Gastbeitrag
„Der IWF muss Teil der Troika bleiben“

Überlegungen, den IWF aus der Euro-Rettungstroika zu entlassen, sind abwegig, sagt der CDU-Haushaltsexperte. Ansonsten könne man gleich das Puppentheater beenden und den Pleitestaaten ihre Budgetdefizite überweisen.
  • 14

Viviane Reding hat jüngst die Auflösung der Troika bestehend aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) gefordert. Europa müsse seine Schuldenproblematik alleine, also ohne den IWF lösen. Hier stellt sich nur die Frage, was Frau Reding am IWF stört. Dass sich der IWF mit Knowhow und Finanzmitteln in die „Rettung“ der europäischen Schuldenstaaten einbringt, müsste doch eigentlich Gefallen finden. Schließlich ist der IWF als Organisation der Völkergemeinschaft zur Hilfe für Staaten in Zahlungsbilanzschwierigkeiten eigens ins Leben gerufen worden und hat unstreitig die umfangreichste Expertise bei der Sanierung überschuldeter Staaten und der Abwicklung von Staatsbankrotten. Leider ist der IWF aber ohnehin schon längst auf dem Rückzug.

Am Griechenland-I-Paket war der IWF noch mit etwa einem Drittel beteiligt. Von da ab wurde es kontinuierlich weniger. Zur „Rettung“ Zyperns steuerte der IWF nur noch eine Milliarde Euro (10 Prozent des Pakets) bei. Der IWF hat gerade bzgl. Griechenlands mehrmals mit dem Zaunpfahl gewunken, dass es seine Statuten nicht zulassen, sich weiter am griechischen Fass ohne Boden zu beteiligen. Nun ist bereits eine weitere Finanzlücke von zehn Milliarden Euro an die Öffentlichkeit gekommen.

Wenn der IWF seine Zahlungen einstellen würde, ja sogar müsste, wäre das das offensichtliche Zeichen für das Scheitern der Rettungsaktion. Die letzten Feigenblätter würden fallen. Bevor der IWF geht, versucht man den Mahner rauszuschmeißen. Um nichts anderes geht es. Der desaströse IWF-Bericht, der mehr einem Schuldeingeständnis glich, hat wohl dem letzten Rettungsfanatiker klargemacht, dass der IWF trotz seiner Direktorin Christine Lagarde als noch leidlich unabhängige Institution innerhalb der Troika die Idylle stört.

Das Argument, ärmere Staaten wie Brasilien oder Indien dürften nicht für die Finanzprobleme des verhältnismäßig reichen Griechenland herangezogen werden, zieht nicht. Denn gleiches gilt für Staaten wie die Slowakei oder die Balten, die in ihrer jüngeren Geschichte ganz andere Anstrengungen auf sich nehmen mussten und heute zusätzlich für die erheblich vermögenderen Griechen bürgen, haften und schließlich zahlen müssen.

Seite 1:

„Der IWF muss Teil der Troika bleiben“

Seite 2:

„Euro-Rettung driftet in eine Schuldenvergemeinschaftung“

Kommentare zu " Gastbeitrag: „Der IWF muss Teil der Troika bleiben“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der breiten Öffentlichkeit ist im Zweifel unklar,welche Vor-und Nachteile ein weiteres Engagement des IWF bei den sog. Eurorettungsaktionen hat. Insofern ist der Beitrag eine begrüssenswerte Initiative , dieses Thema zu verdeutlichen.
    Die Beteiligung des IWF hat sicher vor allem am Beginn der Rettungspolitik Sinn gemacht, da den europäischen Institutionen die notwendigen personellen Ressourcen,Erfahrung und Kompetenz im Krisenmanagement fehlten. Dieser Aspekt dürfte mittlerweile an Bedeutung verloren haben.Dafür gewinnen andere Elemente wie die Frage der richtigen wirtschaftspolitischen Anpassungsstrategie und der Zuständigkeiten an Gewicht.
    Unabhängig von der Frage, in welchem Masse der IWF künftig an den Rettungsprogrammen beteiligt wird, ist eine echte Lösung der Krisenursachen bislang nicht erkennbar. Ausser Zeitgewinn und eine relative Beruhigung der Finanzmärkte sind dauerhafte, belastbare Anpassungsfortschritte in den meisten Krisenländern kaum feststellbar. Dagegen wird der enorme Schaden am ökonomischen, sozialen und politischen Fundament in den Ländern immer deutlicher. Das Scheitern der Rettungsstrategie wird früher oder später unvermeidbar sein, nur bis dahin sind die Rettungskosten-und Haftungsrisiken kaum noch überschaubar.

  • "Die Bundesregierung stellt sich dem zwar entgegen, wird aber von den Weichwährungsländern in der Euro-Zone und leider auch von der Opposition im eigenen Land ständig weiter in Richtung Schuldenunion getrieben."

    Also das ist so nicht ganz richtig. Auch die Bundesregierung bewegt sich in Siebenmeilen SChritten Richtung europäischen Finanzausgleich. Es ist nicht richtig das sie dazu getrieben wird, sondern sie tut das freiwillig. Niemand würde sie an einem Austritt hindern aber sie tut es nicht. Höchstwahrscheinlich aus den selben Gründen wie die damalige Einführung. Man sollte sich genau anschauen wem der Euro genutzt hat und wem nicht . Dann weiß man warum er eingeführt wurde.

  • Bin mal gespannt,wie die Merkel den Haircut 2.0 diesmal begründen will.Bin wirklich gespannt....
    Ob sie ihre Ausrede schon irgendwo aufgeschrieben hat...?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%