Gastbeiträge

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Gastbeitrag: Deutschlands ungehobener Schatz

Bereits zum sechsten Mal lädt Merkel zum Integrationsgipfel. In Wahlkampfzeiten hat das Treffen vor allem Symbolcharakter. Dabei gäbe es beim Thema Zuwanderung für Deutschland aus ökonomischer Sicht viel zu gewinnen.

Professor Klaus F. Zimmermann ist Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) sowie Berater der Europäischen Union und der Weltbank. Quelle: dapd
Professor Klaus F. Zimmermann ist Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) sowie Berater der Europäischen Union und der Weltbank. Quelle: dapd

Wenn das keine erfreuliche Nachricht ist: Deutschland ist laut einer aktuellen Studie der britischen BBC das derzeit beliebteste Land der Welt. Man mag solchen Befragungen misstrauen. Doch eine andere Nachricht ist Fakt: Nach Deutschland drängen so viele Menschen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Fast eine Million Ausländer sind im Jahr 2012 in die Bundesrepublik gezogen, natürlich auch als Folge der großen Wirtschaftskrise. Beide Nachrichten signalisieren unabhängig voneinander, dass Deutschland international zu einem „Hoffnungsträger“ geworden ist, zu einem starken Magnet für Menschen, die nach einer besseren Lebensperspektive suchen.

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In diesem Befund liegt für unser Land eine große Chance, sofern wir bereit sind, aus diesem „Deutschlandtrend“ die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die erste Botschaft kann nur heißen: Deutschland ist heute ein Zuwanderungsland mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen, auch wenn dies einige noch immer verdrängen mögen. Schon derzeit hat jeder fünfte, der bei uns lebt, einen Migrationshintergrund. Diese 16 Millionen Mitbürger werden unsere Zukunft ganz entscheidend prägen – alleine schon deshalb, weil sie deutlich jünger sind als der Bevölkerungsdurchschnitt. So hat bei den Kindern unter 15 Jahren in Deutschland sogar jedes Dritte einen Migrationshintergrund.

Migration aus Osteuropa „Wer weg wollte, ist schon weg“

Rund 66.000 Rumänen arbeiten in Deutschland. Cristina Iulia Popescu (27) ist eine von ihnen. Die Angst, die vor einer Migrationswelle geschürt wird, ärgert sie – schließlich hängt Deutschlands Zukunft an Leuten wie ihr.

Migration aus Osteuropa: „Wer weg wollte, ist schon weg“

Und diese Zahlen werden sich in Zukunft weiter deutlich erhöhen: Viele ökonomische, gesellschaftliche, politische Rahmendaten sprechen dafür, dass wir erst am Anfang eines neuen großen Zuwanderungsschubes stehen. Es ist nicht unrealistisch zu erwarten, dass unsere Bevölkerung 2013 - 2017 um mehr als zwei Millionen Menschen aus dem Ausland wächst.

Dies ist primär die Folge des Zustroms aus den Krisenstaaten Süd- und Osteuropas. EU-Bürger machen mittlerweile gut zwei Drittel unserer Zuwanderer aus. Dieser Trend wird sich angesichts der Rekordarbeitslosigkeit vor allem bei Jugendlichen in jenen Ländern noch deutlich verstärken.

Es ist sinnvoll, wenn die dortigen Arbeitsmärkte vorübergehend durch verstärkte Migration entlastet werden. Jedenfalls wäre es zutiefst unmoralisch, dort eine „verlorene Generation“ heranwachsen zu lassen, während bei uns wie in anderen europäischen Ländern Fachkräfte händeringend gesucht werden. Junge Spanier, Griechen, Italiener, demnächst auch Bulgaren oder Rumänen können so zugleich zu einer Steigerung des deutschen wie des gesamteuropäischen Wohlstandes beitragen. Denn sie werden nicht nur das wirtschaftliche Wachstum der Empfängerländer stärken, sondern auch durch Rücküberweisungen aus ihren Einkommen die Heimatländer stärken. Und sie treffen bei uns auf funktionierende ethnische Netzwerke.

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