Gastbeitrag: Drachme als zweite Landeswährung einführen

Gastbeitrag
Drachme als zweite Landeswährung einführen

Ausstieg aus der Euro-Zone oder nicht - das Entweder-oder-Denken führt im Fall Griechenland nicht weiter. Besser wäre ein gemischtes Konzept, das die Wettbewerbsfähigkeit stärkt und zugleich die Ersparnisse schützt.
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Hamburg, BonnGriechenlands Wirtschaft geht die Luft aus. Seit dem Eintritt in die Währungsunion sind die Lohnstückkosten um rund 25 Prozent stärker gestiegen als in Deutschland. Im Export wie im Tourismus hat das Land an Boden verloren. Ohne eine bessere Wettbewerbsfähigkeit gibt es keinen Wiederaufstieg.

Dafür gibt es zwei Lösungsansätze. Entweder drückt man die Lohnkosten und drosselt die Gesamtnachfrage. Das wird seit 2010 verfolgt. Zwar sinken die Löhne, aber das Bruttoinlandsprodukt fällt ebenfalls (bislang um 15 Prozent), und die Griechen radikalisieren sich. Oder man entlässt das Land aus der Euro-Fessel und führt eine Neue Drachme (ND) ein. Die ND würde schlagartig abwerten und damit kurzfristig Griechenlands Produkte und Dienstleistungen international wettbewerbsfähig machen. Gegen diesen Weg sperrt sich die Politik aber noch, weil das den Euro schädige.

Das Entweder-oder-Denken führt nicht weiter. Wir schlagen vor, beide Ansätze zu kombinieren. Griechenland bleibt im Euro-Verbund und hält am vereinbarten Kurs der Haushaltskonsolidierung fest. Griechenland führt aber im unbaren Zahlungsverkehr die ND als eine gleichberechtigte zweite Landeswährung ein. Die Zentralbank bleibt Teil des Euro-Systems, jedoch ohne Stimmrecht in der Geldpolitik.

In welchem Maße sie Aktiv- und Passivgeschäfte in Euro ausführen darf, wird ihr von der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgegeben. Beispielsweise könnte eine fortgesetzte Vergabe von Refinanzierungskredit in Euro erlaubt sein, jedoch in geringerem Ausmaß als bisher und nur unter strikter Aufsicht durch die EZB. Dagegen ist die griechische Zentralbank frei, auf eigene Rechnung und zu günstigeren Bedingungen Kredit in ND zu geben.

Die Euro-Bargeldbestände bleiben von der Umstellung unberührt. Das verhindert panische Reaktionen der Bürger. Alle Bargeldzahlungen erfolgen weiterhin in Euro. Steigt die Bargeldnachfrage, muss die griechische Zentralbank Bargeld beim Euro-System erwerben.

Die ND wird zum Kurs von 1:1 zum Euro eingeführt; danach wird der ND/Euro-Kurs als Marktpreis an den Geldmärkten bestimmt. Da die ND die schwächere Währung ist, bedarf es eines gesetzlichen Annahme- und Verwendungszwangs. Unbare inländische Zahlungen gelten zur Hälfte als in ND-Einheiten vereinbart und sind in ND zu erbringen. Das gilt gleichermaßen für die Bezahlung von Waren, Dienstleistungen, Steuern und Arbeitsleistungen. Der vorgeschriebene Anteil der ND-Verwendung sichert, dass es eine ständige Nachfrage von Unternehmen und Bevölkerung nach ND gibt.

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Drachme als zweite Landeswährung einführen

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Umstellung der Löhne wird wirksam sein

Kommentare zu " Gastbeitrag: Drachme als zweite Landeswährung einführen"

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  • Die Fundamentalisten beider Lager - Euro-Untergangspropheten sowie Euro-Fanatiker - können natürlich nichts mit Alternativen anfangen, wie der Author schon richtig schreibt, die Entweder-Oder-Streithähne behindern konstruktive Lösungsvorschläge.

    @Hellas, bei so einem bankrotten Bankenwesen wie Sie es beschreiben, sollten die Griechen vielleicht gleich gänzlich auf Währungen verzichten und mit Fetakäse und Hammelkeulen bezahlen?


    Danke, Herr Thomas Mayer u.a. - ich hoffe Sie finden noch mehr Unterstützung aus der Fachwelt für Ihren Vorschlag.

  • Ja, läuft irre gut in Cuba...

  • Auf dem Papier sieht das alles nett aus, nur wird hier die Rechnung ohne die Bevölkerung gemacht. Die pupt einen Haufen und schert sich einen Dreck drum. Das gibt in den Südländern die Mutter aller Bankruns.

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