Gastbeitrag

Die ungeliebte einzige Chance für den Euro

Der Einsatz der EZB für den Erhalt der Euro-Zone ist nicht alternativlos, aber es ist die vernünftigste Lösung. Die Angst vor Inflation ist berechtigt. Aber das Ende der Geldpolitik würde auch das Ende des Euro bedeuten.
46 Kommentare
Der Autor ist Professor in Oxford. Quelle: dpa

Der Autor ist Professor in Oxford.

(Foto: dpa)

Mit Spanien und Italien sind in den letzten Wochen zwei große Mitgliedstaaten in den Brennpunkt der Euro-Krise geraten. Sie müssen hohe Zinsen bieten, um Investoren dazu zu bringen, ihnen Geld zu leihen - Spanien zwischenzeitlich mehr als 7,5 Prozent. Was kann die europäische Politik in dieser Lage tun? Sie könnte nichts tun und auf zwei Dinge hoffen: dass Zinsen über sieben Prozent attraktiv genug sind, private Investoren anzulocken, und dass die wirtschaftliche Lage in Südeuropa sich bald verbessert.

Leider ist die Gefahr groß, dass es so einfach nicht geht. An den Kapitalmärkten scheint sich die Überzeugung durchzusetzen, dass die Krisenstaaten sich nicht erholen und die hohen Zinsen sie überfordern. Wie kann die Politik dem entgegenwirken?

Derzeit wird diskutiert, Spanien und Italien mit Krediten aus den Rettungsschirmen zu helfen. Die verfügbaren Mittel sind aber begrenzt. Der EFSF kann noch 140 Milliarden Euro ausreichen. Wenn das Bundesverfassungsgericht den ESM passieren lässt, kommen noch einmal 500 Milliarden hinzu. Für begrenzte Stützungsmaßnahmen reicht das. Spanien und Italien ganz vom Markt zu nehmen ist mit den derzeit vorhandenen Rettungsschirmen jedoch nicht möglich. Der Refinanzierungsbedarf Italiens und Spaniens beträgt allein in den Jahren 2013 und 2014 fast 700 Milliarden Euro.

Deshalb wird immer wieder gefordert, die Solidarhaftung für Staatsschulden massiv auszuweiten, beispielsweise durch Euro-Bonds oder den vom Sachverständigenrat angestrebten Schuldentilgungsfonds. Diesen Schritt kann man wagen - man sollte sich nur nicht der Illusion hingeben, er sei revidierbar. Er bedeutet den Übergang zu einem System, das einem Europäischen Bundesstaat näher steht als einer Währungsunion mit dezentraler Finanzpolitik. Das umzusetzen erfordert langwierige Verhandlungen und Volksabstimmungen in den Mitgliedstaaten. Als Mittel zur akuten Krisenbekämpfung ist ein solches Projekt nicht geeignet.

Die Risiken der Strategie
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46 Kommentare zu "Gastbeitrag: Die ungeliebte einzige Chance für den Euro"

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  • Ich stelle fest, dass in DL unter den Politikern zu viel diskutiert
    wird und zu wenig gehandelt wird. Sie sollen endlich mal ein
    Vorschlag zu Zwangsanleihen für ganz Europa machen, um die
    Superreichen zu Kasse zu bitten. Nein, man will die 90% in der
    Bevölkerung weiter ausnehmen u. die 10% verschonen.
    Weil inzwischen viele Politiker in Europa reich geworden sind
    durch ihre lukrativen Nebentätigkeiten wird sich nichts ändern.
    Die Reichen in Europa ziehen ihr Geld ab und legen es in
    sichere Fremdwährungen an bzw. kaufen bevorzugte Immobilien
    in top Lagen. Da für Gold keine Mehrwertsteuer in DL
    fällig wird und nach einem Jahr die Wertsteigerung Abgeltungssteuerfrei ist,abplaudieren die Reichen den Politikern.
    Und solange in den Südlandern Korruption, Steuer -und Sozialbetrug vorherrscht, solange ist für mich die Welt in Europa
    nicht in Ordnung. Die Jugendlichen sind schon längst in Europa
    abgehängt.( negatives Europabild bei den Jugendlichen.Q. NTV)
    Hallo, Ihr Europapolitiker, fangt erstmal bei Euch an zu sparen,
    dann bei den Reichen und dann werdet Ihr sehen, dass keine
    Deckungslücke bleibt. Anschließend die Haushalte sanieren und
    dann könnt Ihr Schulden abbauen. Wann fangt Ihr damit an?
    MfG
    Walter Schmid

  • Die ungeliebte einzige Chance für den Euro
    ----
    Das ist keine Chance für den Euro, nur ein weiterer Zeitgewinn. Glaubt den ernsthaft jemand, die gigantischen Schulden können bezahlt werden, schon gar nicht über die EZB. Die länder sollen mal selber anpacken und ihren
    Saustall aufräumen. Wenn sie das nicht wollen, dann ist das nicht die Aufgabe der EZB. Gemeinsame Schuldenhaftung- wie kommen wir dazu? Wir haben es -das Geld- auch nicht gemeinsam verbraten.

  • "Deshalb wird immer wieder gefordert, die Solidarhaftung für Staatsschulden massiv auszuweiten, beispielsweise durch Euro-Bonds oder den vom Sachverständigenrat angestrebten Schuldentilgungsfonds. Diesen Schritt kann man wagen - man sollte sich nur nicht der Illusion hingeben, er sei revidierbar."

    => Man könnte solche Mechanismen auch für bis zu bestimmten Stichtagten geschaffene Schulden schaffen, man könnte sie von vornherein zeitlich begrenzen. Gestalterisch ist alles möglich.

    Vorschlag: Befristung solchen Vorgehens, und Länder, die nach der Frist immer noch nicht klarkommen, müssen zur eigenen Landeswährung zurück.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    http://www.freitag.de/autoren/dipl.-kfm.-winfried-sobottka/die-wahren-hintergruende-der-euro-krise

  • Das hilft nicht weiter, weil an den Reichtum nicht in nächster zeit heranzukommen ist.
    Letztlich handelt es sich doch um eines der strukturellen Defizite, die nur langsam behoben werden können. dabei wird sich ein Teil dieser Vermögen wegen Abwertung ohnehin in Luft auflösen.
    Der autor behält so wahrscheinlich recht, eben weil reine Rechenspiele noch lange nicht dazu taugen, diese auch praktikabel umsetzen zu können.

    h.

  • Es ist einfach nicht wahr, dass die EZB die letzte Chance ist!!!

    Italien ist nachweislich REICH. Italien könnte sich selbst aus der Krise ziehen. Die Sparvermögen einfach nur gigantlisch, die Staatsvermögen gigantisch, und die Industrie ist vorhanden. Es ist einfach kein Wille da, den Job selbst zu machen.

    Das Gleiche gilt ohne Einschränkungen für Spanien. Spanien MUSS sich zu seinen Banken bekennen. D.h. Verstaatlichung von Banken auf breiter Front, Rekapitalisierung (Equity-Dept-Swaps), oder Abwicklung.

    KEINS dieser Länder macht die richtigen Reformen. Italiens Reformen sind der reiste Witz.

    Die Südländer gewinnen eben an Überhand. Sie machen den Euro zur Lire oder Peseta. Sie wollen dass der Euro-Raum nach dem südländischen monetären Takt tanzt. Das kann nur schief gehen. International sind diese Staaten nicht konkurenzfähig, sie sein keine global Player.

    Deutschland braucht eine Plan B, zum evtl. Euro-Austritt. Und DE muss mehr Druck machen, dass die Vermögenden in den Krisenstaaten an der Schuldnetilgung beteiligt werden. Leider passiert da gar nix. Nur die Südländer wollen uns an die Kasse.

    Ich find das alles so unglaublich ekelhaft.

    Einzige Lösung: Deutchland muss auf eine Regeländerung drängen: Sämtliche Anleihekäufe, die in die Bilanz der EZB eingehen, werden den Staaten selbst als Forderungen angerechnet und nich auf DE, NE, etc. verteilt. Dann könnte man später ohne große Verluste immer noch aus dem Euro austreten.

  • Alles Hochstapler, Lügner und Betrüger.Sofortige Milliardenhilfen für Länder die es nicht mehr aus der Krise schaffen, es sogar grnicht wollen, werden wir auch noch durch das Volk beschimopft denen wir Helfen.
    Landeseigene Finazhilfen? Dafür sind sich unsere sogenannten Politiker zu fein, siehe Schlecker, da gibt es eine Diskussion nach der anderen und Geld zur Retung ist auch nicht vorhanden.

  • @ karstenberwanger 31.07.2012, 15:13 Uhr

    Ja, so sehe ich es auch

  • Ja...so sehe ich es auch.

  • Das Ende der Geldpolitik -also Schuldenmacherei auf Deibel komm raus - würde auch das Ende des EURO bedeuten?

    So soll es dann sein, denn der EURO ist der Kern des ganzen Übels.

    Weg von der Währungsunion, um die Wirtschaftsunion eventuell noch zu retten.

    Möglicherweise hat man den Ausstieg schon um Jahre, auf jeden Fall um Milliarden vernichteter Werte verpaßt.

  • Clemens Fuest (* 23. August 1968 in Münster) ist seit 2008[1] Professor für Unternehmensbesteuerung an der Universität Oxford[2], Forschungsdirektor des dortigen Centre for Business Taxation und geschäftsführender Direktor des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts an der Universität zu Köln sowie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesministerium der Finanzen.[1] Am 1. März 2013 wird er Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).[3]

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