Gastbeitrag

Gut gemacht, Chefin!

Angela Merkel führt ihre Regierung, wie es in der Wirtschaft gang und gäbe ist. Und doch hagelt es Kritik. Dabei handelt Merkel nur wie ein Manager. Endlich mal - sagt einer der bekanntesten Headhunter Deutschlands.
  • Heiner Thorborg
25 Kommentare
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Härte gezeigt. Quelle: dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Härte gezeigt.

(Foto: dapd)

Wirklich recht machen kann Angela Merkel es keinem. Bisher war sie in der Kritik, weil sie Leute wie Ministerpräsident Roland Koch oder Wirtschaftsfachmann Friedrich Merz einfach weggebissen habe. Nun hat sie offen auf den Tisch gehauen und Norbert Röttgen schlicht die Entlassungspapiere in die Hand gedrückt, und es ist wieder verkehrt: So grob könne eine Bundeskanzlerin nicht mit Mitarbeitern umgehen, heißt es nun.

Natürlich kann sie! Diese Frau führt ja nicht den Kleinkleckersdorfer Anzeiger, sondern eine der größten Wirtschaftsnationen der Erde und sie hat daher nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, das bestmögliche Team zusammenzustellen, in dem sie jedem einzelnen vertrauen kann. Bei Röttgen war das nicht mehr gegeben, der Mann hat es nämlich erstens als Minister für Umwelt und Reaktorsicherheit geschafft, sich mit der kompletten Energiewirtschaft zu überwerfen und war zweitens dumm genug, im Wahlkampf um das bevölkerungsreichste Bundesland durchschimmern zu lassen, dass er auf Landespolitik überhaupt keine Lust hat.

Heiner Thorborg gehört zu den bekanntesten Personalberatern Deutschlands. Quelle: PR

Heiner Thorborg gehört zu den bekanntesten Personalberatern Deutschlands.

(Foto: PR)

Wenn sich Menschen in der Wirtschaft so geschäftsschädigend verhalten, wird von ihnen erwartet, dass sie die Verantwortung übernehmen und ihren Posten räumen – und wenn sie nicht freiwillig die Konsequenzen ziehen, dann fliegen sie eben raus.

Das ist in nordamerikanischen Unternehmen so, in britischen, schweizerischen und auch in deutschen. Für Merkel als CEO der Firma Deutschland war es daher richtig, ein Exempel zu statuieren: Gelegentlich muss ein guter Chef nicht taktieren, sondern Zeichen setzen.

Merkel hat Schwächlinge aufgeschreckt
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25 Kommentare zu "Gastbeitrag: Gut gemacht, Chefin!"

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  • Genau! Bei der Energiewende hat Frau Merkel die Marschroute vorgegeben und die Ziele gesetzt. Erst Hü, dann Hott. Wenn sich das Ganze jetzt schwieriger als erwartet oder als unrealistisch herausstellt, dann ist es einfach, wenn sie Herrn Röttgen als Schuldigen entlassen kann. Bravo. Vielleicht waren aber auch die Vorgaben unrealistisch. Leider darf sich Herr Röttgen nicht dazu äußern. Solange dies nicht der Fall ist, finde ich eine Gratulation an Frau Merkel zu seiner Entlassung höchst unfair.
    Was ich mutig und gut von Frau Merkel fand, war die Einladung des Dalai Lama. China war zwar verärgert, aber dies ging vorbei.
    Was ich schlecht finde, und was ein viel größeres Gewicht hat, ist ihre „Außenpolitik“ und ihr „Wirtschaftssachverstand“ . Dies kann uns Deutschen noch den Hals brechen.
    Bei der Griechenlandfrage hat wie in der Energiewende ein totaler Umschwung stattgefunden. Letztes Jahr musste Papandreou in Griechenland zurücktreten, da er wollte, dass sein Volk über einen Verbleib im Euro entscheidet. Unsere Frau Bundeskanzlerin war entsetzt. Jetzt kommt derselbe Vorschlag von unserer Seite. Herr Rösler musste schnellstens zurückrudern, da er gesagt hat, man sollte einen Plan B erstellen und prüfen, ob es nicht besser wäre, wenn Griechenland in eine geordnete Insolvenz ginge. Wahrscheinlich hat er inzwischen den Auftrag erhalten, genau dies doch zu tun
    Fr. Merkel hat sich von Frankreich über den Tisch ziehen oder erpressen lassen. http://www.youtube.com/watch?v=rGVKYpyCTpg
    Wie immer hatten die Kritiker recht, die vorhergesagt haben, dass Frankreich gar nicht daran denke zu sparen, und auch keine Lust mehr hat, bis 62 zu arbeiten. – Aber gerne Frankreich, an Stelle der Eurobonds führen wir diesen tollen ESM-Vertrag ein. Wir tun das gerne und übernehmen auch die Rolle des letzten Zahlers im ESM, der dann für alle Schulden aufkommt, weil die anderen ja leider unter dem Rettungsschirm sind.
    Der Letzte in Deutschland macht dann das Licht aus.

  • Guter Beitrag, einer der wenigen sachlichen!

    Die meisten Foristen leiden leider an neurotischem Defätismus (eine Art Internet-Mobbing gegen alles, was "da oben" gemacht wird)....
    Statt dessen sollte man über die politischen Alternativen zu Merkel nachdenken, da gibt es in anderen Parteien leider nichts wirklich Seriöses.....

  • @TABU
    Sehen Sie mal auf der 2. Seite der Bildergalerie nach. Dort finden Sie Frau Merkel!

  • Der aufgeklärte Bürger muss sich darüber im Klaren sein, was die Bundeskanzlerin im Moment leistet, geht ans Übermenschliche. Wenn Köpfe rollen, dann hat das sicherlich Gründe, die nicht unbedingt in der Öffentlichkeit ausgebreitet werden müssen. Um Merz, diesen Steuerillusionisten, um Koch, der in der Spendenaffaire keine rühmliche Rolle gespielt hat, tut es mir keineswegs leid. Bei Röttgen, der mir vor allem durch sein nassforsches Verhalten aufgefallen ist, bin ich mir noch nicht so sicher, zumal der Nachfolger eher ein Nobody ist. Es wird sich zeigen, ob Merkel bei der Personalentscheidung ein glückliches Händchen hatte, obwohl ich die Probleme in der Ministerriege eher bei ihren Damen und den CSUlern sehe.

  • Röttgen hat sich ungeschickt und sogar dusselig verhalten. Das ändert aber nichts daran, daß Merkel die CDU in ein Tränental führt. In Schleswig-Holstein hat die CDU auch deutlich verloren - da war kein Röttgen, dem man es in die Schuhe schieben könnte.

  • Hier geht es nur um reine Machtpolitik. Mutti hat den Röttgen als Netzbeschmutzer entsorgt, als Exempel der verbliebenen Truppe dahingehend statituiert, dass mit Illoyalität ihr gegenüber kein Fortbestehen möglich ist.

    Und dieses Prinzip verfolgt sie bereits von der ersten Stunde an.

  • Herr Röttgen hat aber aber einen Landtagswahlkampf für die CDU geführt. Das hat jedoch nichts mit seinem Posten als Bundesminister zu tun.
    Frau Merkel hat die Laufzeitverlängerungen beschlossen. Herr Röttgen durfte es anschließend dem Volke erklären. Ebenso die Rücknahme der Laufzeitverlängerung und die Hundertachtzig Grad Kehrtwende in der Energiepolitik. Das waren Mekels Entscheidungen. Herr Röttgen wurde doch schon damals als Mamis kleines Jungchen hingestellt. Seine Autorität untergraben.
    Die verlorene Wahl, was besseres hätte Frau Kanzlerin nicht passieren können.
    Schon Wochen vor der Wahl ließ man seinen Nachfolger durch sämtliche Talkrunden tingeln, plötzlich kannte Ihn jeder. Jetzt wird er als Experte angesehen.
    So schnell geht das.

  • Anonymer Benutzer: Sumpfkraut,

    "Fehler eines Ministers haben größere Auswirkungen als Fehler eines Filialleiters"?
    In den meisten Ministerien würde es gar nicht auffallen wenn der Minister oder gar die gesamte Politikerriege fehlt. Für einen Ministerialdirektor wäre der ganze Eurospuk längst ausgestanden,da er nach den Gesetzen und Verträgen handen muß.
    Was einen Politiker ganz wesentlich von einer Unternehmensleitung unterscheidet,ist der Faktor Zeit. Politiker neigen dazu,Probleme auszusitzen. In Unternehmungen können 10tel Sekunden Entscheidungsverzögerungen schwere Folgen haben.

  • Dass Angela Merkel auch eine Managerin ist, kann man nicht leugnen. Wie ein CEO gute Rahmenbedingungen für sein Unternehmen schaffen muss, um in Zukunft und in der Gegenwart gut aufgestellt zu sein, so hat Frau Merkel und ihr "Vorstandsteam" - die Bundesministerien - auch dafür zu sorgen, dass die Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmer und die Bevölkerung in Deutschland positiv sind.
    Dass sie Herrn Röttgen entlassen hat, war auch nur konsequent. Er hat am Ende der Landtagswahl einen eigenen Wahlkampf geführt, der gnadenlos in die Hose gegangen ist. Hätte er sich auch nur annähernd besser verkauft, wäre die CDu problemlos über 30% gekommen. Das ist kein Traumergebnis, aber kein desaster wie die 26% jetzt.
    Zu guter Letzt ein Gedankenanstoß an alle, die sich über die mangelnde Qualifikation unserer Politiker beschweren: Wer mit Bananen bezahlt, wird nur Affen für den Platz bekommen. Was Frau Merkel im Jahr verdient, verdienen viele mit einer ähnlichen oder kleineren Verantwortung in einem Monat. Wer fähige Leute will, der muss sie dementsprechend vergüten.

  • Ein "Chef", der so die Schäden der mißlungenen Aktion beseitigen muß, hat wohl nicht nur einen gravierenden Fehler gemacht. Aber solche "Fachleute", wie dieser Personal-Hanswurst, bevölkern ja zuhauf die "Zugangswege" in den Unternehmen und im Politikbetrieb. Die Ergebnisse sind auch entsprechend.

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