Gastbeitrag
Es muss eine Alternative zur Diplomatie geben

Lösungen von Krisen wie jener in der Ukraine werden wesentlich durch die Machtverhältnisse zwischen den Beteiligten bestimmt. Es ist daher falsch, militärische Maßnahmen kategorisch zu tabuisieren, meint Hanns Maull.
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Dass es keine „militärischen Alternativen“ zu „diplomatischen“ oder „politischen Lösungen“ gäbe, gehört zu den ebenso gängigen wie ärgerlichen Gemeinplätzen der außenpolitischen Debatte um die Ukraine-Krise in Deutschland. Ärgerlich ist dieser Gemeinplatz nicht deshalb, weil er ganz falsch wäre (das sind Gemeinplätze selten), sondern weil er dem ernsthaften Nachdenken über Außenpolitik im Wege steht.

Tatsächlich ist die angebliche Alternativlosigkeit der Diplomatie ein Beispiel für mangelhafte analytische Präzision, vulgo: für Denkfaulheit. Natürlich könnte und sollte die Unabhängigkeit der Ukraine nicht zum Preis eines Kriegs in Europa „gerettet“ werden. Aber aus dieser Prämisse wird hierzulande häufig und gerne die Unvereinbarkeit von diplomatischen und militärischen Maßnahmen konstruiert und jegliche Form von letzteren tabuisiert.

Damit wird der Gemeinplatz gefährlich bodenlos, ja vielleicht sogar bodenlos gefährlich. Warum das so ist, wird deutlich, wenn man das Argument logisch zu Ende denkt: Dann wäre nämlich die vollständige Abrüstung die beste Möglichkeit, politische Lösungen zu ermöglichen.

Dass das zwar wünschenswert ist, in der Wirklichkeit aber nicht immer funktioniert, zeigt die gegenwärtige Krise in der Ukraine: Denn diese hat ja faktisch fast vollständig abgerüstet, weil sich die Machthaber in Kiew seit langen Jahren vor allem für ihre eigenen Belange interessierten, aber nicht für die der ukrainischen Gesellschaft insgesamt; die Vernachlässigung der Sicherheitskräfte ist dafür nur ein Beispiel in einer langen Liste von Versäumnissen.

Die Ukraine hat deshalb den russisch inspirierten separatistischen Umtrieben im Osten der Ukraine noch nicht einmal funktionierende Polizeikräfte entgegenzusetzen, und verteidigungsfähig ist sie schon gar nicht. Im Übrigen: Auch der Blick in unsere eigene, europäische Geschichte zeigt, dass Hitlers Aggressionspläne vor allem deshalb nicht rechtzeitig vereitelt werden konnten, weil Frankreich und Großbritannien faktisch weitgehend abgerüstet hatten.

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Lehren aus der Geschichte

Kommentare zu " Gastbeitrag: Es muss eine Alternative zur Diplomatie geben"

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  • Die Krönung der subversiven Berichterstattung und Legendenbildung oder ganz simpel gesagt: Geschichtsfälschung!
    Wie der Website von Jazenjuks Stiftung Open Ukraine zu entnehmen ist, haben das US-Außenministerium und die Nato seit Jahren Aktivitäten finanziert, die der ökonomischen und militärischen Annäherung an den Westen dienten. Vor diesem Hintergrund sind die Vorgänge um die Krim mit Vorwürfen wie den Begriffen Annexion“ oder Invasion“ an die Adresse Moskaus nicht hinreichend beschrieben.
    Im Januar 2008 löste Jazenjuk eine politische Krise aus, als er gemeinsam mit Staatspräsident Juschtschenko und Ministerpräsidentin Tymoschenko einen Brief an die NATO unterschrieb, in dem um die Aufnahme der Ukraine in den offiziellen Beitrittsprozess auf dem anstehenden NATO-Gipfel in Bukarest gebeten wurde. Die Oppositionsparteien sahen dies als eine dem Amt des Parlamentspräsidenten unangemessene politische Stellungnahme. Sie forderten Jazenjuk auf, seine Unterschrift offiziell zurückzuziehen, und verhinderten durch eine Blockade des Parlamentspräsidiums im Sitzungssaal die Arbeit der Werchowna Rada. Als Jazenjuk sich weigerte, seine Unterschrift zu widerrufen, wurden Rücktrittsforderungen laut.

    http://openukraine.org/en

  • Den Schwachsinn kann man nicht lesen. Schreiben alle von der SWP ständig nur Blödinn? Mit solchen Mitbürger braucht man keine Feinde. Kein Wunder, dass Deutschland in den Ruin getrieben wird. Die "netten" "Experten" leben nicht nur von meinem Geld, nein, ich soll auch einen Krieg für die führen. Unglaublich und ekelhaft!

  • Es darf eine Alternative zur Diplomatie geben. Dies darf jedoch kein millitärischer Konflikt sein und ich finde es erschreckend, dass dieser Lösungsweg immer häufiger salonfähig wird.

    Jeder der millitärische Lösungen fordert, sollte bereit sein sich in den Kampfanzug zu schmeißen. Nicht klug rumschwätzen und andere kämpfen lassen. Dies war bereits im Irak- und Afgahnistaneinsatz so. Nicht ein Angehöriger des Bundestages oder des US-Kongress war dort im Einsatz. Die hatten alle etwas Besseres zu tun.

    Nun Hanns Maull, schnell eine Waffe in Hand, Tarnanzug an, Helm auf und ab in die Ukraine. In wenigen Stunden könnten Sie schon da sein! Vielleicht finden sie schnell einen russischen oder ukrainischen gleichgesinnten Freiwilligen. Und alle können sich ordentlich was auf die Mappe hauen. Bitte die Zivilisten in Ruhe lassen!

    Mir persönlich ist die Ukraine nicht so wichtig, um mich oder meine Söhne zu opfern. Ich bleibe lieber zu Hause und friere ohne russisches Gas.

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