Gastbeitrag
Der Fluch der Kavaliersdelikte

Wenn Alice Schwarzer oder Uli Hoeneß durch Sünden ihrer Vergangenheit eingeholt werden, ist die Empörung groß. Hilfreich wäre nach der Hysterie mehr Demut der Täter und eine Abwicklung der Fälle mit Augenmaß.
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„Wir sind alle kleine Sünderlein, der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih‘n“. So sang einst der Kölner Volksschauspieler Willy Millowitsch in rheinisch-katholischer Zuversicht. Kleine Sünden bestraft der Liebe Gott bekanntlich sofort, mit kleinen Strafen. Aber wie ist es bei den größeren Sünden? Die man vor längerer Zeit begangen und längst verdrängt hatte, die plötzlich ruchbar werden? Den „Leichen im Keller“?

Deutschlands Eliten sind nervös. Seit die Steueroasen in der Nachbarschaft trocken gelegt werden und der Fiskus sich nicht zu fein ist, in Kopfgeldjägermanier Konteninformationen anzukaufen, müssen Zehntausende um ihre Entdeckung fürchten. Die Selbstanzeige vermeidet zwar die Bestrafung. Dafür zerstört die moralische Entrüstung Karrieren, bürgerliche Existenzen und öffentliches Ansehen. Prominente werden in den Medien an den Pranger gestellt. Dazu werden Informationen durchgestochen, spektakuläre Hausdurchsuchungen und Verhaftungen liefen die Bilder dazu.

Steuergestaltung und -hinterziehung war jahrzehntelang ein Breitensport der besseren Stände in Deutschland. Bei hohen Grenzsteuersätzen war die Versuchung für viele unwiderstehlich, ihr Geld vor dem Fiskus zu verbergen. Das Risiko war gering, denn der Fiskus schaute nicht so genau hin und die Steueroasen hielten dicht. Und wenn mal ein Fall notorisch wurde, häufig durch Indiskretionen gehörnter Ehefrauen, verstoßener Geliebter oder übelwollender Geschäftspartner, wurden die Fälle geräuschlos abgearbeitet, mitunter sogar großbürgerlich erledigt.

Nicht nur bei der Steuerhinterziehung haben sich die moralischen Standards verschärft.  Auch in anderen Bereichen schaut man heute genauer hin. Die deutsche Titelhuberei hat zu vielen Schmalspur-Dissertationen geführt, bei denen es nicht immer mit rechten Dingen zuging. Allzu unverhohlene Annäherungsversuche werden heute öffentlich gemacht, während früher jüngere Frauen Freiwild waren.

Kommentare zu " Gastbeitrag: Der Fluch der Kavaliersdelikte"

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  • der autor lebt hauptsächlich von stattsknete als unidozent und DIW angestellter

    wie peinlich

  • das übliche gewäsch

    ein verhinderter schlaumeier ,der nach dem elitenstatus giert und sich urteile anmaßt und um anerkennung bettelt

  • Zitat: "Daher soll man die puritanische Correctness-Prüderie nicht übertreiben."

    Frau Schwarzer hat es aber ganz gewaltig übertrieben, ja sie hat mit ihrem "Lebenswerk" erst jenes Klima moralischer Verdächtigungen und Denunziation des (politischen) Gegners geschaffen, indem sie nun gerade "umkommt".

    Wer mit dem Finger auf andere zeigt, sollte sich selbst zunächst prüfen, ob er frei von aller Schuld ist.

    Und ich glaube, die moralischen Anmaßungen von Schwarzer Sommer und Co. in den Medien sind moderne "Herrschaftstechnik" mit der man das Volk zu Disziplin, Ruhe, Gürtelengerschnallen und fleißiger Arbeit anhält und sich selbst eine Art postfeudale moralische Führungslizenz ausstellt. Das einstige Gottesgnadentum ist insofern also modernisiert worden.

    Wer mit dem Finger auf andere zeigt, will in unserer Mediengesellschaft seinen überlegenen moralischen Standpunkt demonstrieren, sich also selbst als "Elite" ausrufen. Insofern ist es gar nicht so schlecht, dass gerade in den Medien die Entthronung und Demaskierung unserer mit Moralkeulen sich selbst ermächtigen Eliten statt findet.

    Für Normalbürger und solche, die sich nicht als öffentliche Moralprediger gerieren, sollte allerdings weiterhin das Steuergeheimnis gelten. Sie sind in diesem medialen Moralkrieg weiterhin die Zivilisten.

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