Später gehen zwar viele - auch das wissen wir aus der Migrationsforschung - mit ihren gewonnenen Erfahrungen wieder zurück in ihre Heimat, sobald dort Reformen greifen und sich ihnen die entsprechenden Chancen bieten. Aber viele werden auch bleiben wollen.
Es liegt an uns, diese Migrationswelle klug zu gestalten, damit Hoffnungen nicht früh enttäuscht werden. So brauchen wir zum Beispiel Servicestellen, die Wanderungswillige bei der beruflichen wie der gesellschaftlichen oder familiären Neuorientierung begleiten. Gleiches gilt für die Anerkennung von beruflichen Qualifikationen, die Förderung von Fremdsprachenkenntnissen und anderes mehr. Gleichzeitig muss unser Blick auch über Europa hinausgehen. Denn nur so kann der dauerhafte Bedarf an Fachkräften zumindest zeitweise erfüllt werden, bis andere Optionen genutzt werden können.
Deutschland fehlen bis zum Jahr 2030 gegenüber heute sechs Millionen Arbeitskräfte. Wenn wir Deutschland demografiefest machen wollen, brauchen wir deshalb auch ein modernes Zuwanderungskonzept für Bürger jenseits der Grenzen der Europäischen Union. Unser Nachbar Österreich zeigt uns mit seinem Punktesystem einer „Rot-Weiß-Rote Karte“ seit 2011, wie eine moderne Steuerung von Fachkräften aus Drittstaaten außerhalb der EU aussehen kann. Kriterien sind dort insbesondere Qualifikation, Berufserfahrung, Sprachkenntnisse, Alter. Wer hier eine Mindestanzahl von Punkten erreicht, kann kommen. Ein solcher Weg ist auch für Deutschland der richtige.
Dazu gehört aber auch die Möglichkeit einer erleichterten Einbürgerung als Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Denn wir stehen international in einem harten Wettbewerb um die „high potentials“. Es ist längst eine ökonomische Binsenweisheit: Nicht mehr die Knappheit an Kapital, sondern der Mangel an personellen Ressourcen bestimmt mehr und mehr die Wachstumsperspektiven der Wirtschaft.