Gastbeitrag
„Die SPD hat sich nie verleugnet“

Politik sei das langsame Bohren harter Bretter, sagte Max Weber. In 150 Jahren hat die SPD tatsächlich viel hartes Holz gebohrt und viel erreicht. Für die Zukunft muss sie sich eines bewahren: ihren Mut.
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Die Geschichte der Sozialdemokratie ist eine lange Geschichte, weil sie eine alte Geschichte und eine junge Geschichte ist. Es steht außer Frage: Sozialdemokraten haben dieses Land entscheidend geprägt. Vor allem bei großen Veränderungen in der Geschichte des Landes hat sich gezeigt, es ist gut, dass es die politische Kraft Sozialdemokratie gibt. Sicher hat sie sich verändert, sie hat viel Gutes erreicht und manchmal auch Fehler gemacht. Eines musste sie jedoch nie: Ihren Namen ändern und sich selbst verleugnen.

Es waren ihre Grundwerte, ihre tiefe Überzeugung von der Gleichwertigkeit der Menschen, für die sie gleich zwei Mal verfolgt und verboten wurde. Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Um diesen zeitlos universellen Anspruch geht es auch heute noch.

Die Protagonisten der sozialdemokratischen Geschichte erscheinen einer jungen Generation heute wie aus einer anderen Welt: Weit weg, altertümlich, unmodern. Vieles aber ist noch immer zum Greifen nah. Der Kampf um das Frauenwahlrecht, der Widerstand gegen Hitler, der Wiederaufbau, die Annäherung an den Osten als Grundlage der Wiedervereinigung, der Kniefall Brandts.

Das alles ist kein Menschenleben entfernt, manche Großeltern waren schon auf der Welt. Unsere Elterngeneration hat gegen das Nachkriegsdeutschland aufbegehrt, als sich zum ersten und bisher letzten mal über 90 Prozent der Menschen im Land an einer Wahl beteiligten. 1972 ging es um Aufklärung, Bildungschancen und mehr Demokratie. Die SPD war die politische Kraft dieser Zeit.

Meine Generation ist aufgewachsen mit der digitalen Revolution, mit Wachstum und Konsum in einer Welt, in der kein Winkel, kein Land mehr unerreichbar ist. Mit dem Stillstand der Ära Kohl und dem politischen Aufbruch. Die großen Entscheidungen, die meine Generation geprägt haben, waren der Ausstieg aus der Atomenergie, das Nein zum Irak-Krieg und die Agenda 2010. Wir kennen keinen Hunger und haben keinen Krieg erlebt, sondern politische Stabilität und Demokratie.

Heute erleben wir Praktikaschleifen, Zeitverträge, ungezügelte Finanzmärkte und neue Ausbeutung. Die Aufgabe dieser Generation ist es deswegen nicht, das System zu stürzen, sondern die Demokratie zu stützen. Denn ungefährdet ist Demokratie nie.

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Kommentare zu " Gastbeitrag: „Die SPD hat sich nie verleugnet“"

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  • Das dürfte eine der frechsten Lügen sein, die in letzter Zeit vermeldet wurden.

  • Ihren Namen ändern und sich selbst verleugnen.
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    Da ist aber die junge Münefering nicht ganz up to date.
    Wie war das denn 1948 mit der Zwangsvereinigung mit den Kommunisen im Osten zur SED?
    Schon vergessen?

  • Zitat:"Mit dem Stillstand der Ära Kohl und dem politischen Aufbruch."

    Wie bitte Aufbruch ? Es wurde die VERLOTTERUNG eingeläutet, in vielen Bereichen ! Dank der SPD !!! SEIT ROT/GRÜN !

    Solange diese MITVERURSACHER in der SPD aktiv "mitmischen",
    sehe ich persönlich keine Chance, diese Partei zu wählen !

    Eine knallharte Aufarbeitung mit Personalentscheidungen sind zwingend erforderlich, um auf Sicht, grösseren Schaden
    zu verhindern !

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