Gastbeitrag
Finanztransaktionssteuer trifft regulierten Börsenhandel

Die Finanztransaktionssteuer wird nicht nur Banken, sondern auch Bürger treffen. Die Generalsekretärin der Börsenvereinigung und der Vorstand der Börse Stuttgart über die Gefahren der geplanten Steuer.
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BerlinElf EU-Mitgliedsstaaten wollen gemeinsam eine Finanztransaktionssteuer einführen. Dazu liegt ein Richtlinienentwurf der EU-Kommission auf dem Tisch: Er sieht eine Besteuerung von Käufen und Verkäufen bei Aktien, Anleihen, Investmentfonds oder Zertifikaten in Höhe von 0,1 Prozent vor, bei Derivaten beträgt die Steuerhöhe 0,01 Prozent. Die Steuer soll nicht nur dann greifen, wenn ein Finanzinstitut aus den teilnehmenden Ländern an der Transaktion beteiligt ist. Laut EU-Vorschlag werden zudem alle Geschäfte mit Finanzprodukten besteuert, die in einem der teilnehmenden Staaten ausgegeben wurden.

So vielschichtig derzeit die Diskussion in den zuständigen politischen Gremien ist, so eindeutig erscheinen mittlerweile die Auswirkungen auf die Finanzmärkte, die Realwirtschaft und die Anleger. Denn dass vor allem Banken von der Finanztransaktionssteuer betroffen seien, entspricht nicht der Realität. Die Steuer trifft auch die Bürgerinnen und Bürger, weil sich Finanzprodukte verteuern werden. Ein Beispiel: Eine Familie nimmt eine Hypothek auf, um sich eine Immobilie zur Altersvorsorge zu finanzieren.

Zwar ist das Darlehen nicht Gegenstand der Finanztransaktionssteuer. Allerdings werden beispielsweise die Termingeschäfte der Bank besteuert, die sie zur Absicherung des festen Zinssatzes des Hypothekendarlehens tätigt. Daran ändert auch die Ausnahme von Finanzprodukten zur Altersvorsorge im Kommissionsentwurf nichts – Geschäfte zur Konstruktion dieser Produkte sind voll erfasst.

Und selbstverständlich wird die Besteuerung von den Finanzinstituten an die Bürgerinnen und Bürger durchgereicht. Das widerspricht dem ursprünglichen Postulat der Politik, die Verursacher der Finanzkrise an deren Kosten zu beteiligen. Damit sind sicherlich nicht private Anleger gemeint. Sie haben die Krise nicht verursacht und beteiligen sich nicht an Spekulationen, die es einzudämmen gilt. Sie tragen als Steuerzahler die Kosten der Krisenbewältigung und bestreiten zudem ihre Investitionen aus bereits versteuertem Arbeitseinkommen.

Kommentare zu " Gastbeitrag: Finanztransaktionssteuer trifft regulierten Börsenhandel"

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  • Wir vom Aktienclub fordern schon lange die Transaktionssteuer!
    Uns als Aktionäre trifft sie kaum, kann man doch bei der Transaktion beim geeigneten Anbierter leicht 0,5% Transaktionskosten sparen und mehr.
    Getroffen werden die Banken, Zocker und Finanzhaie, die mit automatischen Computerprogrammen permanent handeln.
    Wenn man weiß, dass das ganze Weltsozialprodukt 60 Billionen beträgt, aber die Summe der gehandelten Derivaten 600 Billionen! Da kann man sich nur an den Kopf fassen.
    Hören sie auf, dem kleinen Anöleger einzureden, die schade ihm. Mit diesem Trmmelfeuer wollen die Finanzhaie ihre Spielwiese behlten. Das Handelsblatt sollte sich nicht zum Sprecher machen für diese halbkriminallen Praktiken. Wenn dem nicht Einhalt geboten wird, wird es irgendwann ein böses Erwachen geben!

  • Die Finanztransaktionssteuer ist die alte Börsenumsatzsteuer. Und die ist 1991 nach Mauerfall und Schamverlust abgeschafft worden.

    Bis 1985 hat sich die Börse kaum bewegt:

    http://www.boerse.de/langfristchart/DAX/DE0008469008

    Anfang der 80er Jahre haben sich die einige Vorstände zusammengetan und abgesprochen, eine Eurozone zu gründen, angeblich, weil sie damit wettbewerbsfähiger würden. Ihr Manifest steckten sie Jaques Delors zu , und der gab das Manifest auf einer Rede 1985 im Europaparlament als sein eigenes aus. (sind eigentlich alle Franzosen dreckige Lügner?)

    1989 fiel die Mauer, nicht, weil die DDR bankrott war, die war weit weniger verschuldet zum BIP als alle europäischen Staaten und die USA, die SED ist politisch gestürzt worden.
    Schon der Wirtschaftsminister Rexrodt war emsig am Strippenziehen hinter der Bühne, selber in x-Aufsichtsräten vertreten, um seine Verschmelzungsabsichten kunzutun. In den 80er Jahren war es wohl auch, als die FDP allen versprech, dass die Privatisierung des Tafelsilbers zu Glück und Wohlstand führten, und an die Investoren gerichtet zusicherte: ein breiter Niedriglohnsektor sollten die SÄulen des Reichtums werden.

    Wenn man nur die Ereignisse aneinanderreiht, hört sich das sofort an wie eine Verschwörungstheorie. Aber dafür kann ich nichts.

    (zur Headline sage ich mal nix)

  • Frau Hardt, Sie haben vollkommen Recht. Aber man versteht Sie nicht, das beweisen auch die anderen Kommentare. Sie müssten in die Welt hinausgehen und zeigen, wie wertvoll die Transparenz an den Börsen ist und wie wichtig und nützlich hohe Liquidität ist.

    An einer Börse ist der Preis eines Gutes (Anleihe, Kupfer, Weizen etc.) öffentlich bekannt, so dass auch die Margen beim Verkauf bekannt sind und daher tendentiell klein sind, im Gegensatz zu den Produkten im Einzelhandel (z.B. Pullover), wo wir 50 oder 100% Marge bezahlen müssen.
    Hohe Liquidität bedeutet geringe Transaktionskosten. Die Transaktionssteuer wird vermutlich die Liquidität in manchen Märkten drastisch absenken und damit Sand in ein Getriebe streuen, das wir alle brauchen, auch wenn die meisten Menschen nicht direkt sondern indirekt betroffen sind und es deshalb nicht merken und verstehen.
    Die Geldwirtschaft hat einen so schlechten Ruf (z.T. zu Recht, Landesbanken sind ein trauriges Beispiel), aber die Geldwirtschaft muss (fast) reibungsfrei funktionieren, da sie fast allen Prozessen im täglichen Leben zu Grunde liegt, ob es den "edelmütigen Geldverachtern" gefällt oder nicht.

    Frau Hardt, schreiben Sie nicht nur für Ihresgleichen, machen Sie es sich zur Aufgabe, ein wenig mehr Finanz-Bildung unter das gar nicht so dumme Volk zu bringen!

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