Gastbeitrag GIZ-Chefin Gönner: Fünf Punkte für eine Besserung der Lage

Gastbeitrag GIZ-Chefin Gönner
Hoffnung für Afrika

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Fünf Punkte für eine Besserung der Lage

Auch die politische Aufmerksamkeit ist heute größer denn je. Die Afrikanische Union verfolgt zudem ehrgeizige Ziele für eine fundamentale Transformation des Kontinents: Dazu zählen eine große Freihandelszone genauso wie ein integriertes Schnellbahnnetz oder eine virtuelle afrikanische Universität.

Selbst in Fragen von Krieg und Frieden nimmt Afrika seine Geschicke immer häufiger in die eigene Hand: Erst vor ein paar Monaten hat eine rein afrikanische Eingreiftruppe den unterlegenen Kandidaten in Gambia zur Machtaufgabe gezwungen. Entgegen landläufiger Meinung werden Afrikas Länder auch nicht durchweg von Despoten regiert; diverse Machtwechsel seit 2010 sind friedlich verlaufen, etwa in Guinea, im Niger oder im Senegal.

Nun gilt es, alle diese positiven Ansätze fortzuführen und zu stärken. Vor allem auf fünf Punkte kommt es dabei an: Erstens müssen die Rahmenbedingungen für eine stabile politische und wirtschaftliche Entwicklung und für Investitionen aus dem Ausland durch die Staaten selber weiter verbessert werden. Dabei steht der Kampf gegen Korruption ganz oben. Aber auch handlungsfähige politische Institutionen, entschlackte Verwaltungen, klare Eigentumsrechte und Rechtssicherheit sind wichtig.

Es braucht zweitens erhebliche Investitionen in Bildung, nicht zuletzt in Berufsbildung, um die große Zahl an Arbeitssuchenden mit den Anforderungen einer sich entwickelnden Wirtschaft in Einklang zu bringen. Denn nur das führt zu mehr Beschäftigung. Auch beschäftigungsintensive Investitionen in die Infrastruktur sind unerlässlich. Das trifft für die Energie- und Wasserversorgung ebenso zu wie für Mobilität und Digitalisierung.

Als viertes muss die afrikanische Landwirtschaft einen Modernisierungsschub erfahren, um Erträge zu steigern, die Wertschöpfung auf dem Kontinent zu erhalten und nicht zuletzt auch hier Jobs zu schaffen. Und schließlich brauchen Frauen und Mädchen in allen Lebensbereichen gleiche Rechte, vom Erbrecht bis zum Zugang zu Krediten.

Den größten Teil dieser Aufgaben müssen die afrikanischen Staaten selber leisten; sie tragen die Verantwortung für ihre Länder. Dafür sollten sie den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen, auch wenn dabei große Herausforderungen in Form von Hungersnöten, Armut, Korruption und Konflikten zu bewältigen sind.

Viele Indikatoren zeigen in die richtige Richtung. Doch um die Entwicklung unumkehrbar zu machen, braucht Afrika internationale Unterstützung. Dabei geht es nicht um eine moderne Form des Kolonialismus, sondern um die gemeinsame und partnerschaftliche Suche nach den jeweils besten Lösungen. Dazu gehört auch Entwicklung dort weiter zu fördern, wo Reformen auf gutem Wege sind. Dafür nutzt die Bundesregierung auch ihre diesjährige G20-Präsidentschaft.

Zum ersten Mal überhaupt hat das Gremium einen regionalen Fokus auf Afrika gelegt. Dahinter steckt die Überzeugung, dass wir jetzt mehr denn je den Fortschritt dieses vielfältigen Kontinents beflügeln und befördern müssen. Weil die Gelegenheit selten günstiger war. Aber auch aus wohlverstandenem Eigeninteresse: als Markt von morgen und als eine Weltregion, die ein berechtigtes Interesse daran hat, ihre Jugend langfristig für die Entwicklung des eigenen Kontinents zu qualifizieren.  

Erst vor kurzem sagte der sierra-leonische Politiker Kandeh Yumkella fast ein wenig ungeduldig in Richtung Europa: „Betrachtet uns (endlich) als Markt und nicht (nur) als Problem.“ Diese Sichtweise könnte sich künftig noch stärker durchsetzen.

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  • Wenn die Formulierungen in diesem Artikel das „Leit-Bild“ widerspiegeln, anhand dessen unsere Politiker ihre Afrikapolitik zusammenstricken, wundert mich überhaupt nichts mehr.

    Erst ein bisschen Erdkunde für Anfänger, garniert mit ein paar politisch-korrekten „Erkenntnissen“ – oder besser: Allgemeinplätzen - aus Wirtschaftswissenschaft und -politik, dazu etwas pflichtbewusstes Problembewusstsein, und dann ein prall-schönes „Wünsch-Dir-was-Programm“. Bei dem die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort und die Bedürfnisse der „ganz normalen“ afrikanischen Bevölkerung offenbar erst die letzte Rolle spielen. Immer schön vooorsichtig an der oft knallharten Realität der Menschen dort vorbei (allein schon diese ewige Wasserschlepperei, die viele Mädchen vom Schulbesuch abhält…). Um hier bloß keinen potentiellen – ob man ihn einen nach humanistischen Kriterien agierenden seriösen Investor nennen kann oder eher einen skrupellosen Geschäftemacher nennen muss, kommt jetzt ganz auf die jeweilige individuelle Motivation an - zu verschrecken.

    Apropos „verschrecken“: Zum - hoffentlich - wenigstens teilweisen „Ausgleich“ haben sie in Afrika aber durchaus auch einige schöne und wertvolle – wenngleich (einige hier werden vielleicht denken: „leider“) meist immaterielle - Dinge zu bieten, die die meisten von uns aufgrund materieller Übersättigung zwangsläufig oft gar nicht kennen.

    Zu meinem eigentlichen Anliegen: An dem Artikel regt mich vor allem diese Passage hier auf:

    „Doch die Länder Afrikas haben einiges zu bieten. Der fast sagenhafte Ressourcenreichtum des Kontinents wurde häufig genug beschrieben, welche Chancen die sehr junge Bevölkerung Afrikas birgt, dagegen weniger. Darin steckt eine große Macht, die sich zum Guten oder zum Schlechten einsetzen lässt.“

    Bis in die allerjüngste Vergangenheit und oft nach wie vor wurde und wird dieser „sagenhafte Ressourcenreichtum des Kontinents“ in trauter, … >> Teil 2 folgt!

  • Teil 2/2:

    … trauter, formaljuristisch, (d.h. auf dem Papier*, s.u.) „korrekter“ Zusammenarbeit mit den dortigen „Regierungsverantwortlichen“ skrupellos AUF KOSTEN UND ZU LASTEN DER CHANCEN DER „sehr jungen Bevölkerung Afrikas“ ausgebeutet.

    Und je geringer deren Chancen und Perspektiven, insbesondere die der weiblichen Bevölkerung, umso unhaltbarer die immer rascher voranschreitende Bevölkerungsexplosion (die in diesem Artikel wohlweislich mit keinem Wort erwähnt wird, aber oft mangels echter demokratischer Strukturen samt der dazugehörigen Institutionen und Infrastruktur jeden Fortschritt sofort wieder "auffrisst").

    Soviel zu „… denn ein gängiges (Vor-)Urteil lautet: Afrika bleibt sich treu; es versinkt in Korruption und Konflikten – heute genauso wie vor zehn oder zwanzig Jahren“.

    *(Sarkasmus an:) Was auf diesen Papieren steht, hat ja die dumme Bevölkerung auch gar nicht zu interessieren, so sie denn überhaupt lesen und schreiben kann, nicht wahr? (Sarkasmus wieder aus).


    Und überhaupt, allein schon die Tatsache, dass dort Geld für Schulgebühren und –uniformen aufgewendet werden muss, was für viele Familien ein erhebliches finanzielles Opfer bedeutet, ist ein Unding. Und dass dieses Geld trotzdem oft aufgewendet w i r d, ein sehr deutlicher Hinweis darauf, wie wichtig den meisten Afrikanern Bildung und insbesondere die damit verbundene Hoffnung auf eine bessere Zukunftsperspektive ist. Und dass sie bereit sind, sehr viel dafür zu tun.

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