Gastbeitrag
Gehaltsdeckel für deutsche Fußballstars

Bayern München und Borussia Dortmund dominieren die deutsche Fußballliga – sportlich und: finanziell. Das ist unfair und wettbewerbsverzerrend. Die USA zeigen wie man Superclubs wirksam ausbremst.
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Wir Deutsche wie auch wir Europäer generell sind sehr stolz darauf, dass unsere Gesellschaft deutlich weniger geldgesteuert und allgemein fairer ist als die amerikanische. Allerdings gibt es mindestens eine eklatante Ausnahme, wo wir von den Amerikanern lernen können und müssen. Sie betrifft die schönste Nebensache der Welt, den Fußball. Dieser Befund wird wahrscheinlich eine ziemliche Überraschung für alle Europäer sein, die über die extrem hohen Spielergehälter in US amerikanischen Sportligen – vom American Football oder Basketball bis zum Baseball und Eishockey – hören und lesen.

Hierzulande gibt es eine rege Diskussion darüber, inwieweit Bayern München und Borussia Dortmund nicht zu dominant geworden sind und ob sich dieser Trend aufgrund ihrer Marktmacht beim Spieleraufkauf nicht noch weiter fortschreiben wird. Das würde dem echten Wettbewerb in der Bundesliga nicht gut tun. Immerhin haben die beiden Mannschaften seit 2000 insgesamt zehn Meisterschaften errungen sowie zahlreiche weitere Titel.

Gleiches gilt übrigens auch europaweit. In Spanien ist die Situation sogar noch eindeutiger. Der FC Barcelona und Real Madrid gewannen seit der Spielzeit 2000/2001 insgesamt elf nationale Meisterschaften. In England ist die Situation nur ein bisschen besser. Dort haben im selben Zeitraum drei Mannschaften – Manchester United, Arsenal und Chelsea – zwölf britische Premier League und acht FA Cup-Titel erobert. In den anderen europäischen Ländern ist es ähnlich; die Macht liegt bei ganz wenigen Superclubs.

Angesichts dieser bemerkenswerten Konzentration der sportlichen und damit verbundenen finanziellen Potenz stellt sich das Problem der Fairness im Sport durchaus sehr konkret. Es besteht nämlich die reale Gefahr, dass diese Klubs zu dominant und einflussreich geworden sind und ihre Überlegenheit sich weiterhin derart rasant steigert, dass alle anderen Konkurrenten mehr oder weniger mit ihrer Leistungsfähigkeit an den Rand gedrängt werden.

Diese Frage beschäftigt nicht nur die Sportwelt, Marketingexperten und Millionen von Fans, sondern auch uns Ökonomen, zumal solche, die sich mit dem Arbeitsmarkt und den beruflichen Aufstiegschancen beschäftigen.

Kommentare zu " Gastbeitrag: Gehaltsdeckel für deutsche Fußballstars"

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  • @women: Den Mehrwert den ein Fußballer generiert ist die "Freude" an dem Sport für die Fans. Er sorgt dafür, dass man sich ein Ticket für 50€ oder ein Trikot für 80 kauft. M.E. sollte er für diese "Leistung" auch entsprechend entlohnt werden. Ob das nun so einen gewaltigen Nutzen stiftet ist eine ganz andere Frage. Aber solange die Fans in das Stadion gehen, anstatt sich ein 2. Brot am Tage zu kaufen, sehe ich das nicht als verwerflich.
    Was ich jedoch als Ändernswert ansehe, ist die Besteuerung. Wer viel "leistet" (bzw. besser: durch die Zahlungsbereitschaft der allgemeinen Bevölkerung viel verdient) sollte auch einen großen Batzen wieder an die Bevölkerung zurück geben (sprich: höhere Einkommenssteuer). Jedoch bedürfte es Werturteilen, welche sich nicht objektiv bemessen lassen, um zu sagen, ob der Bäcker oder der Fußballer mehr Nutzen für die Bevölkerung stiften.

  • Ist eigentlich schon unglaublich, daß ein Balltreter so hoch bewertet wird. Wenn man dies dann noch in Relation zu dem Einkommen von Bauern, Handwerker setzt und den Nutzen für die Bevölkerung mit betrachtet, dann wirds schauderhaft. Im Notfall lässt sichs gut ohne Fußball auskommen, aber ohne Lebensmittel, ohne Bäcker, Zimmerer, Maurer, Installateur, Elektriker???

  • Zu den bereits genannten Gesichtspunkten kommt ein weiterer: Die US-Sportligen sind als Kartelle organisiert. In den USA sind sie vom sonst geltenden Kartellverbot befreit. Der Preis für die Gehaltsdeckelung sind auch immer wieder Arbeitskämpfe, lediglich im Baseball herrscht seit 1994, als wg. Aussperrung sogar die World Series ausfiel, relativer Arbeitsfrieden. Dafür gibt es im Baseball auch kein salary cap.
    Dies wie auch der in USA praktizierte Draft wären mit europäischem Wettbewerbs- und Arbeitsrecht absolut unvereinbar. Schon die Deckelung von Spielergehältern zB in der Bundesliga wäre eine illegale Kartellabsprache. Und Dortmund ist sicher nicht in den letzten drei Spielzeiten zweimal Meister geworden, weil man höhere Spielergehälter als Bayern München bezahlt hat.

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