Gastbeitrag
Amerika muss seine Interessen wahren

Nach dem „arabischen Frühling“ muss die USA ihre Rolle in der Welt neu definieren. Dafür muss die Regierung einen Mittelweg zwischen ihren strategischen Interessen und ihren moralischen Zielen finden.
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Der Arabische Frühling wird oft dafür gefeiert, dass er Autokraten aus dem Amt gejagt hat. Aber Revolutionen werden daran gemessen, was sie errichten, nicht daran, was sie niederreißen. In dieser Hinsicht ist das anfängliche Hochgefühl nach einem Jahr Revolution in sein Gegenteil gekippt.

Amerika hatte den Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo Beifall gespendet. Es hatte eingesehen, dass es einen undemokratischen Führer allzu lang unterstützt hatte, und folgerichtig Hosni Mubarak zum Amtsverzicht aufgefordert. Aber die frohlockenden Demonstranten von damals haben sich nicht als die Erben Mubaraks erwiesen.

Stattdessen wurden Islamisten in das Präsidentenamt gewählt, die keine demokratische Bilanz vorweisen können und dem Westen eher feindlich gesinnt sind. Das Militär, das das frühere Regime gestützt hatte, steht ihnen feindlich gegenüber. Ägyptens säkulare Ordnung ist marginalisiert worden. Was folgt daraus?

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung war es nie in Amerikas Interesse, über die internen Strukturen Ägyptens zu entscheiden. Seit Jahrtausenden haben sich Monarchen und Militärautokraten dort abgewechselt. 1970 beendete Anwar el Sadat die Allianz mit der Sowjetunion, die 20 Jahre zuvor vom Militärregime Abdel Gamal Nassers geschmiedet worden war. Sadat schloss Frieden mit Israel, Amerika wirkte als Mediator. Diese Ereignisse trugen dazu bei, den Kalten Krieg zu beenden. Sie spiegelten eine nüchterne Analyse der Machtverhältnisse nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1973 wider. Sadat wurde 1981 von islamischen Extremisten ermordet. Ihren fortgesetzten Terrorismus nutzte sein Nachfolger, Hosni Mubarak, als Rechtfertigung für Machtbefugnisse im Ausnahmezustand.

Ägypten war ein Faktum der internationalen Politik. US-Regierungen, die sich mit drohenden Konflikten in der Region konfrontiert sahen, erachteten es als entscheidend, mit einem großen arabischen Staat zu kooperieren, der bereit war, Risiken für den regionalen Frieden auf sich zu nehmen. Wie US-Außenministerin Hillary Clinton unlängst in Kairo sagte: „Wir arbeiten mit den Regierungen zusammen, die an der Macht sind.“

Zu welchem Zeitpunkt hatte Amerika, das sich zunächst mit der sowjetischen Abenteuerlust und dann mit dem Zerfall der Sowjetunion beschäftigen musste, tatsächlich eine Chance, in die Innenpolitik der Region einzugreifen? Von Nixon bis Clinton betrachteten die amerikanischen Präsidenten damit einhergehende Risiken als schwerwiegender als die Vorteile. Die Regierung von George W. Bush drängte Mubarak zu Wahlen und kritisierte Mubaraks Unterdrückung Andersdenkender. Präsident Clinton schlug einen ähnlichen Kurs ein. Die US-Außenpolitik ist weder die Ursache, noch bietet sie eine Lösung für die Unzulänglichkeiten in der Regierungsführung anderer Staaten, vor allem im Mittleren Osten.

In Ägypten ist die Revolution längst nicht zu Ende. Eine Verfassung muss noch geschrieben werden, die Moslembrüder und das Militär streiten sich um die Schlüsselämter. Die Wähler sind tief gespalten. Die US-Politik ist zwischen widerstreitenden Normen hin- und hergerissen.

Die Moslembrüder sind aus einem Wahlprozess siegreich hervorgegangen, den Demokraten gefordert hatten, das Militär stimmte indes eher mit Amerikas Vorstellungen von internationaler Sicherheit überein. Wenn Amerika im kalten Krieg falsch gelegen hat, weil es die Sicherheit zu stark betonte, so läuft es nun Gefahr, konfessionellen Populismus mit Demokratie zu verwechseln.

Inmitten dieser Erschütterungen entzündet sich eine Debatte über die Eckpfeiler der US-Außenpolitik. Realisten beurteilen die Ereignisse aus dem Blickwinkel der Sicherheitsstrategie; Idealisten betrachten sie als Gelegenheit für mehr Demokratie.

Kommentare zu " Gastbeitrag: Amerika muss seine Interessen wahren"

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  • eingentlich ein guter artikel, weil er jenseits der pauschalen vorwürfe gegen Amerika die Fiktion aufzeigt, der diese Vorwürfe unterliegen.
    Denn keine der Parteien im Nahen Osten, weder national, noch international erfüllt humanitäre oder demokratische Ziele. Zwar werden jeweils die Defizite der amtierednen Regime zu Recht aufgezeigt, die Absicht der Ankläger jedoch dies lediglich als Waffe zu nutzen ohne das geringste Interresse eben diese Prinzipien später einzuhalten, zeigt deutlic hdas Dilemma auf.
    Deshalb sind Vorwürfe billig, Parteinahme für die Opfer kann deshalb aber durchaus geeignet sein, die Verhältnisse noch zu verschlimmern.
    wir müssen im Westen wieder lernen, solche Konflikte nicht nach unseren Massstäben zu beurteien, sondern nach denen vor Ort.
    Mord und Totschlag ist eben nicht über all gleich zu bewerten, das hängt eben von den realistischen Alternativen ab.
    Die Ignoranz gegenüber dem Fehlen des Anstrebens von Freiheit, Demokratie und Menschenrechte in betroffenen Ländern könnte sich noch als ausgesprochen dumm erweisen.

    Wenn es um Macht geht ist die Welt schmutzig, es ist fahrlässig das zu ignorieren. Die Euro Krise beweist dabei, das dies auch mitten unter uns Gültigkeit besitzt.

    H.

  • Ich habe ja schon eine Menge über die USA gelesen,aber was da auf der Plattform vom HB geschrieben wird geht auf keine Kuhhaut.
    Die rechte Szene und die Antisemiten spuken Gift und Galle.
    Diese Leute sind also nicht ausgestorben,schade nur ,daß sie so massiert im Handelsblatt auftreten.

  • Danke für den interessanten Beitrag.

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