Gastbeitrag: Die Nimmersatten

Gastbeitrag
Die Nimmersatten

Das öffentlich-rechtliche System hat zu viele Fehler: Vor allem keine Legitimation. Hauptversammlungen, auf denen Gebührenzahler zu Wort kommen können, wären ein Anfang – meint unser Gastautor.
  • 45

Es ist unmöglich, ein anderes Unternehmen – öffentlich wie privat – zu finden, dem es dermaßen an einer verantwortungsbewussten Führung mangelt, also einer zeitgemäßen Corporate Governance, wie den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Weil das Problem lange ignoriert und geduldet worden ist, konnten ARD und ZDF mit ihren Fehlern immer weiter und ins scheinbar Uferlose wachsen.

Wer in den vergangenen zehn Jahren aufmerksam war, dem sind Intransparenz, Eigenmächtigkeit und Selbstherrlichkeit von ARD und ZDF nicht entgangen. Das System ist so unanständig feudal, dass es nicht mehr in unsere Zeit passt und dass wir Deutsche uns international damit eher blamieren als Exzellenz, Vielfalt und Professionalität im Mediensektor zu demonstrieren. Zu eklatant sind die Fälle von Schleichwerbung alleine in den vergangenen zehn Jahren (eindrucksvoll aufgedeckt unter anderem von Volker Lilienthal), von Verschwendung, wenn etwa Funktionäre des Systems First Class fliegen, von Filz – inhaltlich wie politisch. Niemals hat all das den Rücktritt eines Intendanten und eine Reform der systemischen Missstände zur Folge gehabt.

Es liegt der Schluss nahe, dass den Verantwortlichen das Gefühl für die Verantwortung fehlt, die sie für sehr viel Geld und sehr viel Macht tragen. Hochrangige Funktionäre der BBC, die derzeit im Kreuzfeuer nach einer Falschberichterstattung steht, konstatierten vor Ausbruch des Skandals über die Verhältnisse bei ARD und ZDF: „We would not get away with it.“ Dass die deutschen Funktionäre immer wieder gut wegkommen, legt einen weiteren Schluss nahe: Das System hat die Verantwortlichen nie dazu verpflichtet, Verantwortung überhaupt erst zu entwickeln.

Es ist ein historisch gewachsenes System der Verantwortungslosigkeit, was darin gipfelt, das öffentlich-rechtliche Anstalten wiederholt Urteile des Bundesverfassungsgerichts schlicht ignoriert haben, etwa für Staatsferne in ihren Organisationen zu sorgen. Das ist respektlos und trägt erneut feudale Züge. Hätte das Verfassungsgericht eine eigene Polizei, um seine Urteile durchzusetzen – eine Reihe Intendanten wären nicht gut weggekommen, denn sie hätten eine Erzwingungshaft antreten müssen.

Es ist zunächst nachvollziehbar, wenn Mitarbeitern der Anstalten der Blick für das Problem fehlt, schließlich ist ihr System existent und keine Chimäre. Jeder Arbeitsplatz ist gut ausgestattet, die Programme mit ihren Protagonisten gehören zum Inventar und Toppersonal der Gesellschaft, und der Grundgedanke eines öffentlich finanzierten Mediensektors ist Bestandteil der DNA der Bundesrepublik Deutschland. Man lebt also tagtäglich die Verfassung. Was kann daran schon grundlegend falsch sein?

Kommentare zu " Gastbeitrag: Die Nimmersatten"

Alle Kommentare
  • Wieso wehren wir uns nicht?? Wann kriegen wir denn endlich unseren A..... hoch? Durch die Publizierung im Internet müßte es doch möglich sein, eine Resolution einzubringen und vor das Verfassungsgericht zu gehen.

  • Deutschland ist von den Profiteuren der "Gebühren" für TV und Funk voll im Griff – das gibt es in keinem anderen Land der Welt! Ungefähr 8 Milliarden Euro – das ist der Wahnsinn; wir haben damit einen Selbstbedienungsladen gemästet, der den Gehälter- und Boni-Exzessen in nichts nachsteht. Die Bürger müssen sich endlich wehren! Das teuerste System der Welt produziert Senioren-TV auf nierigem Niveau (Durchschnittsalter ist 64 Jahre !), selektives Infotainment ohne tiefergehende Reportagen, was wirklich in der Welt wichtig ist, Beruhigungsfernsehen für die blöden Bürger, die sich wie Schafe scheren lassen. Das heutige TV ist MEILENWEIT entfernt von echten Qualitätssendungen, die wir von früher her kennen - heute gibt es die reine Verblödung und die Endlos-Fußball-Schleife. Bürger, empört Euch!


  • GEZ/ÖR = Offensichtlicher Mafia Verein !
    Würde das ganze Fair ablaufen, dann würde jeder eine Set-Top-Box haben wo er genau das TV guckt, welches er bezahlt. Technisch ist das möglich(siehe T-Home), komisch nur, das so etwas nicht zugelassen wird. Da fragt man mal die GEZ Befürworter wenn das alles soooo seriös und objektiv ist bei den ÖR !

  • Ich habe in meinem Leben noch nie ein Fernsehgerät besessen und habe auch nicht die Absicht, mir jemals eins zuzulegen. Trotzdem werde ich ab 2013 aufgrund der bestehenden Seilschaften zwischen Politik und GEZ gezwungen, mehr als das Dreifache der bisher von mir entrichteten Radiogebühr zu bezahlen.
    In dem Buch „Qualität 2000“ von Phil Crosby (engl. Erstausgabe 1992) steht auf Seite 123 in Bezug auf Bankmanager folgender Satz: „Ich war immer der Meinung, der einzige Unterschied zwischen Mafiabossen und Top-Managern, die diese Institutionen plünderten, bestünde in der Breite der Nadelstreifen ihrer Anzüge.“
    Ich ergänze das mit meiner persönlichen Meinung, dass das auch auf die Machenschaften der GEZ und ihrer Nachfolgeorganisation zutrifft. Allerdings gibt es noch einen weiteren Unterschied. Die Mafia wird vom Staat bei der Eintreibung ihrer Zwangsabgaben von Politikern nicht gesetzlich unterstützt.
    Und noch eine Bemerkung aus meiner persönlichen Sicht: Aus Shakespeares Romeo und Julia stammt das Zitat, dass eine Rose auch dann noch gut duftet, wenn man sie anders nennt. Analog lässt sich in Bezug auf die Umbenennung der GEZ sagen, dass ein Saustall auch dann noch stinkt, wenn man ihm einen anderen Namen gibt.

  • Es widerspricht dem eigentlichen Auftrag und Sinn des öffentlichen Rundfunks, wie er seinen Auftrag gestaltet.
    Rechtfertigen lässt sich das GEZ System nur mit der Sicherstellung neutraler interessefreier Information, ähnlich wie wird das von unserer Justiz erwarten.
    Diesen Auftrag erfüllen die öffentliche Sendeanstalten nicht mehr, womit ihre konstituierende Rechtfertigung entfallen ist.
    Damit ist das System letztlich illegal und verfassungswidrig.
    Zu bedauern ist leider, das auch deutsche Verfassungsgerichte nicht mehr staatsfern Grundprinzipien verteidigen, sondern der Staatsraison folgen. Es Bedadrf nur eines genügend großen Interesses, das bei den Medienanstalten durch Arbeitsplätze und politischen Einfluss desaströs groß geworden ist, und die höchsten Gerichte wähnen sich verantwortungsbewusst, wenn Sie dann Pilatus spielen.

    H.

  • Skandalös ist, dass die Politik Preis und Etat bestimmt. Welche Rechte haben die Bürger bzw. Kunden? Kein Land der Welt kann mit dem Bürgergeld so aasen wie die deutschen Öffentlich-Rechtlichen. Junge Generationen haben sich vom Fernsehen und Rundfunk längst entfernt. Warum sinken dann die Gebühren nicht um mindestens 1/3? Wer kontrolliert die unnützen Ausgaben und die Selbstbedienungen am Kundengeld? Wer streicht endlich überflüssiges Fernsehen und Geldverschleuderei? So wie heute kann es nicht weitergehen. Die Bürger müssen entlastet werden.

  • Bravo! Ich stimme 100 % zu!

  • Wie Deutschen sind doch einfach nur noch jämmerlich.

    Der Buchautor Hans-Peter Siebenhaar hat natürlich völlig Recht, wenn er der ARD und ZDF dosiert vorwirft - mit den GEZ-Gebühren zu aasen, wie ein Oligarch mit Kaviar und Champagner. In jedem andern Land der Erde würde man sich angemessen wehren. Aber wieder einmal wird bei den GEZ-Zwangsgebühren- bzw. Steuern parteiübergreifend zugestimmt. Wer glaubt, dass man jetzt bei den Öffentlich-rechtlichen den Buchautor in eine Talkshow einlädt, der glaubt auch noch, dass die Erde eine Scheibe ist.

    Die GEZ tauft sich mit dem Wohlfühlname "Beitragsservice" um und verspricht den 40 Millionen Haushalte in Deutschland, dass sie demnächst 218 Euro im Jahr für Rundfunkgebühren bezahlen müssen. Nun gibt es in den Medien heftige Diskussionen darüber, ob die Datenbeschaffung der GEZ gegen das Grundgesetz verstößt und nebenbei eine Kontrolle stattfindet wie sie es damals bei der Stasi gab.

    7,5 Milliarden (7.500.000.000 Euro) für was? Ach ja: 67 Radiostationen und 22 öffentlich-rechtliche Fernsehkanäle. Wenn sich die ARD und das ZDF der sozialen Marktwirtschaft stellen müssten, dann blieben 10 Radiostation und 5 Fernsehkanäle übrig. Und nebenbei würde der eine oder andere Kanal wegfallen, der ausschließlich politische Agitation, im Sinne der Stasi betreibt. Auf geht's!

  • Ich plädiere für die Einführung von Decodern , bei denen man das zahlt was man sehen will, d.h. wer für die ÖR nichts zahlen will kann sie dann halt nicht sehen. Es gibt in der Tat einige wenige gute Sendungen bei den ÖR die ich dann auch gerne bezahlen würde. Wie bereits ein Kommentator richtig geschrieben hat reiche dafür allerdings 3-4 EURO im Monat. Hier würde dann auch ein Anreiz geschaffen, Qualität zu liefern für die ich dann auch gerne etwas mehr bezahlen würde. Aber ich suche aus und entscheide. TV on demand.

  • ARD - ZDF - GEZ
    Viele *Mäuse* machen eben noch *kein* Bildungsfernsehen!!!

    "Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf..."

    Ihr hervorragend analytischer und unnachgiebig kritischer Artikel gehört auf *Seite 1* jeder Print- und Online-Ausgabe! Der neue Rundfunkbeitrag ist ein Freibrief für jegliche zukünftige Rechtsverdrehung und Demokratiegefährdung. Die gesamte Medienwelt sollte bis zur *bürgernahen* Umgestaltung des völlig *de*formierten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks den rapide wachsenden Protest der breiten Bevölkerung unterstützen, indem es die Aufklärungsarbeit zu diesem Thema massiv, schonungslos, in allen Facetten und an prominenter Stelle betreibt! Bitte nehmen Sie diesen Auftrag wahr und ernst, da der *staatsnahe* ÖRR und dessen willfährige Kontrollorgane dazu nicht in der Lage sind. Die Bevölkerung ist noch viel zu unaufgeklärt und blauäugig. Berichten Sie doch auch einmal an prominenter Stelle über die breite Bürgerfront, die sich u.a. hier formiert, gegenseitig informiert, diskutiert, protestiert - und beteiligen Sie sich alle am besten gleich daran:
    [...]
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Serviceangebote