Gastbeitrag: Die Lehren aus dem Zypern-Debakel

Gastbeitrag
Die Lehren aus dem Zypern-Debakel

Ausgerechnet in Zypern, einem Land mit überschaubarer Wirtschaftsleistung, droht die Europäische Union den Kurs zu verlieren. Nun kann es nur noch darum gehen, die Auswirkungen des Fehlers für Europa zu begrenzen.
  • 28

Seit Ausbruch der Finanzkrise in 2007 wird die europäische Wirtschaftspolitik vor allem von einem Ziel bestimmt: dem gleichzeitigen Abwenden einer tiefen Rezession in Europa und ansteckender nationaler Bank Runs. Dieses Schreckensszenario ist der Hintergrund, vor dem eine ganze Serie zunehmend unorthodoxer Hilfs- und Rettungsmaßnahmen beschlossen und gerechtfertigt wurden, die den Ordnungsrahmen der Wirtschafts- und Währungsunion erheblich geschwächt haben.

Zu Beginn der Krise vergaben Staaten Kredite an marode Banken zu Sonderkonditionen und, trotz des Maastrichter Vertrages, ebenso großzügige zwischenstaatliche Kredite. Dem folgten der kurzfristig angelegte Euro-Rettungsfonds EFSF und dann der auf Dauer angelegte ESM.

Hinzu kommen die Zinssenkungen der EZB, die unlimitierte Zuteilung von Liquidität, die Emergency Liquidity Assistance,  die massiven Long Term Refinancing Operations und die Ankündigung möglicher Offenmarktkäufe ohne vorherige Begrenzung.

Niemanden, der um den Wert einer verlässlichen wirtschaftlichen Ordnung weiß, können diese Schritte leicht gefallen sein. All diese bitteren Pillen wurden der europäischen Volkswirtschaft auch mit Blick auf die Sicherheit von Bankeinlagen verabreicht.

Umso unverständlicher ist es, dass das Ziel der Sicherung vor allem kleiner Bankeinlagen im Fall Zyperns plötzlich keine Rolle mehr zu spielen scheint. Ausgerechnet in einem Land mit überschaubarer Wirtschaftsleistung droht die Europäische Union den Kurs zu verlieren.

Kommentare zu " Gastbeitrag: Die Lehren aus dem Zypern-Debakel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Abgabe ist eine Steuer, die vom Staat Zypern erhoben wird, um eine Insolvenz zu verhindern, und nichts anderes. Spareinlagen sind eine sichtbare und leicht messbare Form des Vermögen. Genauso wird aus diesem Grund Lohnsteuer zur Finanzierung des Staatshaushaltes herangezogen. Da man sich nur schwer dieser Steuerform entziehen kann. Oder will man wieder zusehen, wie Milliarden aus dem Land in sichere Häfen verschwindet, so wie im Fall von Griechenland. Keineswegs wird hier das Versprechen der Einlagensicherung gebrochen, denn die würde erst im Falle der Pleite einer Bank herangezogen werden, was gerade mit den EU Hilfsgeldern und der einmaligen Abgabe verhindert wird. Alles andere ist Propaganda, um russische und britische Gelder, die in Zypern geparkt worden sind, zu schützen. Nein, Danke!

    Man kann sich vielleicht darüber streiten, wo die Untergrenze anzusetzen ist, ab der die Steuern zu zahlen ist.

  • Die Politiker werfen wie üblich Nebelkerzen: natürlich ist Zypern nicht systemrelevant, und seine Verbindungen in den Euroraum sind sehr gering. Das Land hat ein kleineres BIP als das Saarland. Und das müssen wir retten, um die Eurozone zu stabilisieren??? Übrigens können die Anleger in Zypern froh sein, wenn sie mit ca 10% davonkommen. Im Wahlprogramm unserer Grünen steht, dass sie 10 Jahre lang eine Vermögensabgabe erheben wollen - anzunehmen, dass für die Grünen Pensionsansprüche kein Vermögen ist. Und die geplante MWSt auf Finanztransaktionen wird uns alle auf Dauer sehr viel mehr kosten als das, was den Anlegern in Zypern jetzt genommen wird. Was ist das Endziel dieser Politik?

  • Ihr spricht alle rings herum um den brei.Die Sache hat einen
    tieferen Sinn.Welche rolle spielt eigentlich das Türkischer Lobby in Deutschland;Halten sie sich Bitte mit ihre auserungen ein bisschen zurück es wehre das Beste Vielleicht.
    Ein Dolce Vita die sich nicht leisten konnten.Ha,ha,ha mir kommen die tränen von ihre Unwisenheit

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%