Gastbeitrag Die zögerliche Ordnungsmacht USA

Der Fall Syrien zeigt, dass die US-Außenpolitik unberechenbarer wird. Das Land sieht sich noch immer als globale Ordnungsmacht, kann diese Rolle aber nicht alleine ausfüllen. Max Mutschler sieht Chancen und Risiken.
  • Max Mutschler
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Die USA nehmen ihre Rolle als globale Ordnungsmacht weiterhin wahr, sagte Forscher Mutschler. Quelle: ap

Die USA nehmen ihre Rolle als globale Ordnungsmacht weiterhin wahr, sagte Forscher Mutschler.

(Foto: ap)

BerlinDie Entscheidung ist vertagt. Nach einer Phase des Zögerns werden die USA zunächst nicht militärisch auf den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien reagieren. Viele Kommentatoren beklagen die Unentschlossenheit der USA. Einige sehen sie sogar als den Anfang vom Ende der USA als Weltmacht und damit der nach 1945 entstandenen Weltordnung. Diese Bewertung schießt über das Ziel hinaus.

Tatsächlich zeigt der Fall Syrien, dass die USA sich nach wie vor als Garantiemacht eines internationalen Normensystems sehen, das sie maßgeblich mit aufgebaut haben. Andernfalls hätte sich Obama nicht dazu veranlasst gesehen, im August 2012 die „rote Linie“ zu ziehen.

Max Mutschler forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik. Quelle: SWP

Max Mutschler forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik.

(Foto: SWP)

Die Rolle der globalen Ordnungsmacht entspricht zum einen der gesellschaftlich tief verwurzelten Identität der USA als „unverzichtbare Nation“. Die TV-Ansprache Obamas, in der er den USA eine Ausnahmestellung in der Welt attestierte, hat dies noch einmal unterstrichen. Die Rolle der Ordnungsmacht entspricht zum anderen auch den sicherheitspolitischen Interessen der USA. So haben die im Bereich der konventionellen Rüstung hoch überlegenen Vereinigten Staaten etwa ein großes Interesse daran, Normen zu stärken, die sich gegen den Einsatz und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen richten, mit denen nicht zuletzt konventionell überlegene Gegner abgeschreckt werden sollen.

Aufgrund unterschiedlicher Zwänge aber agiert das Land trotz dieses Anspruchs an sich selbst im Augenblick halbherzig. Bis es zu einer klaren Haltung zurückfindet, sind Verbündete wie Gegner der USA mit einer unberechenbaren amerikanischen Außenpolitik konfrontiert. Gegner könnten versuchen, das auszunutzen.

Es gibt gute Gründe, warum die USA so zögerlich sind, militärisch in Syrien einzugreifen. In Afghanistan und im Irak haben sie schmerzlich lernen müssen, wie begrenzt die Möglichkeiten militärischer Interventionen sind und welche unbeabsichtigten Folgen sie haben können. Nach diesen ernüchternden Erfahrungen ist sowohl eine Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung als auch der politischen Entscheidungsträger kriegsmüde. Nicht nur, weil diese Einsätze einen hohen Blutzoll gefordert, sondern auch weil sie die amerikanischen Steuerzahler immense Summen gekostet haben.

Im Zuge der Haushaltskonsolidierung werden ferner auch die Streitkräfte nicht verschont: In den kommenden zehn Jahren wird das Pentagon 500 Milliarden US Dollar seines ursprünglich geplanten Budgets einsparen und seine Aktivitäten entsprechend einschränken müssen. Hinzu kommt, dass sich die USA aufgrund ihrer verstärkten Hinwendung zur asiatisch-pazifischen Region nicht auf ein intensives militärisches Engagement in Syrien oder anderswo im Nahen und Mittleren Osten einlassen möchten.

Kooperationen werden wichtiger für die USA
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17 Kommentare zu "Gastbeitrag: Die zögerliche Ordnungsmacht USA"

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  • Im Klartext:

    Der Syrienkrieg, sofern er stattfinden sollte, die westliche Unterstüzung der Rebellen und damit der Bürgerkrieg erfolgt wie bereits der Irak-Krieg auf Geheiß und im Interesse von Israel und dessen Lobby.
    ES IST EIN KRIEG WEGEN ISRAEL UND DER ZIONISTISCHEN ("PRO-ISRAELISCHEN") LOBBY.

  • @Hafersp NICHT NUR DIE ANGLO-AMERIKANER

    "Es sollte mittlerweile außerhalb der Systempresse völlig klar sein, daß die Verursacher des Krieges (und des gesamten "arabischen Frühlings") die Anglo-Amerikaner und ihre arabischen Freunde in Saudiarabien und Katar sind - letztere vor allem über die Finanzierung durch ihre Ölmilliarden. Hier ein paar Links von VIELEN, die dies belegen:"

    Und wer hat einen exorbianten Einfluss auf die "Anglo-Amerikaner" und deren Außen- und Kriegspolitik besonders mit Bezug auf den Nahen Osten?

    - Richtig Israel und ihre finanzstarken Lobbyisten unter den Semitischen-Amerikanern, sowie die eng mit diesen verbunenen Neokonservativen:

    https://schwertasblog.wordpress.com/2013/09/13/bomben-fur-eine-bessere-welt-syrien-uberwachung-und-die-neo-crocs/

    Um einen Artikel zu zitieren, die "organisierte jüdische Gemeinschaft" in den USA bietet eine vollumfängliche "wall-to-wall" Unterstützung für einen Militärschlag in Syrien.

    http://www.theoccidentalobserver.net/2013/09/the-organized-jewish-community-wall-to-wall-support-for-a-strike-on-syria/

  • Das Land zerbröselt auch mulitikulturell - im wahrsten Sinne des Wortes.

    Mit der Verdrängung der traditionellen "weißen" amerikanischen Bevölkerung, und der ethnisch kulturellen Heterogenisierung zersplittert die Gesellschaft immer mehr.

    Bereits der Travon Martin Fall hat die USA an den Rand einer Kravall-Orgie gebracht.

  • @joe

    "Max Mutschler forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) u.a. zu transatlantischer Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie zu Rüstung und Rüstungskontrolle"
    -> bei Stiftungen für politische Forschung und vor allem mit den Stichworten "Rüstung", "Transatlantik" .... kann man sich ziemlich sicher sein, wer diese kontrolliert. Der Autor mag nicht so naiv sein, wie es erscheint, er ist womöglich nur ein Kollaborateur.

    Überhaupt, so langsam kocht der ganze Dreck der jahrzehntelangen US-Gehirnwäsche in Deutschland hoch:

    Bildzeitung eine CIA-Gründung?

    http://www.marktorakel.com/index.php?id=7311302886780683025

    http://www.youtube.com/watch?v=ZtcLz-pNTN4&feature=player_embedded

    "... Andreas von Bülow gehörte viele Jahre der Parlamentarischen Kontrollkommission der Nachrichtendienste an. Hier spricht er über die deutschen Medien, die allesamt nach 1945 gegründet, amerikanische Presse-Lizenzen bekommen, Verträge über nur positive Berichterstattung über USA und Israel unterschrieben und von CIA geleitet wurden."

    Die Frage ist, wieviel Kontrolle haben die Amis heute noch: ein Blick in die Systemmedien, insbesondere die derzeitige Syrien-Kriegshetzerei (mehr noch früher bei Libyen) beantwortet die Frage schlüssig.

    Wir leben in einer anglo-amerikanisch gesteuerten MATRIX!
    Auf Ebene ALLER Institutionen!

    Holen wir uns die Kontrolle über unser Land und die Früchte unserer Arbeit wieder zurück. Stoppen wir die Gehirnwäsche.

    AMI GO HOME!

    WÄHLT dazu in einer Woche die BLOCKPARTEIEN AB!
    Mit diesen Kollaborateuren ist ein Neubeginn nicht mehr möglich.

  • Dazu fällt mir ein:

    "Hochmut kommt vor dem Fall"

    und

    "Wer Wind säht, wird Sturm ernten"

    Die Amis haben schon viel, viel böse Saat ausgesäät - und kommen mehr und mehr zu der Feststellung, dass die daraus wachsende Ernte ihnen nicht so gut tun dürfte.

    Sie haben ihren Zenit überschritten.

    Das Land zerbröselt infrastrukturell wie auch intellektuell, moralisch sind sie mit ihrer 'wir sind was besseres'-Doktrin eh schon am Nullpunkt, wirtschaftlich überschuldet, die Spaltung der Gesellschaft nicht mehr zu übersehen.

    Die USA werden absteigen. Und sie werden auseinanderbrechen.

    Aber - sie werden ihre 'Freunde' mitziehen wollen.

    Werden die es mit sich machen lassen?

  • Die USA reklamieren für sich die Führungsnation in der Welt zu sein und US-Amerikaner sind eine einzigartige Nation von einzigartigen Menschen.

    Die Ordnung, welche laut diesem Artikel durch die USA gewährleistet wird, gibt es nicht. Nur Angriffskriege mit dem Ziel, wirtschaftliche Interessen zu Lasten andere Nationen durchzusetzen. Das I-Tüpfelchen ist dann noch das kriminelle Verhalten in den Computernetzwerken der Welt.

    Fakt ist, dass die USA Südamerika verloren haben, nachdem sie dort über Jahrzehnte hinweg Diktatoren einsetzen und Militärputsche in die Wege geleitet haben. Südamerikaner, gleich welcher Nation, mögen die USA nicht.

    Das Gleiche wird im Nahen Osten passieren.
    Und auch Europa wird sich bald von den USA abwenden. Zunächst sicherlich nicht unsere Politiker, aber das europäische Volk wendet sich schon heute angewidert ab.
    Good Bye

  • wie schlau Sie doch sind und was Sie so alles wissen.
    Sie sind ein Volksaufklärer hafnersp, sozusagen das letzte Bollwerk gegen die (Ihre eigene?) Dummheit.

  • @lollipop

    Ich. Mir war schon bei den US-Vorwahlen der Demokraten, damals mit Hilary Clinton noch in Führung, klar, daß er das Rennen machen wird. Die USA-Bevölkerung war damals des "kalten Kriegers" Bush müde und die Eliten brauchten daher einen vor-geblichen Anti-Bush (möglichst aus einer des Faschismus und Elitarismus unverdächtigen Minderheit): UND ZWAR GENAU UM DIE BUSH-POLITIK WEITERZUFÜHREN (nicht einmal der Verteidigungsminister Gates wurde ausgewechselt)! Die man einem Bush nicht mehr hätte durchgehen lassen.

    Obama war dafür einfach ideal (eine charismatische Marionette) - das habe ich in einer Fernsehsendung über die Vorwahlen sofort gesehen. Damit war mir auch die Marschrichtung der US-Politik klar, einschließlich der Fortsetzung der Kriegspolitik unter neuem Marketing (alter Wein in neuen Schläuchen).

  • immer wenn sie nix mehr zu sagen haben: entweder weil die blöd sind oder weil sie gekauft wurden: dann wollen sie bomben - wohin eigentlich?
    Und wen?
    Es kann doch keinen Zweifel darüber geben dass Assad ein lupenreiner Diktator ist.

    Als "leading Nation" sollte man eigtl andere Sorgen haben als der bessere Diktator als Assad sein zu wollen.

  • Ordnungmacht: man knallt sich gegenseitig ab.
    Guantanamo scheint für Obama eine menschenrechtliche Errungenschaft zu sein.
    Wer hätte das gedacht?

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