Gastbeitrag Klaus Schuster
„Frauen bringen die Sache voran, Männer ihre Karriere“

Klaus Schuster berät, coacht und trainiert Topmanager und junge Talente aller Branchen und Bereiche. In einem Gastbeitrag schreibt er über schlechtes Management und den kleinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.
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DüsseldorfWir haben die Frauenquote bitter nötig. Denn wenn man beobachtet, wie viele hoch qualifizierte Frauen nur kurze Zeit nach ihrem medienwirksam gefeierten Aufstieg ins Topmanagement hinschmeißen und mit dem Ausdruck höflich verschleierter Verachtung aus ihren Spitzenpositionen ausscheiden, kann uns nur noch die Alcatraz-Quote retten: Wenn eine Frau mal in eine Führungsposition aufgestiegen ist, darf sie diese unter Strafandrohung nicht mehr verlassen! Man könnte natürlich auch die Ursachen für das mittlerweile massiert zu beobachtende „Frauensterben im Management“ abstellen …

Der Bullshit: Da ist zum Beispiel Beate. Sie ist Abteilungsleiterin. Zurzeit gibt es Stunk im Unternehmen; ein A-Kunde droht mit Absprung. Ein Vorstandsmitglied beruft die Mächtigen des Konzerns ins Meeting. Der Vertrieb beklagt die mangelnde Attraktivität der Produktpalette. Das Produktmanagement wirft dem Verkauf Abschlussschwäche vor. Der Chefcontroller erkennt die Logistik als zu langsam. Jeder weiß, woran es liegt. Schließlich kennt man sich aus. Das leitende Vorstandsmitglied betrachtet das Meeting als vollen Erfolg und will es eben beenden, da fragt Beate: „Wer führt denn nun bis wann welche Aktion durch und wer verantwortet jeweils die Maßnahmen?“ Antwort des Vorstandsmitglieds: „Lassen Sie mal gut sein! Es wissen doch alle, was zu tun ist. Belasten Sie unsere Initiative bitte nicht mit unnötiger Bürokratie!“

Die Konsequenzen: Beate kriegt den Mund nicht zu. Sie ist, mal wieder, fassungslos. Und das aus gutem Grund: Sechs Wochen nach dem Meeting springt der Kunde wie angedroht tatsächlich ab. Nicht weil die vereinbarten Aktionen wirkungslos gewesen wären, sondern weil zwei von fünf Maßnahmen nie aus den Startlöchern kamen: Keiner fühlte sich so recht dafür zuständig. Es waren ja auch keine Zuständigkeiten vereinbart worden …

Die Anpassungsreaktion: Beate will etwas bewegen, will es „richtig“ machen – und kriegt prompt einen Maulkorb verpasst. Hätte Beate – wie die Männer in der Runde – brav mitgelabert im Meeting, hätte sie der Vorstand nicht abgekanzelt. Warum haben die Männer nichts gesagt? Weil sie inkompetent sind? Korrupt, dumm, faul? Im Gegenteil: andere Anpassungsreaktion. Ich möchte keinem empirischen Sozialforscher die Butter vom Brot nehmen, aber ich habe die Beobachtung gemacht: Männer resignieren (und machen Karriere), Frauen kündigen (und machen ein Start-up auf, sich selbstständig, gründen eine Familie oder gehen zu einer NGO). Der Brain Drain weiblicher High Potentials ist in einigen Unternehmen so groß, dass man es eher wagen könnte, über dessen Schwarze Kasse als über sein Gender-Versagen zu sprechen. Was ist hier los?

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Männer kündigen innerlich, Frauen gehen

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Was Männer quält

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  • Schmunzelnd habe ich die Kommentare meiner Vorredner gelesen. Sie spiegeln sehr deutlich, warum wir eine Frauenquote benötigen. Die Art und Weise, in der viele Männer über Frauen heute noch denken, liegt, wie man unschwer sieht, irgendwo im Niemandsland zwischen Hexenverbrennung und Heimchen am Herd. Für sie dürfen Frauen bestenfalls die freundlich lächlende Staffage im Sekretariat oder das hübsch funkelnde Lametta beim Business Dinner abgeben.

    Es ist gerade unglaublich, welche Ressourcen an gesundem Menschenverstand und dialektischem Potenzial verschenkt werden, weil in den meisten Meetings männliche Pfeifen, die nix können, mit Testosteron-Posaunen diskutieren, die viel reden, aber nix tun.

    Richtig greifen werden Maßnahmen zur Frauenförderung aber erst, wenn die Sozialisation von Frau und Mann auf neuen Füßen steht und wenn Frauen so die faire Chance erhalten, als das, was sie sind, nach oben zu kommen. Im Moment schaffen es zu häufig nur die Frauen an die Spitze, die zum Mann im Kostüm mutieren. Damit wird es zwar nach der Anzahl der Köpfe gerechter, aber das Potenzial ureigener weiblicher Stärken wird nicht erschlossen.

    Vermutlich muss es einen Paradigmenwechsel durch das langsame Aussterben der Betonköpfe geben, die Frauen lieber mobben als mit ihnen zu jobben. Die Zeit wird es wohl richten - auch wenn viele, die das heute lesen, es vielleicht nicht mehr erleben werden.

  • • Eine Quote ist das letzte, was wir brauchen. Noch ein Bürokratiemonster. Irgendwie ist das alles sehr typisch für die SPD-Gedankenwelt (und die der Grünen): regeln, regeln, und natürlich kontrollieren und kontrollieren und sanktionieren und sanktionieren. Und wer macht?? Mal ehrlich: Wenn eine Frau gut ist, dann bleibt sie. Wenn es nur eine Proporz-Frau ist, dann zeigt sich das schnell (was häufig der Fall war). Und Frauen haben natürlich genau so ihre Karriere im Blick wie Männer. Was soll denn das ganze fromme Geschwätz von der besseren "Hälfte"? Dann schauen Sie sich nur mal die Ministerpräsidentin von Rheinland Pfalz an. Mehr Harre auf der Zunge, mehr Arroganz, mehr Ignoranz und mehr Besserwisserei ist mir noch selten bei einem Mann begegnet. Und wenn Fr. Dreyer ihr Gesicht zu einem Lächeln verzieht hat man den Eindruck, sie käme von Liften. Keine Emotion, reine Mechanik. Über die Ergebnisse ihrer Regierung reden wir besser nicht. ....

  • das Problem an der puren Frauenquote hat der Autor ja ganz gut erkannt.
    Man braucht eigentlich ne Quote für Leute, die noch nicht innerlich resigniert haben.
    Und ne Quote fuer Bullshit-Produzenten.

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