Frauen und Berufsleben
In Frankreich ist die Glucke die Rabenmutter

Karriere-Beraterin Andrea Gutmann hat mit einer Kollegin erforscht, warum Teilzeitfrauen eher in der Sackgasse landen und die Emanzipation der Frau oft leider dann endet, wenn sie Mutter wird. Ein Gastbeitrag.
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MünchenDer Gesetzesentwurf zur Frauenquote als Ergebnis des Koalitionsvertrages liegt vor. Die Debatte um die Quote gibt es allerdings schon sehr viel länger und kaum ein Thema wurde in den vergangenen Jahren so kontrovers diskutiert. Es wurden zig Artikel darüber publiziert, noch mehr Reden gehalten und noch viel mehr Pro- und Contra-Listen erstellt. Die Diskussionen sind oft sehr einseitig, beschränken sich nur auf Top-Positionen und sind dem Thema nicht immer dienlich.

Viele Unternehmen haben sich in den letzten Jahren das Thema Förderung von Frauen an ihre Fahnen geheftet, eigene Diversity-Abteilungen oder Genderbeauftragte wurden installiert und eine Vielzahl an Maßnahmen entwickelt und implementiert. Der Erfolg blieb trotzdem oft aus. Aktuelle Zahlen zeigen sogar, dass der Frauenanteil in Führungspositionen teilweise rückläufig ist.

Unter dem Namen ‚womenizing’, der mit einem Augenzwinkern zu sehen ist, starteten wir (Petra Seisl und Andrea Gutmann) eine selbstfinanzierte und somit neutrale Forschungsinitiative, um genau diesem Phänomen auf den Grund zu gehen: Warum gibt es hierzulande so wenige Frauen im Management?

Innerhalb eines Jahres führten wir rund 60 Experteninterviews mit Personalvorständen, Personalleitern, Gender- und Diversitybeauftragten und Führungskräften aus Unternehmen unterschiedlicher Größe und unterschiedlicher Branchen durch. Das Ergebnis sind 16 Thesen, sprich Antworten auf unsere Ausgangsfrage, und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen für Unternehmen und für Frauen.

Vermeintlich frauenfreundliche Maßnahmen wie zum Beispiel Teilzeit für Mütter haben wir unter die Lupe genommen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass diese häufig kontraproduktiv sind und sich allzu oft als Karrierekiller erweisen. Denn Angebot schafft Nachfrage. Trotzdem gilt Teilzeit hierzulande immer noch als der Königsweg für den Wiedereinstieg von Müttern.

Teilzeitfrauen in Deutschland bilden mit einer Arbeitszeit von durchschnittlich 18,5 Stunden das Schlusslicht in Europa. Mangelnde Sichtbarkeit und nicht zu erfüllende Anforderungen an Managementpositionen führen dazu, dass Teilzeitfrauen in einer Sackgasse landen. Laut unseren Studienteilnehmern ist Teilzeit neben fehlendem Nachwuchs das Haupthemmnis bei der Förderung und Frauen.

Unterstützt wird dies auch durch ein antiquiertes Verständnis der Rolle der Frau und Mutter. Die Rolle der Frau ist in unserer Gesellschaft stärker an der Mutterschaft ausgerichtet als anderswo. Diese Mutterschaft wiederum unterliegt höheren Anforderungen als anderswo.

Die Emanzipation der Frau findet oft ihre Grenzen sobald sie Mutter wird. Auch der Druck vom Umfeld ist enorm. Arbeitende Frauen werden hierzulande oft als Rabenmütter abgestempelt. Hier kann ein interessanter Vergleich mit Frankreich gezogen werden. Die ‚mère poule’, gleichzusetzen mit der ‚Glucke’, ist dort ähnlich negativ behaftet wie bei uns die Rabenmutter.

Ein Umdenken ist also notwendig. Vielleicht ist es sinnvoller, einen Gedanken mehr an die Flexibilisierung der Anforderungen an Managementpositionen zu verschwenden, jenseits eines ’anytime-anywhere-Performance Modells’ als an eine weitere Flexibilisierung der Teilzeitangebote. Es sollten Arbeitsmodelle zusammen mit den Mitarbeiterinnen entwickelt werden, die es ermöglichen, auch mit Familien quasi-Vollzeit zu arbeiten.

Und Unternehmen müssen verstehen lernen, was Frauen brauchen und vor allem müssen sie lernen, mit ihnen in einen Dialog zu treten. Frauen müssen lernen, Ihre Bedürfnisse klar zu artikulieren. Jetzt ist die Zeit dafür! Und Frauen – unterschiedlichsten Alters und in unterschiedlichen Lebensphasen – könnten viel stärker gegenseitig und voneinander profitieren, wenn Raum für einen Diskurs geschaffen wird beispielsweise zwischen älteren Frauen, die bereits Kinder haben und jenen, die in den Nachwuchsprogrammen sind und sich noch Gedanken über ihre eigene Zukunft machen.

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  • Jede Frau, die sich das neue Scheidungsrecht angeschaut hat, wird nach Möglichkeit schnell wieder arbeiten. Denn beim Scheitern der Ehe steht die Frau dumm da, wenn sie sich 10 -20 Jahre um die Kinder und den Haushalt kümmerte. Arbeit findet sie keine mehr, aber dieses moderne Scheidungsrecht schreibt ihr vor, daß sie sich selbst um ihren Unterhalt zu kümmern habe. Das Risiko auf Hartz IV zu landen ist sehr hoch für Frauen. Meine Ehe scheiterte nach 31 Jahren, Glück für mich, daß ich das Risiko nie einging und immer arbeitete, erst Teil- dann Vollzeit.

  • Ingenieuren, Physikern und Informatikern sah es so schlimm aus, dass die weibliche Form dieser Begriffe eigentlich schon unangebracht ist.

    Weil genau in diesen Berufen Kind & Karriere nicht veeinbar ist. Hier werden Überstunden gefordert und die KiTa schließt um 16:00 Uhr. Das Problem liegt auch darin, daß die Betreuung & Versorgung der Kinder immer noch eálleine bei den Frauen liegt. Nur ganz wenige Kollegen von mir trauen sich pünktlich Feierabend zu machen, weil die Kinder abgeholt werden müssen.

  • Absolute Zustimmung meinerseits.
    Die Argumentation "pro Karriere" bzw. pro Kinderkrippe wird ausschließlich über Karriere und monetäre Interessen geführt, andere Aspekte werden hier nicht gewertet. Letzten Endes handelt es sich hier um nichts anderes als Wirtschaftspolitik. Leider kennt unsere Gesellschaft aber anscheinende keine anderen "Werte" bzw. Politikfelder mehr; klassische Familie, Kultur, Ideale und moralische Werte werden ohne kritisch zu hinterfragen fallen gelassen - und das obwohl unser GG zu recht im wesentlichen auf diesen basiert.
    Ich denke: Wenn Frau arbeiten gehen möchte - egal ob vollzeit oder teilzeit - dann sollte sie das tun können. Wenn Sie es aber nicht tun möchte und diese Zeit sinnvoll (und dies ist es meines Erachtens in der tat) der Familie und Kindern widmen möchte, dann hat sie ebenso das Recht dazu und sollte nicht durch unsere unsägliche von rot-grünen Emanzen gezeichnete Politik/Gesellschaft mit verächtlich und diskriminierend benutzten Begriffen wie "Hausfrau", "Herdprämie" etc. diskriminiert werden. Toleranz ist eben keine Einbahnstraße. Unsere Gesellschaft sollte sich auch nicht nur über materielle Werte darstellen, sondern auch über moralische und kulturelle. Der Familie Zeit zu widmen verdient m.E. Respekt und Anerkennung - und zwar in gleicher Form und Höhe wie dies von den sogenannten "Karrierefrauen" eingefordert wird. Und was ist denn bitteschön Karriere? Verkäuferin bei Aldi oder im Klamottenladen? Bürokauffrau? Die Masse der Beschäftigten, also auch der Männer, sitzt nicht im Vorstand von BMW oder der Allianz sondern geht einer normalen Werktätigkeit nach. Inwiefern es gerechtfertigt ist hier stets den Begriff "Karriere" so hoch zu hängen darf man sich getrost fragen. Letzten Endes handelt es sich doch in den meisten Fällen - unabhängig vom Geschlecht - schlichtweg nicht um "Lebenserfüllung" sondern nur um eines: Erwirtschaftung von Einkommen um vernünftig Leben zu können (und dazu gehört eben auch Familie).

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