Gastbeitrag
„Friss-oder-stirb-Prinzip zerreißt den Euro“

Wie Zyperns Hilferuf vom Tisch gewischt wurde, war respektlos. Wenn das Beispiel Schule macht und die „großen“ EU-Mitglieder ihre „kleinen“ EU-Partner weiter so behandeln, wird die Europa-Idee scheitern.
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Der verzweifelte Hilferuf des zypriotischen Präsidenten, der kurzerhand vom Tisch gewischt wurde, hat das Potential, zu einem Lackmustest für das Überleben der europäischen Idee zu werden. Wenn sich tatsächlich verfestigen sollte, dass „großen“ Krisenstaaten wie Spanien großzügig entgegen gekommen wird, während „kleine“ Krisenstaaten wie Zypern oder Griechenland nach dem „Friss-oder-stirb-Prinzip“ abgefertigt werden, dann werden Fliehkräfte geschaffen, die das Potential haben, Europa zu zerreißen.

Kluge Europapolitiker wie Hans-Dietrich Genscher und Helmut Kohl haben ihre Partner immer auf Augenhöhe behandelt. Sie wären in der Lage gewesen, die Realitäten zur Kenntnis zu nehmen. Und diese bestehen eben darin, dass Zypern kaputtgespart wird. Nach Berechnungen der Euro-Gruppe wird die zypriotische Wirtschaft in diesem Jahr um 8,7 Prozent und im Folgejahr um 3,9 Prozent zurückgehen. Dass  Zypern die zu erwartenden Folgen dieses gigantischen Austeritätsprogramms nicht als Volkswirtschaft überleben wird, lag schon damals auf der Hand. Der Economist geht von einem Einbruch von 25 Prozent der Wirtschaftskraft in den nächsten Jahren aus.

Die zyprische Regierung bittet die Euro-Zone deshalb erneut um Hilfe. Hintergrund des Briefes des zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiadis an die europäischen Verhandlungsführer ist, dass die mit weitem Abstand größte Bank Zyperns, die Bank of Cyprus, vor dem Untergang steht, weil sie von der Troika mit den Altschulden der zweitgrößten und abgewickelten Bank (Laiki) belastet wurde. Diese Schulden von 9 Milliarden Euro bestehen aus Krediten der Europäischen Zentralbank, die nach deren eigenen Regularien nie hätten gemacht werden dürfen, da die Laiki insolvent war.

Die Altschulden führen nun dazu, dass keiner auf dieser Insel mehr Vertrauen in das Überleben der Bank of Cyprus hat. Zypern befindet sich in einem Dilemma. Einerseits wird die Bank of Cyprus mit Kapitalkontrollen vor einem „Bank Run“ geschützt, diese zerstören aber gleichzeitig die Wirtschaft weiter.

Zypern hatte einmal eine boomende Wirtschaft und wäre mit einiger Wahrscheinlichkeit mit einer einmaligen Sanierung seiner Banken und Staatsfinanzen bei gleichzeitigen Reformen und gemäßigten und längerfristigen Korrekturen im Bankensektor eine wohlhabende und prosperierende Insel geblieben. Sicher, es gab am zypriotischen Wirtschaftsmodell mit niedrigen Steuern und einem enormen Bankensektor und nicht immer konsequenten Kontrollen zu Recht einiges auszusetzen und zu korrigieren.

Kommentare zu " Gastbeitrag: „Friss-oder-stirb-Prinzip zerreißt den Euro“"

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  • bravo! chatzi ist der beste,yeah

  • richtig!! chatzi war,ist und bleibet wahrscheinlich ein wichtigtuerischer schmarotzer erster klasse!!

  • O-Ton Chatzimarkakis und Faustmann
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    Der verzweifelte Hilferuf des zypriotischen Präsidenten, der kurzerhand vom Tisch gewischt wurde, hat das Potential, zu einem Lackmustest für das Überleben der europäischen Idee zu werden. Wenn sich tatsächlich verfestigen sollte, dass „großen“ Krisenstaaten wie Spanien großzügig entgegen gekommen wird
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    Schon die Voraussetzung von der das Elaborat der Herren ausgeht ist verkehrt.

    Zypern hat einen Bail-Out-Kredit von 56% seines BSP erhalten, und schreit schon nach zwei Monaten nach mehr.

    Spanien wurde letztes Jahr ein Kreditrahmen von 9,6% seines BSP zugesagt, von dem es bisher weniger als die Hälfte abgerufen hat, und den es voraussichtlich nicht ausschöpfen wird.

    Respektlos ist nicht der abschlägige Bescheid seitens der EU, sondern die unverschämte Bettelei des zypriotischen Präsidenten.

    +++

    O-Ton Chatzimarkakis und Faustmann
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    Kluge Europapolitiker wie Hans-Dietrich Genscher und Helmut Kohl haben ihre Partner immer auf Augenhöhe behandelt. Sie wären in der Lage gewesen, die Realitäten zur Kenntnis zu nehmen. Und diese bestehen eben darin, dass Zypern kaputtgespart wird.
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    Selten so einen Schwachsinn gehört.

    Das Geschäftsmodell hohe Zinsen für russische Kleptokratenkohle zu erwirtschaften indem man sie an die griechische Staatskleptokratie weiterverleiht um aus der Marge seinen Schnitt zu machen war eben geplatzt.

    Sollen die nutzlosen Bankangestellten jetzt für ewig-und-drei-Tage auf Kosten der guteuropäischen Steuerzahler weiterbeschäftigt werden?

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