es geht um unser Interesse an einer florierenden Wirtschaft im Euro-Raum, weil sich die europäische Integration als Glücksfall für Deutschland herausgestellt hat. Die starke außenwirtschaftliche Verflechtung Deutschlands sorgt für Wohlstand und sicherere Arbeitsplätze. Dass damit auch Risiken verbunden sind, ist weder ganz vermeidbar noch neu. Aber sie sind hinnehmbar, weil die Vorteile eines offenen Euro-Raums für uns klar überwiegen.

Kommentare zu " Euro-Krise: Die Ursachen bekämpfen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Den Euro in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf"

    Dieser Artikel zeigt in erschreckender Weise, wie die politische Klasse in Deutschland (und Europa) sich selbst und das Volk belügt und die Augen vor der Realität völlig verschließt.

    Infiziert von einer Euro-Ideologie glaubt die politische Elite- wider aller deutlich sichtbaren Anzeichen- an die Segnungen des Euro und der europäischen Zwangsvereinheitlichung.

    Überschuldete Staaten, ausufernde Haushalts- und Handelsbilanzdefizite, aussichtslose Wettbewerbsposition der Südländer, fehlende Kreditwürdigkeit der PIIGS am Kapitalmarkt, riesige Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit, Volksaufstände in Griechenland, zunehmende Feindschaften in der EU, Bruch der europäischen Verträge, Abschaffung der Maastricht Kriterien, stattdessen windelweiche Zusagen der Pleitekandidaten zur Haushaltsverbesserung, Staatsfianzierung durch die EZB, dilletantische Bankenrettung, Transferunion, gigantische Rettungsschirme, Eurobonds, Ausplünderung der Deutschen Bundesbank über das Target2-System...

    ...aber alles in Butter! Der Euro-Sozialismus wird siegen - zumindest in den feuchten Träumen unserer Politiker.

  • Die jetzige Situation kann man weder als Glücksfall für Deutschland noch als hinnehmbar darstellen. Das Target - System einfach so weiterlaufen zu lassen ist unverantwortlich, denn es werden der Bundesbank und damit dem deutschen Steuerzahler Risiken aufgeladen, die jenseits alles vorstellbaren Liegen. Die Politik ist gefordert, hier dafür zu sorgen, daß im Austausch gegen die Target - Forderungen wenigstens ausreichende Sicherheiten gestellt werden und in regelmäßigen Abständen ein Ausgleich stattfinden muß. Es kann doch nicht sein, daß mit unserem Geld maroden Banken in den Südstaaten das Überleben gesichert wird.

  • Schön gedacht. Nur wer kauft dann noch europäische Staatsanleihen? Ich jedenfalls nicht und alle anderen, die noch einigermaßen Verstand unter der Schädeldecke beherbergen auch nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%