Gastbeiträge

_

Gastbeitrag: Die Nimmersatten

Das öffentlich-rechtliche System hat zu viele Fehler: Vor allem keine Legitimation. Hauptversammlungen, auf denen Gebührenzahler zu Wort kommen können, wären ein Anfang – meint unser Gastautor.

Das Logo der Nachrichtensendung „Tagesschau“, wie es ab 1952 verwendet wurde. Quelle: SAP/dpa
Das Logo der Nachrichtensendung „Tagesschau“, wie es ab 1952 verwendet wurde. Quelle: SAP/dpa

Es ist unmöglich, ein anderes Unternehmen – öffentlich wie privat – zu finden, dem es dermaßen an einer verantwortungsbewussten Führung mangelt, also einer zeitgemäßen Corporate Governance, wie den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Weil das Problem lange ignoriert und geduldet worden ist, konnten ARD und ZDF mit ihren Fehlern immer weiter und ins scheinbar Uferlose wachsen.

Anzeige
Peter Littger, Direktor bei Innovation Media Consulting. Quelle: PR
Peter Littger, Direktor bei Innovation Media Consulting. Quelle: PR

Wer in den vergangenen zehn Jahren aufmerksam war, dem sind Intransparenz, Eigenmächtigkeit und Selbstherrlichkeit von ARD und ZDF nicht entgangen. Das System ist so unanständig feudal, dass es nicht mehr in unsere Zeit passt und dass wir Deutsche uns international damit eher blamieren als Exzellenz, Vielfalt und Professionalität im Mediensektor zu demonstrieren. Zu eklatant sind die Fälle von Schleichwerbung alleine in den vergangenen zehn Jahren (eindrucksvoll aufgedeckt unter anderem von Volker Lilienthal), von Verschwendung, wenn etwa Funktionäre des Systems First Class fliegen, von Filz – inhaltlich wie politisch. Niemals hat all das den Rücktritt eines Intendanten und eine Reform der systemischen Missstände zur Folge gehabt.

Mehr als eine Abrechnung Dienstreise durch die Welt der Öffentlich-Rechtlichen

Schon lange wurden ARD und ZDF nicht so detailliert durchleuchtet wie in „Die Nimmersatten“, dem heute erscheinenden Buch von Handelsblatt-Redakteur Hans-Peter Siebenhaar. Ein unterhaltsames und aufreibendes Werk.

Es liegt der Schluss nahe, dass den Verantwortlichen das Gefühl für die Verantwortung fehlt, die sie für sehr viel Geld und sehr viel Macht tragen. Hochrangige Funktionäre der BBC, die derzeit im Kreuzfeuer nach einer Falschberichterstattung steht, konstatierten vor Ausbruch des Skandals über die Verhältnisse bei ARD und ZDF: „We would not get away with it.“ Dass die deutschen Funktionäre immer wieder gut wegkommen, legt einen weiteren Schluss nahe: Das System hat die Verantwortlichen nie dazu verpflichtet, Verantwortung überhaupt erst zu entwickeln.

Es ist ein historisch gewachsenes System der Verantwortungslosigkeit, was darin gipfelt, das öffentlich-rechtliche Anstalten wiederholt Urteile des Bundesverfassungsgerichts schlicht ignoriert haben, etwa für Staatsferne in ihren Organisationen zu sorgen. Das ist respektlos und trägt erneut feudale Züge. Hätte das Verfassungsgericht eine eigene Polizei, um seine Urteile durchzusetzen – eine Reihe Intendanten wären nicht gut weggekommen, denn sie hätten eine Erzwingungshaft antreten müssen.

Die Sendung mit den Mäusen Wofür ARD und ZDF Gebühren-Milliarden verprassen

  • Die Sendung mit den Mäusen: Wofür ARD und ZDF Gebühren-Milliarden verprassen
  • Die Sendung mit den Mäusen: Wofür ARD und ZDF Gebühren-Milliarden verprassen
  • Die Sendung mit den Mäusen: Wofür ARD und ZDF Gebühren-Milliarden verprassen
  • Die Sendung mit den Mäusen: Wofür ARD und ZDF Gebühren-Milliarden verprassen

Es ist zunächst nachvollziehbar, wenn Mitarbeitern der Anstalten der Blick für das Problem fehlt, schließlich ist ihr System existent und keine Chimäre. Jeder Arbeitsplatz ist gut ausgestattet, die Programme mit ihren Protagonisten gehören zum Inventar und Toppersonal der Gesellschaft, und der Grundgedanke eines öffentlich finanzierten Mediensektors ist Bestandteil der DNA der Bundesrepublik Deutschland. Man lebt also tagtäglich die Verfassung. Was kann daran schon grundlegend falsch sein?

  • 05.07.2013, 12:48 Uhrtesoro

    Wieso wehren wir uns nicht?? Wann kriegen wir denn endlich unseren A..... hoch? Durch die Publizierung im Internet müßte es doch möglich sein, eine Resolution einzubringen und vor das Verfassungsgericht zu gehen.

  • 11.03.2013, 15:53 Uhrdagmargold

    Deutschland ist von den Profiteuren der "Gebühren" für TV und Funk voll im Griff – das gibt es in keinem anderen Land der Welt! Ungefähr 8 Milliarden Euro – das ist der Wahnsinn; wir haben damit einen Selbstbedienungsladen gemästet, der den Gehälter- und Boni-Exzessen in nichts nachsteht. Die Bürger müssen sich endlich wehren! Das teuerste System der Welt produziert Senioren-TV auf nierigem Niveau (Durchschnittsalter ist 64 Jahre !), selektives Infotainment ohne tiefergehende Reportagen, was wirklich in der Welt wichtig ist, Beruhigungsfernsehen für die blöden Bürger, die sich wie Schafe scheren lassen. Das heutige TV ist MEILENWEIT entfernt von echten Qualitätssendungen, die wir von früher her kennen - heute gibt es die reine Verblödung und die Endlos-Fußball-Schleife. Bürger, empört Euch!

  • 03.01.2013, 18:13 UhrChrissi1234


    GEZ/ÖR = Offensichtlicher Mafia Verein !
    Würde das ganze Fair ablaufen, dann würde jeder eine Set-Top-Box haben wo er genau das TV guckt, welches er bezahlt. Technisch ist das möglich(siehe T-Home), komisch nur, das so etwas nicht zugelassen wird. Da fragt man mal die GEZ Befürworter wenn das alles soooo seriös und objektiv ist bei den ÖR !

  • Kommentare
Kommentar zu Protesten: Hongkong ist isoliert

Hongkong ist isoliert

Droht in China ein Flächenbrand? Die Chance ist gering: Kaum jemand im Lande fühlt Solidarität mit der Stadt im Süden. Denn die Sorgen der Hongkonger sind einfach nicht die Sorgen ihrer Landsleute im restlichen China.

Kommentar : Tim Cook hat einen Fehler gemacht

Tim Cook hat einen Fehler gemacht

„One more thing“: Apple-Chef Tim Cook hat sich bei der Produktvorstellung stark an den guten alten Zeiten orientiert. Damit hat er sich keinen Gefallen getan. Jetzt muss er sich wieder an Steve Jobs messen lassen.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Der Bündnisfall rückt heran

Der Bündnisfall rückt heran

Die Türkei lässt die Truppen aufmarschieren, in der Euro-Zone wächst die Deflationsgefahr. Paypal geht an die Börse, Ford schreckt die Autobranche auf und das Internet ärgert sich über Trolle. Der Tagesrückblick.

Der Transformer: Wie Menschen mit schlechten Manieren das Netz beherrschen

Wie Menschen mit schlechten Manieren das Netz beherrschen

Im Rahmen der Aktionswoche „Macht das Social Web sozialer!“ von Handelsblatt Online erklärt Kolumnist Nico Lumma, warum Online-Diskussionen „kaputt“ sind und „Menschen mit schlechten Manieren“ die Debatten beherrschen.

Der Werber-Rat: Bahncard statt Dienstwagen

Bahncard statt Dienstwagen

Die junge Generation schert sich wenig um Statussymbole und ein möglichst hohes Gehalt. Wichtiger sind ein ausgeglichenes Leben, ein Studium neben dem Job oder die Chance, ins Ausland zu gehen.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag: „Die FDP ist die spannendste Partei Deutschlands“

„Die FDP ist die spannendste Partei Deutschlands“

Die FDP bekommt derzeit wenig Jubel. Deshalb müsse die Partei Kante zeigen, fordert Julis-Chef Konstantin Kuhle. Nötig seien neue, kreative Konzepte und klare Aussagen, wofür die FDP steht – nicht nur wogegen.

Gastbeitrag zur Mietpreisbremse: Wann ist ein Wohnungsmarkt angespannt?

Wann ist ein Wohnungsmarkt angespannt?

Die Regierung hat sich über die Einführung der Mietpreisbremse geeinigt. Jetzt fragen sich tausende Vermieter, ob ihre Regionen davon betroffen sind. Eine Entwarnung gibt es leider nicht.

Gastbeitrag: Brauchen wir auch Bodentruppen im Irak?

Brauchen wir auch Bodentruppen im Irak?

Luftschläge dürften kaum ausreichen, den Vormarsch des „Islamischen Staates“ im Irak einzudämmen und die humanitären Folgen abzufedern. Drei Probleme, die Zweifel an der Strategie der USA aufkommen lassen.

  • Presseschau
Presseschau: „Eine Holding schafft kein Wunder“

„Eine Holding schafft kein Wunder“

Die UBS baut kräftig um – die Schweizer Großbank wird zur Holdinggesellschaft umgebaut. UBS wappnet sich für den Krisenfall, kommentieren die einen. Eine Holding schafft keine Wunder, kritisieren die anderen.