Gastbeitrag
Die Schlechtleistung der Aufsichtsräte

Der Hauptstadtflughafen BER kostet noch einmal gut eine Milliarde Euro mehr. Die Kontrolleure um Klaus Wowereit haben versagt. Managementberater Alexander Eichner plädiert für mehr Weitsicht bei der Besetzung der Ämter.
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Verdienen Aufsichtsräte zu viel? Die klare Antwort auf diese Frage lautet: jein. Wie überall, sind auch im Falle von Aufsichtsräten hohe Gehälter gerechtfertigt, wenn die Leistung stimmt. Das Problem ist, dass bei Schlecht- oder Nichtleistung kein Mechanismus greift, der diese – auch beim Gehalt – abstraft. Der in den letzten Jahren zu vermerkende Trend weg von der erfolgsabhängigen Vergütung hin zum Fixum ist hier nicht gerade hilfreich.

Leider gibt es für die Schlechtleistung von Aufsichtsräten neben individuellem Unvermögen einige systemimmanente Ursachen. An erster Stelle ist hier die Verflechtung von Politik und Wirtschaft zu nennen. Beide Seiten sind traditionell bestrebt, Politiker als Aufsichtsräte zu installieren. Das Unternehmen erhält direkten Zugang zur Legislative, der Politiker ein Sprungbrett in die Wirtschaft für den Fall seiner Abwahl. Diese Praxis ist gängig, was nichts an der Tatsache ändert, dass sie die Tür für Korruption öffnet.

In keinem Fall dient sie der Kontrolle und Beratung des Vorstands – denn die ist ja die Aufgabe von Aufsichtsräten. Wie könnte auch ein Politiker, der niemals in einem Unternehmen Verantwortung übernommen hat, den Vorstand beraten? Wie jemand die Unternehmensführung kontrollieren, der meist nicht einmal in der Lage ist, eine Bilanz zu lesen?

Es kann daher nicht erstaunen, dass die Liste der politischen Aufsichtsratsversager lang ist: Sie reicht von Peer Steinbrück bei Thyssen-Krupp über Erwin Huber und Günther Beckstein bei der Bayerischen Landesbank bis hin zu Klaus Wowereit beim Hauptstadtflughafen BER, um nur die bekannteren Namen der jüngeren Vergangenheit zu nennen.

Bevor ich mich aber der Politikerschelte verdächtig mache, möchte ich betonen, dass die Liste der Aufsichtsratsversager mit wirtschaftlichem Sachverstand noch deutlich länger ausfällt. Diese Tatsache ist eng mit dem zweiten großen Missstand in der deutschen Aufsichtsratspraxis verbunden: dem Phänomen der multiplen Aufsichtsräte.

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