Das digitale Zeitalter hat jedoch die Art und Weise verändert, auf die das Gesetz wirkungsvoll den Zweck eines Urheberrechts durchsetzen kann. Wäre es in Amerika die politische Linie, vernünftige Politik um das Urheberrecht zu machen, hätten wir schon vor zehn Jahren damit begonnen, ein Urheberrecht zu entwerfen, das der digitalen Welt gerecht wird.
Das haben wir aber nicht. Stattdessen hat Hollywood nun schon seit beinahe 15 Jahren Gesetz nach Gesetz durch den Kongress getrieben, völlig fixiert auf die hoffnungslose Aufgabe, die digitale Kreativität zurück in das Modell des 20. Jahrhunderts zu zwingen. Mit jeder verlorenen Schlacht forderten sie größere Bomben. Die Copyright Wars sind zum Vietnam des Internet geworden, und amerikanische Politiker werden immer noch dazu gedrängt, einen effektiveren Krieg gegen „den Feind“ zu führen.
Wir Amerikaner sind soweit gekommen, uns auf die gescheitere, ausgewogenere Meinung unserer Verbündeten zu verlassen, die uns die Hoffnungslosigkeit in unseren hoffnungslosen Kriegen zeigen soll. Besonders in diesem Krieg, in dem die Verdorbenheit unseres politischen Systems es den Abgeordneten beinahe unmöglich macht, den Wahnsinn in den Vorschlägen der Lobbyisten zu erkennen – zumindest solange, bis das Internet einen Protest organisiert, der sie aufweckt.
Die Grundidee des Urheberrechts muss geschützt werden
Und tatsächlich: Die Grünen in Deutschland haben genau das begonnen, indem sie sich für eine „Kulturflatrate“ stark machen, und das ist nur einer von vielen Wegen, auf denen man den Interessen des Urhebers in der Umgebung des digitalen Zeitalters besser gerecht werden könnte. Wir brauchen mehr an solcher Unabhängigkeit. Nicht nur, um sicherzustellen, dass auch die nächste Generation von Innovatoren so frei Neuerungen einführen kann, wie es wie Microsoft und Google getan haben. Sondern auch, um die Grundidee des Urheberrechts zu schützen.
Denn selbst für mich ist es höchst erstaunlich, wie viel Zuspruch der entscheidende öffentliche Wert des Urheberrechts über die letzte Dekade verloren hat. Genau wie es viele auch über die Vereinigten Staaten sagen, liegt das nicht so sehr an den Argumenten der Herausforderer, sondern an den Reaktionen der Herausgeforderten. Man gewinnt nicht die Herzen der Menschen, indem man ihre Kinder verklagt. Es ist an der Zeit, dass die Verfechter des Urheberrechts die Waffen niederlegen und sich an die harte Arbeit machen, Urheberrechtsgesetze zu entwerfen, die die Öffentlichkeit wirklich mittragen kann.
Lawrence Lessig ist Professor für Rechtswissenschaft an der Havard-Universität und gilt als einer der bedeutendsten Verfassungsrechtler der USA. Lessig setzt sich seit Jahren für eine Reform des Urheberrechts ein und ist Gründer der Creative-Commons-Initiative, die es Urhebern erlaubt, Werke im Internet unter weniger restriktive Bedingungen zu stellen als das klassische Copyright.
Sehr geehrter Herr Dörner,
vielen dank für die Links, die unendlich besser sind als das, was über ACTA gerade draussen "unterwegs" ist.
Erst jetzt fühle ich mich halbwegs umfassend informiert.
Aber: Diese Informationen werden drausse kaum wahrgenommen, sondern nur dystopische Propaganda einer Netzgemeinde, die mittlerweile - das haben wir ja am Beispiel Heveling schon gesehen - bei der kleinsten Provokakation so "hoch dreht" das es schon fast zur Satire wird - wenn nicht die Themen darin komplett untergingen.Was sagt das eigentlich über das Netz als Informationsquelle?
Anyway, vielen Dank für diese Gastkommentar-Strecke, sowie die Links oben. Sehr interessant.
"Es ist an der Zeit, dass die Verfechter des Urheberrechts die Waffen niederlegen und sich an die harte Arbeit machen, Urheberrechtsgesetze zu entwerfen, die die Öffentlichkeit wirklich mittragen kann."
Schön, wie wieder einmal der Bock zum Gärtner gemacht wird. -_-
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