Gastbeitrag

Der Marathon-Mann

Von allen Bundeskanzlern konnte sich Helmut Kohl am längsten im Amt halten. Vor 30 Jahren wurde er an die Macht gewählt, gewürdigt vor allem für seine außenpolitischen Erfolge. Ein Karriererückblick.
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Das Dritte Reich erlebte Helmut Kohl als Kind und Jugendlicher. Quelle: dapd

Das Dritte Reich erlebte Helmut Kohl als Kind und Jugendlicher.

(Foto: dapd)

Unter den deutschen Nachkriegskanzlern hat sich Helmut Kohl am längsten im Amt halten können. Anfang Oktober 1982 wurde er gewählt, das jährt sich jetzt zum 30. Mal. Und er blieb bis 1998 an der Macht. Alle Kanzler zwischen Adenauer und Schröder -Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl - haben gemeinsam, dass sie, wenn auch in unterschiedlicher, ja gegensätzlicher Weise, vom Dritten Reich geprägt worden sind. Am wenigsten gilt das für Helmut Kohl.

Da er 1930 geboren wurde, konnte er als Jugendlicher natürlich weder in der Partei noch im Militär, auch nicht im Widerstand sein. Im Spätherbst 1944 nach Oberbayern verfrachtet, hat er dort das Kriegsende unbeschadet erlebt. Er gehört im Grunde zur Nachkriegsgeneration. Als Adenauer Kanzler wurde, war er 73 Jahre alt, hatte also nach menschlichem Ermessen sein Leben hinter sich. Die Zeiten, die ihn geprägt hatten, lagen lange zurück.

Er war 1876 geboren, also fünf Jahre nach der Gründung des kleindeutschen Kaiserreichs. Er hatte, woran er sich noch im Alter empört erinnerte, in seiner Jugend den Kulturkampf Bismarcks gegen die Katholiken erlebt. Als Erwachsener färbte der Stolz auf die erstaunlichen Leistungen der neuen industriellen Großmacht in der Mitte Europas auf ihn ab. Zeitlebens verkörperte er die Würde, das selbstbewusste Lebensgefühl des wilhelminischen Deutschland.

Ganz anders wirkte Hitlers Herrschaft auf die Gruppe unserer Kanzler zwischen Adenauer und Schröder. Erhard, 1933 sechsunddreißig Jahre alt, wissenschaftlicher Assistent und später Leiter eines Industrieforschungsinstituts, konnte jene zwölf Jahre im Grunde als graue Maus am Rande des Geschehens unbehelligt überleben. In aller Stille bereitete er nebenbei die Nachkriegszeit vor, arbeitete insgeheim an Denkschriften, in denen er skizzierte, was nach dem Zusammenbruch zu tun sei, um das Land wieder auf die Beine zu bringen.

Bundeskanzler Willy Brandt kniet am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal im einstigen jüdischen Ghetto in Warschau. Von seinen politischen Gegnern wurde Brandt Landesverrat vorgeworfen. Quelle: dpa

Bundeskanzler Willy Brandt kniet am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal im einstigen jüdischen Ghetto in Warschau. Von seinen politischen Gegnern wurde Brandt Landesverrat vorgeworfen.

(Foto: dpa)

Kiesinger war bei der Machtergreifung 29 Jahre alt. Wie konnte, wie sollte man sich mit den neuen politischen Verhältnissen arrangieren? Seine zeitgemäße Antwort war zweideutig. Einerseits schloss er sich sofort der Partei an, trat ihr im Februar 1933 bei. Auf der anderen Seite verzichtete er darauf, eine Stelle im Staatsdienst anzustreben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er eine Weile inhaftiert, aber dann, bei der Entnazifizierung, als Mitläufer eingestuft, also entlastet. Das hinderte politische Gegner nicht, ihm während seiner Kanzlerschaft in der Großen Koalition Ende der sechziger Jahre seine NSDAP-Mitgliedschaft bisweilen lautstark zum Vorwurf zu machen.

Die historische Bedeutung deutscher Kanzler
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  • ich habe die Sendung auch gesehen.
    Die war an Ekelhaftigkeit nicht zu überbeiten.
    Es war eine reine Manipulationssendung. Die Jugne Generation sollte auf Linie gebracht werden

  • Wenn sie jetzt schon im ZDF bei Illner, wie gestern Abend geschehen, einen vergreisten Ex-Bundeskanzler Schmidt und einen Ex-DDR-Pastor und Moralapostel, heutiger Bundeswinkaugust Gauck vor die Fernsehkameras schleifen, um den den Deutschen einzutrichtern, warum wir zukünftig massive Wohlstands- Demokratie- und Freiheitsverluste hinnehmen haben, kann einem nur noch schlecht werden.
    Diejenigen, die dem Tode schon sehr nahe stehen, haben leicht zu schwadronieren. Sie hinterlassen durch ihre Politik den nachfolgenden Generationen unlösbare und verheerende Zustände. Kohl, Schmidt und Gauck ist die Vergangenheit und niemals die Zukunft. Ich muss sagen, diese Sendung getsern Abend hat mir das nochmals nachhaltig bestätigt, was ich schon lange über die „Führungseliten“ denke! Gerade Gauck hat sich für mich disqualifiziert und bei Schmidt halte ich ihm für manche Aussage sein hohes Alter zugute. Schon erschreckend wenn man hört, wie dieser jetzige Bundespräsident übers deutsche Volk, dessen politische Beteilung und Entscheidung in existenziellen Fragen unserer Gesellschaft, unseres Volkes und unserer Zukunft denkt, kann einem nur Angst und Bange werden. Da wird von Verfassungsänderungen gesprochen, von der gewußten und willentlichen Verhinderung von Volksabstimmungen (weil angeblich dem mündigen Bürger eine Entscheidungsfindung in wichtigen politischen Fragen nicht zugetraut werden kann!) und vielem mehr. Gauck will damiit zum Ausdruck bringen, das die „Eliten“ dann ihren eingeschlagenen Weg, plötzlich dem Souverän unterwerfen müssten, was ja garnicht geht, wo kämen wir denn da hin, wenn das plötzlich so wäre? Erschreckend dieser gestrige TV-Auftritt von Gauck und Schmidt! Der Euro ist am Ende, genauso wie die deutsche Medienlandschaft, das politische Personal und damit einhergehend die Demokratie!!! Aber Hauptsache der DAX steigt weiter > sollen alle untergehen.

  • Jetzt kommen sie wieder alle aus der Deckung. Merkel hat zur PR Veranstaltung gerufen, Kohl der nuetzliche Idiot der Merkel erlaubt sich als Staatsfrau und grosse Europaeerin zu praesentieren. Und alle aus der Deckung stimmen in den Jubelchor ein. Zu schoen, das es die Briefmarke gibt, nun koennen sie auch physisch Kohl auf der Rueckseite lecken. Kohl hat sich mit illegalem Geld Macht gekauft, das ist im hoechsten Masse kriminell. Schaeuble Koch und andere haben es ihm gleich getan. Diese sauberen Herren zeigen das wahre Gesicht der CDU, fuer den Machterhalt sind sie bereit, alles zu tun, zu unterstuetzen, auch kriminelle Machenschaften. Denn Kohl, Koch, Schaeuble haben es ja nicht fuer sich getan, sondern fuer die CDU. Wie sagte Kohl angeblich so schoen, die CDU ist seine Heimat. Pech nur das damit die CDU zur kriminellen Heimat oder Organisation wird.

  • Bratsche@...1990 hatten (fast) alle Tränen in den Augen...vaterlandslose Gesellen wie Oskar wollte man teeren und federn...die Wiedervereinigung ohne jeden Plan...das bejubelte eine erdrückende Mehrheit...Kohl kam ja fast zu spät mit seinen laut gedachten Ideen..das sollte man nicht vergessen..

  • Was hier geschrieben worden ist, kommt in Nichts dem nahe, was vorgelegen hatte. Es müsste vielmehr hinterfragt werden, ob die Wiedervereinigung Helmut Kohl nicht als fetter Braten in den Mund geflogen kam und er nur instinktgesteuert in diesen, wie in einen pfälzer Saumagen beißen gemusst hatte. Das, was ihm zugute gehalten wird, entsprang der Lage, in die Präsident Gorbatschow gekommen war, als die Sowjetunion von einer schrecklichen binnenwirtschaftlichen Krise heimgesucht wurde und er nichts zu tun gewusst hatte, wie er handeln gesollt hätte, wenn auch noch die DDR wirtschaftlich zum Problem werden würde. Bei deren ungeheuren Diskrepanz zwischen Staatausgaben, verursacht durch die kostspieligen Rüstungsausgaben, unproduktiven Exportsubventionen, den mangelnden technischen Fortschritt, der eine Prosperität der Wirtschaft verhinderte und dadurch die Staatseinnahmen gering hielt, war der Staatsbankrott der DDR vorprogrammiert gewesen. Daher bot er Herrn Kohl die Möglichkeit zur Wiedervereinigung als Akt der Friedensstiftung an, ohne den wahren Hintergrund seiner Absichten zu nennen. Herr Gorbatschow verlor hinterher seine Stellung, Macht und Anerkennung, die von Herrn Kohl wuchs, obwohl er nur einen messbar geringen Beitrag zur Wiedervereinigung geleistet hatte, nämlich den, den Zusammenschluss nicht verhindert zu haben. Er war nicht der Motor, sondern der Getriebene gewesen.

  • @ Pofalla

    Den größten Vorwurf den man Kohl machen kann ist die Vereinigung mit der DDR. Hierdurch haben wir eine Vielzahl von Sozialschmarotzer hinzubekommen. Magritt117888 ist nur ein Beispiel. Die braunen Gesinnungsspinner haben vor allem in den ostdeutschen BL starken Zulauf bekommen. Aus 100 DM Besuchergeld wurden mehr als eine Billion Euro. Die Brüder und Schwestern vom Stamme Her-damit haben und werden auch künftig weiter Forderungen stellen.

  • Endlich mal wieder ein Thema an die sich die digitalen Psychopathen - natürlich anonym - aufgeilen können. Da ist ja einer, dem sie die Schuld an ihrem eigenen Versagen anhängen können. Und dann noch die kranken Thesen eines Siggi40.de, der offensichtlich auf Bewährung aus dem LkH entlassen wurde und es trotzdem nicht lassen sein krankes Hirn auszukübeln.
    Bei allem Fehlverhalten von H. Kohl war er mir immer noch lieber als viele seiner Vorgänger. Schmidt ist seiner Eitelkeit erlegen und lebt diese als Pensionär umso heftiger aus. Willi Weinbrandt ("Der Herr leben gerne lau"; Zitat Herbert Wehner) bot der Stasi durch seine Liebe zum anderen Geschlecht reichlich Gelegenheit sich im Kanzleramt einzunisten. Nunja, es ist wie es ist. Die Meute hat ein Thema.
    Und zum guten Schluß meldet sich - so quasi als Sahnehäubchen der versammelten Volltr....
    M a g r i t t 117888
    Ihr kann man zugute halten, dass sie als ehemalige Ossi die Mentalität nehmen statt geben im Westen vorzüglich umzusetzen weiß. Sie kennt zudem ihren CDU-Ortsverein durch ihre damalige Parteizugehörigkeit. Das die CDU sie schließlich wegen ihrer braunen Gesinnung aus der Partei geworfen hat, was solls. Sie nutzt seitdem jede Gelegenheit gegen die CDU und deren Politiker zu hetzen; bevorzugt Merkel und Schäuble. Und jetzt kommt auch noch Kohl hinzu, das ist ja wie Ostern und Weihnachten auf einen Tag. Da kann man der Dummdreistigkeit freien Lauf lassen.
    In einem Beitrag wurde das HB-Forum mit dem Bildzeitungsniveau verglichen. Das stimmt nicht. In diesem Forum von Niveau zu sprechen beleidigt jeden Bildzeitungsleser.

  • Siggi
    ich stimme Ihnen größtenteils zu.
    Kohl hat den Fehler von 1945 wiederholt. Die alten DDR-Kader stürmten ungeprüft in unsre Parteien. Das sieht man auch daran, dass eine Merkel von Kohl hochgezüchtet wurde, aber nie auf ihre Vergangenheit überprüft wurde.
    Wir ahben mit der Einheit den sozialistichen Ungeist dank Kohl mitbekommen und das ist ja inzwischen immer mehr zu merken
    Und sein ständiges Gelaber, er mußte den Euro einführen, weil Frankreich mit Krieg gedroht habe, ist albern. Frankreich hätte wohl kaum einfach so einen Krieg angezettelt
    Kohl war ein Verhängnis für die CDU, so sagte es mal der große Politikwissenschaftler Prof. Wilhelm Hennis in einem Stern-Interview 2004.


  • @trompete

    Ausserdem hat er schon seit vielen Jahren einen starken Gedächnissverlust welcher auch bei Gericht anerkannt und somit aktenkundig ist.

    Schönen Tag noch.

  • Teil IV
    Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) geht davon aus, dass die kriminellen Netzwerke noch intakt und gefährlich sind. Allen, die gegen die Machenschaften in Sachsen kämpften, drohten Rufmordkampagnen, sagte Buttolo in der parlamentarischen Sondersitzung. Die Organisierte Kriminalität werde mit ihren Mitteln zurückschlagen und verleumden. "Sie wird Misstrauen säen, sie wird Gerüchte streuen, sie wird einschüchtern." Und sie wird weitermorden, hat er vergessen.

    Nicht mal im tiefstem Urwald werden solche Schweinereien von ganz oben straffrei gestellt. Wenn aber die Justiz durch Kinderf......videos erpressbar und zum Lakaien und Helfer degradiert wird, dann haben wir schon seit 22 Jahren ein Staat im Staat.

    Das Deutschland Protokoll, sehr aufschlussreich:
    http://gedankenfrei.files.wordpress.com/2008/12/das-deutschland-protokoll.pdf

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